Handy flashen heißt Rückweg planen: Was postmarketOS über echte digitale Souveränität zeigt

Stand: 19. Juli 2026
Status: Entwurf – nicht veröffentlicht, Freigabe erforderlich

Ein freies Betriebssystem auf dem Smartphone zu installieren, fühlt sich nach Befreiung an. Der Bootloader ist offen, das Image stammt aus einem freien Projekt, die Kontrolle scheint zurück beim Nutzer. Doch diese Freiheit wird erst beim ersten ernsten Fehler geprüft: Startet das Gerät nach einem Update noch? Gibt es einen alten Systemstand? Funktioniert die Recovery? Sind Fotos, Kontakte, Schlüssel und Zwei-Faktor-Zugänge unabhängig gesichert?

Wer hineinflashen kann, aber nicht wieder herauskommt, ist nicht souverän. Er hat lediglich die Richtung seiner Abhängigkeit geändert.

postmarketOS liefert im Sommer 2026 ein Lehrstück darüber, wie ein freies Projekt mit diesem Problem umgehen kann. Duranium setzt auf vollständige, verifizierte A/B-Systemabbilder und automatischen Rückfall. Ein Fallback-Bootloader soll auf geeigneten EFI-Systemen eine noch frühere Fehlerstufe absichern. usb-signaller soll USB-Modi robuster beherrschbar machen. Gleichzeitig archiviert das Projekt unbetreute Geräteports und verschärft die Anforderungen an „testing“. Das sind keine spektakulären App-Neuheiten. Es sind Bausteine praktischer Souveränität.

Duranium behandelt Updates als vollständige Zustände

Die offizielle Duranium-Beschreibung trennt ein schreibgeschütztes Kernsystem unter /usr vom veränderlichen System- und Nutzerdatenbereich. Aktualisierungen werden nicht als lose Folge von Paketoperationen in das laufende System geschrieben. Sie landen als vollständiges Abbild in einem inaktiven Slot. Zwei /usr-Slots bilden das A/B-Modell.[2][3]

dm-verity prüft die Integrität des Systemabbilds. systemd-sysupdate, systemd-repart und systemd-boot übernehmen Aktualisierung, Partitionierung, Boot-Auswahl und Rückfall. Unified Kernel Images bündeln Kernel, Initramfs, Kommandozeile und Device Trees passend zur jeweiligen Systemversion. Startet die neue Version nicht erfolgreich, soll der vorherige Slot automatisch ausgewählt werden.[2][3]

Der postmarketOS-Monatsbericht vom 6. Juli 2026 nennt eine zusätzliche Sicherung: Auf Systemen mit Unterstützung für EFI-Variablen verwendet Duranium nun systemd/bootctl, um bei einer Aktualisierung einen Fallback-Bootloader vorzuhalten.[1] Das schließt eine wichtige Lücke. Ein alter Systemslot nützt wenig, wenn ein beschädigter neuer Bootloader gar nicht mehr bis zur Slot-Auswahl kommt.

Das Prinzip kennt jeder verantwortungsvolle Serverbetrieb. Vor einem Synapse-Upgrade reicht ein Datenbankdump nicht. Benötigt werden außerdem Medien, Schlüssel, Reverse-Proxy-Konfiguration, .well-known, die passende Softwareversion und ein dokumentierter Restore. Eine Sicherung ist erst dann ein Rückweg, wenn alle notwendigen Teile wieder zusammenspielen.

Rollback ist nicht Recovery – und Recovery ist kein Backup

Drei Begriffe müssen auseinandergehalten werden:

  • Rollback startet einen früheren Systemstand.
  • Recovery macht ein nicht mehr startendes Gerät wieder erreichbar.
  • Backup stellt Nutzerdaten, Schlüssel und Zugänge wieder her.

Duranium verbessert vor allem den ersten Bereich und mit dem Bootloader-Fallback einen Teil des zweiten. Daraus folgt kein universeller Backup-Prozess für Kontakte, Nachrichten, Fotos, App-Daten oder Zwei-Faktor-Zugänge. Ein A/B-System schützt nicht automatisch den veränderlichen Datenbereich.

Auch ein formal erfolgreicher Start beweist nicht, dass die neue Version im Alltag funktioniert. Telefonie kann ausfallen, die Kamera kann streiken oder eine Netzwerkfunktion kann erst nach dem Boot versagen. Automatischer Rückfall braucht erkennbare Fehlerkriterien. Die ausgewerteten Quellen belegen das grundsätzliche Boot-Zähler- und Rollback-Design, aber keinen lückenlosen Umgang mit jedem denkbaren Gerätefehler.[3]

Hinzu kommt: Duranium wird ausdrücklich als „work in progress“ beschrieben. Das Projekt sucht Tester und richtet sich noch nicht an Menschen, die ein garantiert verlässliches Alltagsgerät benötigen. UEFI ist erforderlich; auf Android-Geräten soll eine geeignete U-Boot-Umsetzung die Schnittstelle liefern. Die A/B-Slots und Verity-Daten benötigen zusätzlichen Speicher. Nicht jedes postmarketOS-Gerät wird das Modell unterstützen. In der Einführung vom März waren Secure Boot und eine vollständige Verified-Boot-Kette noch nicht umgesetzt.[2]

USB ist im Fehlerfall eine Wartungstür

usb-signaller wurde laut Monatsbericht in den Entwicklungszweig edge aufgenommen.[1] Die Neuimplementierung für mobile Geräte mit Mainline-Linux behält eine mit usb-moded kompatible D-Bus-Schnittstelle. Dokumentiert sind transaktionales Umschalten zwischen USB-Modi, klareres Logging, Unterstützung für systemd und OpenRC sowie seit Version 0.3.0 der Rollenwechsel zwischen Geräte- und Hostfunktion.[7]

Scheitert die Aktivierung eines USB-Gadgets, ist ein Rückfall auf reines Laden vorgesehen. Gleichzeitig steht universelle Kabelerkennung weiterhin auf der Roadmap. Die Aufnahme in edge bedeutet also weder, dass usb-signaller Teil jeder stabilen Installation von Version 26.06 ist, noch dass sämtliche USB-Funktionen auf jedem Gerät belastbar arbeiten.

Diese Abgrenzung ist praktisch wichtig. Laden, MTP, Netzwerk-Tethering, Hostmodus und Entwicklerzugriff sind unterschiedliche Funktionen. Ein Ladesymbol beweist keinen funktionierenden Diagnoseweg. Das ist vergleichbar mit einem Reverse Proxy: Dass Nginx läuft, sagt noch nichts darüber aus, ob der Upstream-Dienst antwortet.

Warum postmarketOS Geräte archiviert

Über Jahre verlangte postmarketOS bei Gerätepaketen nicht zwingend einen Maintainer im APKBUILD. Nach Darstellung des Projekts entstanden dadurch mehrere hundert unbetreute Geräte-, Kernel- und andere Pakete. Einige bauten mit einem aktuellen GCC nicht mehr.[5]

Nach Version 26.06 wurden unbetreute Gerätepakete in die Kategorie archived verschoben.[1][4] Das bedeutet:

  • Der Port wird in der normalen Geräteauswahl nicht angeboten.
  • Es werden keine Binärpakete dafür gebaut.
  • Die Dateien bleiben als Entwicklungsgrundlage erhalten.
  • Der Port kann zurückkehren, wenn Betreuung und Anforderungen wieder erfüllt sind.

Archivieren ist hier kein Löschen und kein Verbot. Es ist eine ehrliche Kennzeichnung. Ein vorhandener Geräteordner ist so wenig ein gepflegtes Produkt wie ein altes Container-Image ohne Maintainer, Sicherheitsupdates und reproduzierbaren Build.

Auch die Kategorie testing muss nüchtern gelesen werden. Der Kernel muss mindestens so neu sein wie der älteste noch unterstützte LTS-Kernel von kernel.org und mit LLVM gebaut werden. Port und Abhängigkeiten müssen bauen, das Gerät muss starten.[4] Trotzdem können wenige oder viele Funktionen vorhanden sein. Maintainer müssen keinen Nutzersupport leisten, und Geräte können ohne Vorankündigung archiviert werden. Version 26.06 führte 254 Geräte in testing.[6] Das sind 254 Entwicklungsstände, nicht 254 garantierte Alltagstelefone.

Hardwaretests sind Infrastruktur, keine Garantie

postmarketOS baut eine eigene Hardware-CI mit realen Testgeräten, steuerbarer Stromversorgung, Gateway und GitLab-Anbindung auf. Für die höchste Kategorie main verlangt das Projekt Hardware-CI an mindestens zwei Orten mit zusammen mindestens drei Geräten sowie ein Maintainer-Team von mindestens fünf Personen.[4][8]

Das ist der richtige Ansatz: Ein Kernel, der kompiliert, beweist noch keine funktionierende Hardware. Zugleich bezeichnet die Dokumentation die Testinfrastruktur selbst als „Work-In-Progress“ und warnt vor Instabilität.[8] Automatisierte Tests reduzieren Blindflug; sie garantieren nicht jede reale Nutzungssituation.

Klar gekennzeichnete Bewertung

Meine Bewertung: postmarketOS handelt richtig, wenn es weniger verspricht und dafür genauer benennt, was tatsächlich getragen wird. Eine lange Geräteliste ohne Maintainer, aktuellen Kernel und getesteten Wiederanlaufweg ist keine digitale Souveränität. Sie ist eine Liste technischer Möglichkeiten, deren Betriebsrisiko vollständig beim Nutzer landet.

Duranium setzt an der richtigen Stelle an. Atomare Abbilder, Verity, zwei Systemslots und ein Bootloader-Fallback verlagern Zuverlässigkeit aus der persönlichen Improvisation in die Architektur. Das ist politisch relevant: Proprietäre Ökosysteme verkaufen Bequemlichkeit durch zentrale Kontrolle. Ein freies System muss dem nicht mit romantischer Bastlerfreiheit antworten, sondern mit nachvollziehbarer, dezentral wartbarer Verlässlichkeit.

Es gibt berechtigte Einwände. A/B-Slots kosten Speicher. Ein unveränderliches Kernsystem begrenzt Flexibilität. Strenge Kategorien können Nischengeräte aus dem sichtbaren Angebot drängen. UEFI- und U-Boot-Anforderungen schließen Hardware aus. Diese Kosten verschwinden nicht. Aber schwache Unterstützung als fertige Freiheit auszugeben, wäre die schlechtere Antwort. Die tragfähige Antwort lautet: Maintainer finanzieren, Hardwaretests ausbauen, Wiederherstellung dokumentieren und Grenzen offen benennen.

Was vor jedem Flash-Vorhaben geklärt sein muss

Dies ist kein universeller Flash-Leitfaden. Gerätespezifische Schritte dürfen erst nach Prüfung der offiziellen Dokumentation formuliert werden. Vorher sollten mindestens diese Fragen beantwortet sein:

  1. In welcher Kategorie steht genau dieses Modell: main, community, testing, downstream oder archived?
  2. Gibt es aktive Maintainer und einen noch gepflegten Kernel?
  3. Welche Funktionen sind aktuell belegt – Telefonie, Kamera, Verschlüsselung, USB?
  4. Liegen Originalabbild, offizieller Recovery-Weg und benötigte Werkzeuge vor?
  5. Sind Kontakte, Nachrichten, Schlüssel, Fotos und Zwei-Faktor-Zugänge getrennt gesichert?
  6. Gibt es für das Wartungsfenster ein Ersatzgerät oder einen anderen Kommunikationskanal?
  7. Wurde der Restore auf Lesbarkeit und Umsetzbarkeit geprüft?

Fazit

Digitale Souveränität ist nicht die einmalige Erlaubnis, ein anderes System zu installieren. Sie ist die dauerhafte Fähigkeit, Zustände zu prüfen, Fehler zu erkennen und nach einem Ausfall handlungsfähig zu werden.

postmarketOS ist mit Duranium, usb-signaller, ehrlicher Geräteklassifizierung und Hardware-CI noch nicht am Ziel. Doch das Projekt bearbeitet die richtige Frage: nicht nur, wie ein freies System auf das Gerät kommt, sondern wie Nutzer nach einem Fehler wieder zurückkommen.

Ein Gerät ist erst dann praktisch souverän, wenn der Weg hinein nicht zur Einbahnstraße wird.

Quellen

  1. postmarketOS, „postmarketOS in 2026-06: Plasma 6.7“, 6. Juli 2026: https://postmarketos.org/blog/2026/07/06/pmOS-update-2026-06/
  2. postmarketOS, „Introducing Duranium: a more reliable postmarketOS“, 17. März 2026: https://postmarketos.org/blog/2026/03/17/introducing-duranium/
  3. postmarketOS GitLab, duranium-build/DESIGN.md: https://gitlab.postmarketos.org/postmarketOS/duranium-build/-/blob/main/DESIGN.md
  4. postmarketOS-Dokumentation, „Device Categorization“: https://docs.postmarketos.org/pmaports/main/packaging/device-categorization.html
  5. postmarketOS, „Unmaintained devices to be archived after v26.06“, 24. März 2026: https://postmarketos.org/devel/2026/03/24/archiving-unmaintained-devices/
  6. postmarketOS, „v26.06: Alpen Avocado“, 21. Juni 2026: https://postmarketos.org/blog/2026/06/21/v26.06-release/
  7. Dylan Van Assche, usb-signaller: https://codeberg.org/DylanVanAssche/usb-signaller
  8. postmarketOS-Dokumentation, „Hardware Continuous Integration“: https://docs.postmarketos.org/hardware-ci/index.html
  9. Linux Kernel Archives, „Active kernel releases“: https://www.kernel.org/releases.html
  10. postmarketOS, „State of postmarketOS“: https://postmarketos.org/state/

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Cannabis, Kinderschutz und Handyortung: Wenn der Staat wieder am Joint die Freiheit wegrauchen will

Ich rauche hin und wieder eine Tüte.

Nicht jeden Tag. Nicht vor Kindern. Nicht im Auto. Nicht irgendwo vor einer Schule. Sondern als erwachsener Mensch, der sein eigenes Leben lebt und nicht jeden Abend vom Staat erklärt bekommen möchte, was er mit seinem Körper, seiner Ruhe und seinem Feierabend zu tun hat.

Und genau deshalb regt mich diese neue Verbotsnummer aus Hessen so auf.

Da kommt Roman Poseck, Innenminister aus Hessen, wieder mit der alten politischen Leier um die Ecke: Cannabisgesetz verschärfen, Besitzmengen runter, öffentlicher Konsum am besten weg, Polizei wieder mit mehr Eingriffsbefugnissen ausstatten und das Ganze schön verpacken mit Kinderschutz, Sicherheit und Ordnung.

Das ist genau diese Politik, die mich seit Jahren auf die Palme bringt.

Nicht, weil Kinderschutz unwichtig wäre. Im Gegenteil. Kinder müssen geschützt werden. Jugendliche gehören nicht an Cannabis. Punkt. Da gibt es für mich nichts schönzureden.# Cannabis, Kinderschutz und Handyor# Cannabis, Kinderschutz und Handyortung: Wenn der Staat wieder am Joint die Freiheit wegrauchen willnicht nur Kinder.tung: Wenn der Staat wieder am Joint die Freiheit wegrauchen willnicht nur Kinder.

Aber genau hier beginnt der politische Trick.

Man nimmt ein echtes Thema wie Kinderschutz, lädt es moralisch auf, stellt sich mit ernster Miene vor die Kamera und schiebt darunter wieder neue Kontrollwünsche des Staates durch.

Heute Cannabis.
Morgen Chatkontrolle.
Übermorgen Handyortung.
Dann digitale Identität.
Dann noch mehr Überwachung.
Und am Ende soll der Bürger wieder glauben, alles sei nur zu seinem Schutz.

Nein, Herr Poseck.

So billig ist das Spiel nicht mehr.

## Es geht nicht um eine grenzenlose Freigabe

Seit dem 1. April 2024 ist Cannabis in Deutschland teilweise legal. Teilweise. Nicht grenzenlos. Nicht für Kinder. Nicht als Werbeprodukt. Nicht als Freifahrtschein für Straßenhandel.

Erwachsene dürfen unter bestimmten Bedingungen Cannabis besitzen, konsumieren und selbst anbauen. Es gibt Besitzgrenzen, Verbotszonen, Regeln für Anbauvereinigungen, Jugendschutzvorgaben und jede Menge Bürokratie.

Von einer wilden Kifferrepublik kann also keine Rede sein.

Und genau deshalb ist diese neue Panikmache so durchsichtig.

Wenn Poseck jetzt behauptet, die Besitzmenge von 25 Gramm sei zu hoch und würde missbräuchlichen Straßenhandel fördern, dann klingt das erst einmal hart und ordentlich. Aber dahinter steckt wieder die alte Denkweise deutscher Innenpolitik:

Der Bürger ist grundsätzlich verdächtig.

Nicht der Schwarzmarkt ist das Problem.
Nicht die fehlende saubere legale Versorgung ist das Problem.
Nicht die jahrzehntelange Verbots- und Repressionspolitik ist das Problem.
Nein, der erwachsene Bürger mit seiner legalen Menge Cannabis soll wieder das Problem sein.

Das ist doch der eigentliche Witz.

Erst war Cannabis jahrzehntelang illegal. Der Schwarzmarkt konnte wachsen. Kriminelle Strukturen konnten verdienen. Konsumenten wussten oft nicht, was sie bekommen. Jugendliche hatten auf dem Schwarzmarkt weniger Schutz als in jeder regulierten Struktur.

Dann kommt endlich eine begrenzte Entkriminalisierung.

Und kaum merkt die Polizei, dass nicht mehr jeder Joint automatisch ein Anfangsverdacht ist, heißt es plötzlich: Das Gesetz funktioniert nicht.

Nein.

Das Gesetz funktioniert genau an dieser Stelle.

Denn wenn etwas legal ist, darf der Staat es nicht mehr behandeln wie Kriminalität.

## Polizeiliche Bequemlichkeit ist kein Freiheitsmaßstab

Genau diesen Punkt bringt Konstantin Grubwinkler in seinem Video sehr gut auf den Tisch.

Weniger polizeilicher Zugriff ist nicht automatisch ein Fehler des Gesetzes. Es ist die logische Folge einer Entkriminalisierung.

Wenn kleine Mengen Cannabis legal sind, kann man daraus eben nicht mehr automatisch Durchsuchungen, Kontrollen und Ermittlungsverfahren basteln.

Und genau das scheint einige Innenpolitiker zu stören.

Nicht, dass Cannabis gefährlicher geworden wäre.
Nicht, dass plötzlich jeder Bürger zum Dealer geworden wäre.
Sondern dass die Polizei nicht mehr so bequem über den Cannabisgeruch in Grundrechte einsteigen kann.

Das ist der Punkt.

Strafrecht ist nicht dafür da, dem Staat möglichst viele Kontrollanlässe zu schenken. Strafrecht ist nicht die Werkzeugkiste für Politiker, die mit Freiheit nicht umgehen können. Und ein Rechtsstaat darf legales Verhalten nicht künstlich wieder unter Verdacht stellen, nur damit Beamte leichter durchsuchen, kontrollieren und eingreifen können.

Wer aus jedem Joint wieder ein Ermittlungsverfahren machen will, verwechselt Sicherheit mit Repression.

## Der Schwarzmarkt wird nicht durch Verbote kleiner

Dann kommt wieder das Schwarzmarkt-Argument.

Der Schwarzmarkt boome, heißt es. Also müsse man die Legalisierung zurückdrehen.

Was für eine verdrehte Logik.

Der Schwarzmarkt entsteht doch nicht, weil Erwachsene legal eine begrenzte Menge besitzen dürfen. Der Schwarzmarkt bleibt bestehen, weil legale, saubere, erreichbare Bezugswege immer noch viel zu kompliziert, zu langsam, zu bürokratisch und zu begrenzt sind.

Wenn der Staat legale Strukturen halbherzig aufbaut, Anbauvereinigungen mit Vorschriften überzieht, keinen echten regulierten Markt zulässt und dann jammert, dass der illegale Markt nicht sofort verschwindet, dann ist das politische Heuchelei.

Man kann nicht zuerst den legalen Zugang künstlich verknappen und anschließend den Schwarzmarkt als Begründung nehmen, um wieder mehr Verbot zu fordern.

Das ist, als würde man eine Brücke nur halb bauen und danach behaupten, Brücken funktionieren nicht.

Nein.

Wenn man den Schwarzmarkt wirklich schwächen will, braucht man klare, legale, kontrollierte und erreichbare Wege für Erwachsene. Nicht neue Verbote. Nicht neue Panik. Nicht wieder denselben alten Polizeistaat im neuen Mantel.

## Kinderschutz darf kein Türöffner für Kontrollpolitik sein

Und dann kommt wieder das große Wort: Kinderschutz.

Natürlich muss der Staat Kinder schützen. Aber Kinderschutz darf nicht zum politischen Generalschlüssel werden, mit dem man jede Freiheitstür aufbricht.

Genau das erleben wir doch immer wieder.

Beim Netz heißt es Kinderschutz — und plötzlich reden sie über Chatkontrolle.
Bei Migration heißt es Rechtsdurchsetzung — und plötzlich reden sie über Handyortung.
Bei Cannabis heißt es Jugendschutz — und plötzlich reden sie über mehr Eingriffsbefugnisse.
Bei digitaler Identität heißt es Sicherheit — und am Ende wird der Bürger immer gläserner.

Das ist der rote Faden.

Diese Politik glaubt nicht mehr an mündige Bürger. Sie glaubt an Kontrolle. Sie glaubt an Verbote. Sie glaubt an Datenspuren. Sie glaubt an Eingriffsbefugnisse. Sie glaubt daran, dass man Gesellschaft durch Überwachung, Strafrecht und moralische Drohkulissen formen kann.

Ich nenne das nicht Sicherheit.

Ich nenne das Misstrauensstaat.

## Erwachsene Menschen sind keine Kinder des Staates

Ich bin erwachsen.

Wenn ich mir hin und wieder eine Tüte rauche, dann ist das meine Entscheidung. Der Staat muss mir nicht die Hand halten. Der Staat muss mich nicht erziehen. Der Staat muss nicht so tun, als würde mit jedem Joint die Republik untergehen.

Wir leben in einem Land, in dem Alkohol überall verfügbar ist. Bier gibt es an jeder Ecke. Schnaps steht in jedem Supermarkt. Auf Volksfesten wird gesoffen, bis die Leute kaum noch geradeaus laufen können. Da wird dann von Kultur, Brauchtum und Geselligkeit geredet.

Aber wenn jemand Cannabis konsumiert, kommen dieselben Leute plötzlich mit Untergang, Polizei und Verbot.

Diese Doppelmoral ist doch nicht mehr auszuhalten.

Niemand sagt, Cannabis sei harmlos. Niemand mit Verstand sollte Cannabis verharmlosen. Gerade junge Menschen müssen geschützt und aufgeklärt werden. Aber Aufklärung ist etwas anderes als Repression.

Ein freiheitlicher Staat muss erwachsenen Menschen auch Entscheidungen lassen, die nicht jedem Innenminister gefallen.

Das nennt sich Freiheit.

## Poseck zeigt den alten Reflex

Roman Poseck zeigt genau diesen alten Reflex: Wenn etwas nicht ins politische Sicherheitsdenken passt, muss es enger gemacht werden.

Mehr Polizei.
Mehr Eingriffsbefugnisse.
Weniger Besitzmenge.
Weniger öffentlicher Raum.
Mehr Kontrolle.
Mehr Staat.

Und wenn der Bürger fragt, warum, heißt es: Kinderschutz. Schwarzmarkt. Sicherheit. Ordnung.

Das klingt immer gut. Das klingt immer moralisch. Das klingt immer unangreifbar.

Aber genau da muss man wach werden.

Denn Freiheit verschwindet selten mit einem großen Knall. Freiheit verschwindet Stück für Stück. Mit guten Begründungen. Mit ernsten Gesichtern. Mit angeblicher Sorge. Mit neuen Regeln. Mit neuen Ausnahmen. Mit immer mehr Zugriff.

Heute beim Cannabis. Morgen beim Handy. Übermorgen beim Konto. Danach beim Chat.

Und irgendwann fragt sich der Bürger, wann er eigentlich aufgehört hat, frei zu sein.

## Die Bürger haben genug von dieser Erziehungspolitik

Ich habe genug davon, dass Politik erwachsene Menschen wie unmündige Kinder behandelt.

Ich habe genug davon, dass Politiker, die an Renten, Gesundheitssystem, Infrastruktur, Digitalisierung, Migration und innerer Sicherheit seit Jahren scheitern, ausgerechnet beim privaten Konsum erwachsener Bürger wieder den starken Staat spielen wollen.

Da wird bei großen Problemen verwaltet, verschleppt und schöngeredet.

Aber beim kleinen Bürger, der sich abends eine Tüte raucht, soll plötzlich hart durchgegriffen werden.

Das passt in dieses Land.

Bei Cum-Ex verschwinden Milliarden.
Bei Maskendeals wird abkassiert.
Bei Maut-Debakeln zahlt der Steuerzahler.
Bei politischem Versagen fällt selten jemand wirklich tief.
Aber beim Cannabis-Konsumenten will man wieder Stärke demonstrieren.

So ein Staat wirkt nicht stark. So ein Staat wirkt verlogen.

## Legal heißt legal

Wenn Cannabis legal ist, dann muss der Staat das auch akzeptieren.

Nicht heimlich zurückdrehen.
Nicht durch Polizeiwünsche aushebeln.
Nicht durch niedrigere Mengen wieder kriminalisieren.
Nicht durch öffentliche Verbote faktisch aus dem Alltag verdrängen.
Nicht mit Kinderschutz alles rechtfertigen, was am Ende nur neue Kontrolle bringt.

Legal heißt legal.

Und wer ein Gesetz nicht mag, soll ehrlich sagen: Wir wollen zurück in die Verbotspolitik.

Dann kann man darüber politisch streiten.

Aber dieses ständige Spiel aus „Wir wollen ja nur nachbessern“, während in Wahrheit wieder Repression aufgebaut wird, ist genau diese politische Unehrlichkeit, die viele Bürger nicht mehr ertragen.

## Mein Fazit

Cannabis ist nicht das größte Problem dieses Landes.

Nicht einmal ansatzweise.

Dieses Land hat kaputte Brücken, kaputte Schulen, kaputte Bahn, explodierende Kosten, ein krankes Gesundheitssystem, eine unsichere Rente, eine verfehlte Migrationspolitik, digitale Rückständigkeit und eine Politik, die immer öfter an den Bürgern vorbei regiert.

Aber ausgerechnet beim Joint entdeckt die Innenpolitik wieder ihre ganze Härte.

Das sagt viel über diese Politik aus.

Sie löst nicht die großen Probleme.
Sie sucht sich lieber den Bürger als Zielscheibe.

Ich sage dazu klar:

Kein Cannabis für Kinder.
Kein Konsum vor Schulen.
Keine Verharmlosung.
Keine Teilnahme am Straßenverkehr unter Einfluss.
Aber auch keine Rückkehr in die alte Verbots- und Kontrollpolitik.

Erwachsene Bürger brauchen keine politische Bevormundung.

Sie brauchen Freiheit, klare Regeln und einen Staat, der seine eigenen Grenzen kennt.

Und genau diese Grenzen muss man Politikern wie Poseck immer wieder zeigen.

Denn wer mit Kinderschutz, Sicherheit und Ordnung jedes Mal neue Eingriffe begründet, der schützt am Ende nicht nur Kinder.

Der baut einen Staat, der seinen Bürgern grundsätzlich misstraut.

Und genau dagegen muss man aufstehen.

Pressemitteilung Innenministerkonferenz Poseck setzt Schwerpunkte für die IMK

Ein Sumpf aus Misswirtschaft und Verantwortungslosigkeit: Die CDU mit unter @BorisRhein_cdu