Darknight Coffee Netzwerk

Carrabelloy ' Meine Hobbys sind so vielseitig

Schlagwort: postmarketos

  • Unbenannter Beitrag 1039313

    Wenn Linux auf dem Smartphone abstürzt – Debugging eines postmarketOS-Bootfehlers auf dem Fairphone 4

    Alternative Smartphone-Betriebssysteme faszinieren mich seit Jahren. Während die meisten Nutzer ihre Geräte im geschlossenen Ökosystem von Apple oder Google betreiben, interessiert mich vor allem die Frage:

    Wie frei kann ein Smartphone wirklich sein?

    Genau deshalb teste ich seit langer Zeit alternative Systeme wie Ubuntu Touch, Sailfish OS und postmarketOS. Mein Ziel ist es, herauszufinden, ob ein vollständig offenes mobiles Linux eines Tages als echter Daily Driver taugt.

    Doch bei meinem letzten Experiment mit postmarketOS auf dem Fairphone 4 lief nicht alles glatt. Statt eines sauberen Systemstarts landete ich plötzlich in einer Debug-Shell.


    Mein Setup: Mehrere Linux-Smartphones im Alltag

    Aktuell teste ich mehrere Geräte parallel. Jedes davon läuft mit einem anderen System, um Unterschiede in Stabilität, Software-Ökosystem und Bedienbarkeit zu verstehen.

    • Fairphone 4 – postmarketOS mit GNOME
    • Fairphone 4 – Ubuntu Touch
    • Fairphone 4 – Sailfish OS (Community-Port)
    • Fairphone 5 – iodéOS (Android-basierend)
    • OnePlus 3 – Ubuntu Touch Testgerät

    Der Grund dafür ist einfach: Ich möchte herausfinden, welches System langfristig wirklich als offene Alternative zu Android funktionieren kann.


    Das Experiment: postmarketOS als Daily Driver

    postmarketOS verfolgt eine spannende Idee: Smartphones sollen wie normale Linux-Computer behandelt werden. Das System basiert auf Alpine Linux und verwendet einen sehr aktuellen Kernel.

    Mein Testsystem:

    • Gerät: Fairphone 4
    • postmarketOS Version: v25.12
    • Kernel: 6.17.6
    • Desktop: GNOME Mobile

    Der Flash-Vorgang über Fastboot verlief zunächst problemlos. Das System startete – doch kurz darauf begann das eigentliche Problem.


    Der Crash: Bootpartition nicht gefunden

    Nach einem Neustart blieb das Gerät im Bootscreen hängen.

    Fehlermeldung:

    ERROR: Boot partition not found
    Linux 6.4.2 | fairphone-fp4
    

    Nach mehreren Neustarts landete das Gerät schließlich in der integrierten Debug-Shell von postmarketOS.


    Die postmarketOS Debug-Shell

    Statt der grafischen Oberfläche erschien eine minimale Shell-Umgebung:

    postmarketOS debug shell
    https://postmarketos.org/debug-shell
    
    Device: Fairphone 4 (fairphone-fp4)
    Kernel: 6.17.6
    pmOS version: v25.12
    
    Run 'pmOS_continue_boot' to continue booting.
    Read the initramfs log with 'cat /pmOS_init.log'.
    

    Damit wurde klar: Das System konnte nicht vollständig booten und stoppte bereits im frühen Init-Prozess.


    Log-Analyse

    Über die Debug-Shell konnte ich die Bootlogs exportieren. Dabei entstanden mehrere Dateien:

    • pmOS_init.txt
    • dmesg.txt
    • blkid.txt
    • partitions.txt
    • cmdline.txt

    Diese Logs sind entscheidend, um Bootprobleme zu analysieren.


    Kernel-Cmdline

    Ein besonders interessanter Teil war die Kernel-Cmdline:

    pmos_boot_uuid=3c7d8dc2-b86d-4d3b-be40-c47502ba782f
    pmos_root_uuid=1119d23f-e612-4faa-9d4c-8950b34539f3
    androidboot.mode=charger
    androidboot.slot_suffix=_a
    rootwait
    init=/init
    

    Der Eintrag androidboot.mode=charger deutet darauf hin, dass das Gerät möglicherweise im Lade-Modus startet statt im normalen Systemmodus.

    Das könnte erklären, warum der Bootprozess nicht vollständig abgeschlossen wird.


    Android-A/B-Partitionen

    Moderne Android-Geräte besitzen ein sogenanntes A/B-Partitionssystem.

    Das bedeutet:

    • Slot A enthält eine Systeminstallation
    • Slot B enthält eine zweite Installation
    • Updates werden auf dem inaktiven Slot installiert

    Beim Booten entscheidet der Bootloader, welcher Slot verwendet wird.

    In meinem Fall zeigte die Cmdline:

    androidboot.slot_suffix=_a
    

    Das System versuchte also, von Slot A zu starten.


    Warum solche Fehler wichtig sind

    In proprietären Systemen bleiben solche Fehler meist unsichtbar. Nutzer sehen nur einen schwarzen Bildschirm.

    In offenen Systemen wie postmarketOS passiert etwas anderes:

    • das System zeigt die Debug-Shell
    • Logs können exportiert werden
    • Fehler können reproduziert werden
    • die Community kann daran arbeiten

    Genau diese Transparenz ist ein zentraler Vorteil von Open Source.


    Open-Source-Mobile-Linux: Realität und Zukunft

    Mobile Linux-Distributionen befinden sich noch immer im Aufbau. Projekte wie:

    • postmarketOS
    • Ubuntu Touch
    • Sailfish OS

    zeigen jedoch bereits heute, dass Smartphones nicht zwangsläufig in geschlossenen Ökosystemen gefangen sein müssen.

    Der Weg dorthin ist technisch anspruchsvoll – aber genau deshalb lohnt es sich, diese Systeme zu testen und Fehler offen zu dokumentieren.


    Fazit

    Der Absturz meines postmarketOS-Systems war kein Rückschritt, sondern ein Beispiel dafür, wie offene Software funktioniert:

    • Fehler werden sichtbar
    • Logs können analysiert werden
    • die Community kann Verbesserungen entwickeln

    Während große Plattformen ihre Systeme hinter verschlossenen Türen entwickeln, entsteht mobile Linux-Software öffentlich – Schritt für Schritt.

    Und genau deshalb teste ich weiter.


    Dieser Artikel dokumentiert ein reales Debugging-Experiment mit postmarketOS auf dem Fairphone 4.

    Sailfish OS auf dem Fairphone 4

  • 🧠 Warum man Pakete prüfen sollte

    🧠 Warum man Pakete prüfen sollte

    (Und wie du dich vor manipulierten Updates schützt)

    Wenn du Linux nutzt – egal ob Debian, Ubuntu, postmarketOS, Fedora oder andere Distributionen – installierst du Software immer als sogenannte Pakete:

    .deb (Debian / Ubuntu)

    .apk (postmarketOS / Alpine Linux)

    .rpm (Fedora, Red Hat)

    .tar.xz (Quellpakete, Releases auf GitHub usw.)

    Damit du sicher sein kannst, dass diese Pakete echt sind, werden sie vom Entwickler oder vom Maintainer kryptografisch signiert – meistens mit GPG / OpenPGP.

    Diese Signaturen stellen sicher, dass:

    ✔ das Paket vom richtigen Entwickler stammt
    ✔ es nicht manipuliert wurde (z. B. durch Malware)
    ✔ die Übertragung nicht abgefangen wurde

    Das Prüfen von Signaturen gehört zu den wichtigsten Sicherheitsmechanismen im Linux-Universum.

    🔍 Wie man die Echtheit prüft

    (Beispiele für Debian, Ubuntu & postmarketOS)

    Jede Linux-Distribution hat eigene Werkzeuge – aber die Prinzipien sind überall gleich.

    🔹 1. Paketlisten aktualisieren (und Warnungen ernst nehmen)

    Wenn du bei Debian/Ubuntu eingibst: sudo apt update

    und du bekommst eine Warnung wie: W: GPG error: … The following signatures couldn’t be verified
    dann heißt das:

    ❌ Die Signatur konnte nicht überprüft werden
    ❌ Das Paket ist möglicherweise unsicher
    ❌ Du solltest KEINE Updates installieren, bevor der Fehler behoben ist

    Diese Warnungen NIE ignorieren – sie schützen dich vor manipulierten Repositories.

    🔹 2. Vertrauenswürdige Schlüssel anzeigen

    APT (Debian/Ubuntu) speichert alle Signaturen der Paketquellen hier: ls /etc/apt/trusted.gpg.d/

    Jede Datei dort steht für einen Schlüssel, der für Updates vertraut wird.

    Wenn hier ein Schlüssel fehlt → kann APT Updates nicht verifizieren.

    🔹 3. Signatur manuell prüfen (z. B. bei Downloads von GitHub)

    Wenn du ein .tar.xz oder .iso herunterlädst, findest du oft daneben:

    eine Datei .asc (Signatur)

    eine Datei .sha256 (Checksummen)

    Du kannst damit prüfen:

    🔸 Hash prüfen
    sha256sum DATEI.iso

    → ergibt eine lange Zeichenkette
    → muss mit der Hersteller-SHA256 übereinstimmen

    🔸 Signatur prüfen

    gpg –verify DATEI.asc DATEI Wenn alles korrekt ist, erscheint:

    ✔ Good signature from “NAME DES ENTWICKLERS”

    🔹 4. postmarketOS / Alpine Linux (apk-tools)

    postmarketOS nutzt apk, nicht apt.

    Du prüfst die Repository-Signaturen so:

    Repository-Schlüssel anzeigen sudo apk policy
    oder:
    ls /etc/apk/keys/
    Dort liegen die öffentlichen Schlüssel der Maintainer.

    Wenn apk update bei dir sofort abbricht, kommt das meistens durch:

    fehlende Schlüssel

    beschädigte Schlüssel

    falsche Zeitzone

    falsches Datum des Systems

    defekte Repository-Server

    Das könnte gefixt werden, sobald du so weit bist.
    Doch das würde in einem separaten Blogbeitrag erörtert werden.

    🛡️ Warum das Prüfen so wichtig ist

    In der Linux-Welt ist das Paket-System eines der sichersten der Welt.
    Aber es hängt von dir ab, Warnungen ernst zu nehmen.

    Wenn die Signatur nicht stimmt:

    🚫 Kein Update installieren
    🚫 Kein Paket anfassen
    🚫 Repository überprüfen
    🚫 Schlüssel aktualisieren

    Nur so bleibt dein System wirklich sicher.

    Und vor allem:

    ✔ Dein Server bei Hetzner oder sonstigen Hostern
    ✔ Dein Laptop
    ✔ Dein postmarketOS-Smartphone

    sind dadurch besser geschützt als jedes Windows-System.

    💡 Fazit
    Das Prüfen von Paketen ist kein kompliziertes Hacker-Werkzeug, sondern ein eingebauter Schutzmechanismus in jeder Linux-Distribution.
    Du brauchst nur:

    die Warnungen zu verstehen

    und angewöhnen, auf Signaturen zu achten

    Dann kann dir fast nichts passieren.

  • Flashen versus Open-Source versus Autark Umwelt bewusst

    Flashen versus Open-Source versus Autark Umwelt bewusst

    In der heutigen Zeit ist es nicht nur wichtig, auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu achten, sondern auch darüber nachzudenken, wie wir unsere Elektronikgeräte wie Handys und Tablets länger nutzen können. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, ist das sogenannte „Flashen“ oder Installieren von alternativen Betriebssystemen auf unseren Geräten, um sie sicherer und länger nutzbar zu machen, als es mit proprietärer Software der Fall ist.

    Oft sind ältere Geräte nicht wirklich kaputt, sondern erhalten aufgrund der Beschränkungen der Hersteller keine Updates mehr, was sie anfälliger für Sicherheitslücken und eine schlechtere Leistung macht. In vielen Fällen sind Geräte, die älter als sechs Jahre sind, immer noch funktionsfähig und könnten weiter genutzt werden, wenn sie mit einer Open-Source-Software ausgestattet wären.

    Der Umstieg auf Open-Source-Software hat viele Vorteile, nicht nur im Hinblick auf die Verlängerung der Lebensdauer Ihrer Geräte, sondern auch in Bezug auf die Kontrolle, die Sie über Ihre eigenen Daten und die Funktionen Ihres Geräts haben. Zudem kann es dazu beitragen, den Elektroschrott zu reduzieren, indem wir unsere vorhandenen Geräte länger nutzen.

    Auf meinem Blog werde ich zukünftig regelmäßig Beiträge veröffentlichen, die sich mit dem Thema Open-Source-Software, dem Flashen von Handys und Tablets und den Möglichkeiten zur Verlängerung der Lebensdauer von Elektronikgeräten befassen. Wenn Sie Fragen haben oder wissen möchten, was mit Ihren älteren Geräten möglich ist, können Sie mich gerne kontaktieren oder die verschiedenen Portale besuchen, die sich mit diesen Themen befassen.

    Es ist Zeit, dass wir alle darüber nachdenken, wie wir unsere Elektronikgeräte nachhaltiger und verantwortungsbewusster nutzen können. Der Umstieg auf Open-Source-Software und das Flashen unserer Handys und Tablets können dazu beitragen, unsere Geräte länger zu nutzen und gleichzeitig unsere Umwelt zu schonen.