Bildquelle: Carrabelloy, Aufnahme vom 23. August 2026 Inhaltliche Abgrenzung: lokaler Waldzustand, kommunale Zuständigkeit und überprüfbare politische Verantwortung
Auf Bildern aus dem Raum Schleiden sind zahlreiche braune Baumkronen neben weiterhin grünen Beständen zu sehen. Das ist dokumentiert. Nicht dokumentiert ist bisher, warum diese Kronen braun sind, wem die konkrete Fläche gehört und welche Stelle sie forstfachlich betreut. Genau dort beginnt politische Verantwortung.
Die Bilder beweisen weder eine einzelne Ursache noch persönliche Schuld. Trockenheit und Hitze kommen ebenso infrage wie vorzeitiger Laubfall, Schädlings- oder Pilzbefall, Nährstoffmangel und eine Kombination mehrerer Belastungen. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft warnt ausdrücklich vor Ferndiagnosen. Sichtbare Verfärbung und Kronenverlust sind aber ein berechtigter Anlass für eine fachliche Untersuchung.
Wer daraus nur den Satz „Das kann vieles sein“ ableitet, macht sich die Unsicherheit zur Ausrede. Die richtige Antwort lautet: Eigentum und Zuständigkeit feststellen, Baumarten und Schadbild erfassen, Untersuchung veranlassen, Ergebnisse veröffentlichen und Maßnahmen begründen.
Ein sichtbarer Befund direkt vor der Tür
Carrabelloy beobachtet diesen Bestand von seinem Aufenthaltsort im Raum Schleiden aus regelmäßig. Für ihn ist der Wald kein abstrakter Bericht und keine Kulisse für einen politischen Termin. Er sieht grüne Kronen neben auffällig braunen Flächen und nimmt wahr, wie sich das Bild verändert.
Seine persönliche Einschätzung lautet: „Ich gehe dort spazieren, ich kenne diesen Blick und ich sehe, wie viel Stress dieser Wald hat. Es gibt Flachwurzler und Tiefwurzler, unterschiedliche Böden und unterschiedliche Reaktionen. Aber in der Summe ist mein Eindruck eindeutig: Dieser Wald ist krank.“
Das ist die Beobachtung eines Anwohners, keine amtliche Diagnose. Gerade deshalb muss sie weder überhöht noch weggewischt werden. Bürger müssen keine Forstwissenschaftler sein, bevor sie sichtbare Veränderungen melden und Antworten verlangen dürfen.
Die Fotos sollten als zeitliche Reihe fortgeführt werden: möglichst gleicher Blickwinkel, Datum, Wetterlage und sichtbare Entwicklung. Das ersetzt keine Proben, keine Kronenzustandserhebung und keine fachliche Begehung. Es schafft aber einen nachvollziehbaren Ausgangspunkt.
Der Bürgermeister heißt Ingo Pfennings – Kritik braucht den richtigen Namen
Schleidens Bürgermeister heißt nach der amtlichen Stadtseite Ingo Pfennings. Er ist dort seit Dezember 2018 als Bürgermeister ausgewiesen. Die Vermutung, es handele sich um einen Herrn Pfeiffer, ist damit falsch.
Auch die Behauptung, der Bürgermeister kümmere sich wegen häufiger Urlaube nicht um die Stadt, ist nicht belegt. Sie gehört deshalb nicht als Tatsache in diesen Artikel. Persönliche Abwesenheiten wären ohnehin nur dann politisch relevant, wenn konkrete Amtsgeschäfte, Vertretungsregeln oder Entscheidungen nachweisbar darunter gelitten hätten.
Die sachliche Kritik ist stärker: Was weiß die Stadtverwaltung über den betroffenen Bestand? Gehört die Fläche der Stadt, dem Land, einer privaten Person, einer Forstbetriebsgemeinschaft oder einem anderen Eigentümer? Welche Fachstelle wurde eingeschaltet? Gibt es eine Gefahrenbewertung für Wege, angrenzende Flächen und Brandlast? Welche Ratsvorlagen, Haushaltsmittel oder Förderanträge betreffen Waldumbau, Wasserrückhalt und Brandschutz?
Die Stadt weist amtlich auf regelmäßige Bürgersprechstunden des Bürgermeisters im Rathaus und wechselnd in den Ortschaften hin. Für 2026 wurden Termine veröffentlicht. Das ist ein vorhandener Zugangskanal. Entscheidend ist nun, ob dort gestellte Fragen dokumentiert, fachlich weitergeleitet und später nachvollziehbar beantwortet werden.
Kommunale Verantwortung ist mehr als Eigentum
Eine Kommune ist nicht automatisch für jeden Baum im Stadtgebiet forstlich zuständig. Bei Privatwald liegt die unmittelbare Bewirtschaftungsverantwortung zunächst beim Eigentümer; Landesforstverwaltung, Forstamt, Naturschutz-, Ordnungs- oder andere Behörden können je nach Lage und Problem beteiligt sein. Bei kommunalem Wald trägt die Stadt direktere Verantwortung als Eigentümerin und politische Auftraggeberin.
Aus dieser Eigentumstrennung folgt aber kein kommunaler Freispruch. Die Stadt ist Ansprechpartnerin für Bürger, örtliche Gefahrenabwehr, Wege, Bauleitplanung, Versiegelung, kommunale Flächen, Feuerwehr und Teile der Klimaanpassung. Sie kann Zuständigkeiten klären, Fachstellen zusammenrufen, Ratsinformationen veröffentlichen und Fördermittel beantragen. Sie muss nicht jede Diagnose selbst erstellen. Sie muss aber sichtbar organisieren, dass eine begründete Meldung nicht zwischen Behörden verschwindet.
Gerade Schleiden nennt sich Nationalparkhauptstadt. Dieser Titel darf nicht nur Tourismusmarke sein. Eine Stadt, die mit Natur wirbt, muss öffentlich zeigen können, wie sie mit Trockenstress, geschädigten Beständen, Wasserhaushalt, Waldbrandvorsorge und langfristiger Pflege umgeht.
Was der Rat und die Verwaltung offenlegen sollten
Politische Verantwortung lässt sich in Akten und Entscheidungen prüfen. Für den konkreten Bestand und für die Waldpolitik im Stadtgebiet braucht es mindestens folgende Angaben:
- Lage und Eigentumsstruktur der gemeldeten Fläche, ohne private Wohn- oder Aufenthaltsorte öffentlich zu machen.
- Zuständige Forst-, Umwelt-, Ordnungs- und Brandschutzstellen.
- Datum und Ergebnis einer fachlichen Begehung.
- Betroffene Baumarten, sichtbares Schadbild und Grenzen der Diagnose.
- Kurzfristige Gefahrenmaßnahmen, etwa an Wegen oder bei erhöhter Brandlast.
- Langfristige Maßnahmen zu Naturverjüngung, Waldumbau, Wildschutz, Boden und Wasserrückhalt.
- Haushaltsansätze, Förderanträge, bewilligte Mittel und tatsächliche Ausgaben.
- Zuständige politische Gremien, Beschlüsse, Fristen und öffentliche Berichte.
Eine Verwaltung darf bei einzelnen Punkten auf andere Eigentümer oder Behörden verweisen. Dann muss sie aber konkret benennen, wer zuständig ist und wann eine Antwort erwartet wird. „Nicht unser Wald“ wäre ohne Weiterleitung und Gefahrenprüfung keine ausreichende Bürgerinformation.
Wasserrückhalt statt Symbolgießen
Die naheliegende Forderung, einen großflächig gestressten Wald einfach zu gießen, ist in der Regel weder realistisch noch ökologisch ausreichend. Waldflächen lassen sich nicht wie ein Stadtbeet bewässern. Einzelne Jungpflanzen können in der Anwuchsphase Hilfe brauchen; für den Bestand entscheidet jedoch der Landschaftswasserhaushalt.
Dazu gehören unversiegelte Böden, versickerungsfähige Flächen, gebremster Oberflächenabfluss, gesunde Humusschichten, angepasste Wegeentwässerung und standortgerechte Baumarten. Wo Entwässerungsgräben Wasser schnell aus der Fläche führen, muss geprüft werden, ob Rückhalt möglich und fachlich sinnvoll ist. Wo schwere Maschinen Böden verdichten, kann Regen schlechter einsickern. Wo Wilddruck Naturverjüngung verhindert, reicht Pflanzen allein nicht.
Kommunale Klimaanpassung muss diese Zusammenhänge mit Hochwasser- und Starkregenvorsorge verbinden. Nach der Flut von 2021 kennt Schleiden die Gewalt von Wasserüberschuss. Trockenheit und Starkregen sind dabei keine Gegensätze: Ausgetrocknete oder verdichtete Böden können heftigen Regen schlechter aufnehmen. Wasserrückhalt dient deshalb Wald, Boden, Grundwasser und Hochwasservorsorge zugleich.
Bürgerwald darf kein Pflanzfoto mit Ablaufdatum werden
Carrabelloy arbeitet parallel an der Idee eines langfristigen Bürgerwald- und Waldpflegeprojekts. Die Stadt Schleiden und weitere Kommunen wurden dazu angeschrieben. Eine automatische oder technische Zustellung ist noch keine fachliche Antwort und erst recht keine Flächenzusage.
Ein seriöses Bürgerwaldprojekt beginnt nicht mit dem Kauf möglichst vieler Setzlinge. Es beginnt mit Boden, Standort, Eigentum, Verträgen, Forstplanung und Pflege. Naturverjüngung kann je nach Fläche sinnvoller sein als Neupflanzung. Wo gepflanzt wird, braucht es standortgerechte Arten, Herkunftsnachweise, Wildschutz, Bewässerungsplanung für die Anwuchsphase, Ersatz bei Ausfällen und eine Kontrolle über Jahre.
Die politische Messlatte lautet deshalb nicht: Wie viele Menschen standen beim Pressetermin mit Spaten vor der Kamera? Sie lautet: Welche Bäume oder Naturverjüngungsflächen sind nach fünf trockenen Sommern noch stabil, wer hat sie gepflegt, was hat es gekostet und welche Fehler wurden korrigiert?
Gegenargument: Die Kommune kann nicht alles leisten
Das stimmt. Kleine und mittlere Kommunen haben begrenztes Personal, konkurrierende Pflichtaufgaben und nach Flut, Wiederaufbau und Haushaltsdruck enorme Belastungen. Forstliche Zuständigkeiten sind verteilt. Eine Stadtverwaltung kann keine Trockenperiode beenden und keinen Klimawandel allein stoppen.
Aber begrenzte Zuständigkeit bedeutet nicht begrenzte Transparenz. Gerade wenn Mittel und Personal knapp sind, müssen Prioritäten offenliegen. Welche Aufgabe wird zuerst bearbeitet? Welche Hilfe wurde beim Kreis oder Land angefordert? Welche Förderung ist beantragt? Wo fehlen Fachkräfte? Welche Entscheidung hat der Rat getroffen?
Ehrlich benannte Grenzen sind glaubwürdiger als große Klimaversprechen ohne Vollzug. Kommunalpolitik muss nicht allmächtig sein. Sie muss erreichbar, nachvollziehbar und rechenschaftspflichtig sein.
Ein klarer Arbeitsauftrag an Schleiden
Für den gemeldeten Bestand ergibt sich ein nüchterner Ablauf:
- Meldung mit Fotos und grober Lage aufnehmen.
- Eigentum und zuständige Fachstelle klären.
- Fachliche Begehung oder Weiterleitung veranlassen.
- Akute Gefahren für Wege, Anwohner und Brandvorsorge prüfen.
- Ergebnis mit Diagnosegrenzen veröffentlichen.
- Maßnahmen, Zuständigkeiten, Kosten und nächsten Prüftermin benennen.
Dieser Ablauf wäre keine Vorverurteilung des Bürgermeisters und keine Ferndiagnose des Waldes. Er wäre schlicht ordentliche Verwaltung.
Carrabelloys politische Position bleibt klar: Mandat und Amt sind kein Zuschauerplatz. Wer Verantwortung trägt, muss Warnzeichen aufnehmen, Fachwissen organisieren, Entscheidungen offenlegen und später erklären, was gewirkt hat. Ein Titel wie Nationalparkhauptstadt erhöht diese Verpflichtung – er ersetzt sie nicht.
Schluss
Der Wald vor Schleiden braucht weder persönliche Gerüchte noch politische Kulissen. Er braucht belastbare Antworten.
Der Bürgermeister heißt Ingo Pfennings. Die sichtbaren braunen Kronen haben noch keine gesicherte Diagnose. Die Eigentums- und Fachzuständigkeit der konkreten Fläche ist offen. Genau diese drei Punkte zeigen, wie seriöse Kritik funktioniert: Namen prüfen, Unsicherheit benennen und anschließend konkrete Rechenschaft verlangen.
Untersuchen. Zuständigkeit offenlegen. Maßnahmen begründen. Wirkung kontrollieren.
Podcast zum Artikel
Die ausführliche Podcastfolge über sichtbaren Waldbefund, kommunale Zuständigkeit, Wasserrückhalt und langfristige Bürgerwaldpflege:
Quellen
- Stadt Schleiden, Bürgermeister: https://www.schleiden.de/rathaus/rathaus/politik/buergermeister/
- Stadt Schleiden, Bürgersprechstunden des Bürgermeisters: https://www.schleiden.de/rathaus/aktuelles/buergersprechstunden-des-buergermeisters/
- Stadt Schleiden, Bürger- und Ratsinformationssystem: https://www.schleiden.de/rathaus/rathaus/politik/buerger-und-ratsinformationssystem-allris/
- Stadt Schleiden, Umwelt und Klima: https://www.schleiden.de/rathaus/planen-bauen/umwelt-klima/
- Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, „Trockenstress von Waldbäumen und Gefahr durch Borkenkäfer und Prachtkäfer“: https://www.lwf.bayern.de/waldschutz/forstentomologie/113511/index.php
- Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, „Durststrecken im Wald: Wie reagieren Buche und Eiche“: https://www.lwf.bayern.de/boden-klima/umweltmonitoring/358467/index.php
- Inhaltlicher Vorgänger zu Waldbrand, Hochwasserschutz und kommunaler Verantwortung: https://carrabelloy.darknight-coffee.org/blog/


