Wenn man auf einem Campingplatz lebt – in einem alten Charley mit Herz, Charme und jeder Menge Baustellen – ist der Alltag ein einziges Abenteuer. Während andere morgens mit dem Auto zur Arbeit fahren, mache ich meine Kaffeemühle startklar, drehe am Zassenhaus-Griff, genieße den Duft frischer Bohnen und überlege, ob heute das Dach oder doch der Ofen dran ist.
Der Plan war klar: Mein geliebter Charley soll winterfest werden – mit allem, was dazugehört. Dach, Boden, Isolierung. Und endlich ein Ofen, der nicht nur Wärme bringt, sondern auch ein kleines Stück Luxus in mein kleines Reich aus Holz, Schrauben und Improvisation.
Der Fund war ein Glückstreffer: ein Edilkamin RISA PLUS Pelletofen – 8 kW, solide Technik, charmant anzusehen. Und mit etwas Glück sogar genehmigungsfähig. Dachte ich.
Also schrieb ich Herrn Pfeiffer, dem örtlichen Schornsteinfeger – in bester Manier und mit allen Daten, die ich finden konnte: Wirkungsgrad, CO-Emission, Temperatur. Alles dabei, wie in einer Bewerbung um den Bundesverdienstorden. Und was kam zurück?
„Keine Staubwerte vorhanden – bitte beim Hersteller nachfragen.“
Klar. Warum auch einfach?
Ich fragte zurück: „Wissen Sie das nicht, Herr Pfeiffer? Sie sind doch Meister, eingetragen beim Zentralinnungsverband!“
Antwort: „Schauen Sie doch mal in die HKI-Datenbank.“
Also wieder ran an die Recherche. Während ich mit einer Hand E-Mails schrieb, machte ich mit der anderen schon Platz fürs Dachholz, das ich mit Jens verlegen will – mein Wohnzimmer braucht schließlich noch ein Dach, bevor der Frost kommt.
Zwischendurch kamen dann die technischen Rückfragen von Herrn Pfeiffer:
„Wo sind Reinigung und Anschluss-T-Stück?“
„Muss das ein bestimmtes T-Stück sein?“
„Bitte nur Originalteile vom Hersteller!“
Ich wusste nicht, ob ich lachen oder schreien soll. Immerhin hatte ich den Ofen noch nicht mal abgeholt. Und jetzt klang es, als würde ich einen Raketenstart vorbereiten.
Doch wir Camper sind zäh. Also antwortete ich weiter – freundlich, mit einem Hauch Sarkasmus:
„Hervorragend, was Sie heute für mich geleistet haben. Gebe ein Bier aus!“
Denn: Wer sein Feuer will, muss erst durchs Bürokratie-Fegefeuer.
Während ich also weiter nach Originalteilen suche, Jens und ich das Holz für das neue Dach bereitlegen und ich überlege, wie man einen Schornstein so verlegt, dass auch Herr Pfeiffer glücklich ist – male ich mir schon mal das erste knisternde Feuer im Charley aus. Und stelle mir vor, wie der Kaffee dann noch besser schmeckt.
Vielleicht lachen jetzt schon ein paar Camper mit, die auch wissen:
Auf dem Campingplatz ist nichts einfach – aber alles echt.
Mit herzlichen Grüßen, an alle Camper
Andreas Carrabelloy

