Wir verlieren unsere Privatsphäre

Aktuelle Entwicklungen in Deutschlands Cyber-Sicherheitslandschaft: Eine Zusammenfassung“

Es gab in den letzten Monaten eine Reihe bemerkenswerter Veränderungen in der Cyber-Sicherheitslandschaft Deutschlands. Angesichts der zunehmenden Bedrohung durch Cyberangriffe und -spionage hat die Bundesregierung in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) neue Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheit und Stabilität des Cyberraums zu gewährleisten.

Gleichzeitig haben CDU, CSU und SPD im Bundestag Initiativen zur Kontrolle von Chat-Anwendungen und zur Schaffung von Netzwerksperren vorgeschlagen. Diese Entwicklungen haben sowohl Zustimmung als auch Kritik hervorgerufen und einen wichtigen Dialog über die Balance zwischen Sicherheit und Datenschutz in der digitalen Ära in Gang gesetzt.

Verstärkung der Cyber-Sicherheit durch das BSI

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat die Herausforderungen der Cyber-Sicherheit in Deutschland immer im Blick und entwickelt kontinuierlich Strategien zur Abwehr und Minderung von Cyber-Risiken. In der jüngsten Initiative hat das BSI zusammen mit der Bundesregierung einen verpflichtenden Sicherheitscheck für alle in Deutschland betriebenen Server eingeführt.

Dieser Check soll dazu dienen, potenzielle Schwachstellen zu identifizieren und zu beheben, bevor sie ausgenutzt werden können. Weiterhin bietet das BSI umfangreiche Schulungen und Ressourcen für Unternehmen und Einzelpersonen an, um das Bewusstsein für Cyber-Bedrohungen zu erhöhen und geeignete Vorsichtsmaßnahmen zu fördern.

Doch das System wird auf die : Integrierte Sicherheit für Deutschland – Nationale Sicherheitsstrategie

Und besonders auf das Wort sollte man achten resilient: und wie man das Ganze ändert!

Obwohl man das in der Wehrhaft. Resilient. Nachhaltig. Heute wurde im Bundeskabinett die Nationale Sicherheitsstrategie beschlossen hatte!

Mit großen Schritten in die falsche Richtung

Das BSI untersteht dem Innenministerium. Schon seit Jahren fordern Fachleute für IT-Sicherheit, es solle unabhängig werden. Im Koalitionsvertrag haben sich die Ampelparteien immerhin darauf geeinigt, dass es „unabhängiger“ werden soll. Lies: nicht ganz unabhängig, aber ein bisschen mehr als bisher geht schon. Konkrete Schritte in diese Richtung lassen bisher auf sich warten. Stattdessen ist die leise Änderung des Beamtengesetzes gekommen – ein großer Schritt in die gänzlich entgegengesetzte Richtung.

Das ist inhaltlich fatal. Denn es braucht gerade jetzt eine Stelle, die sich ohne angezogene Handbremse für IT-Sicherheit einsetzt. Die sich in der Diskussion über den Umgang mit Sicherheitslücken dafür einsetzen kann, sie konsequent zu schließen. Und zwar ohne die Ungnade eines Ministeriums fürchten zu müssen, das gleichzeitig die Rufe der sogenannten Sicherheitsbehörden bedient.

Es überrascht nicht, dass der Entwurf dafür aus dem Innenministerium kam. Das liegt zum einen an den Querelen um den versetzten Ex-BSI-Chef Arne Schönbohm. Zum anderen ist es – Stichwort Vorratsdatenspeicherung und Hackbacks – nicht das erste Mal, dass die Innenministerin mit dem SPD-Parteibuch den Koalitionsvertrag offenbar mehr als unnötige Altlast denn als Handlungsleitlinie sieht.

Horst Seehofer kann zufrieden sein und vielleicht hat er Nancy Faeser mittlerweile neben Sigmar Gabriel und Angela Merkel auch einen Platz in seiner Modelleisenbahnlandschaft gewidmet. Denn sie führt nicht nur eine schwarze IT-Sicherheitspolitik würdig fort. Sie scheint sich auch an seinem mittlerweile zum Meme gewordenen Ausspruch zu orientieren: „Man muss Gesetze kompliziert machen. Dann fällt das nicht so auf.“

Neben der künftigen BSI-Spitze wird übrigens noch eine andere Behördenleitung politische Fliehkräfte zu spüren bekommen: Auch die Präsident:innen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge sitzen bald nicht mehr so fest im Sessel wie bisher. Was das im aktuellen gesellschaftlichen Klima und mit wechselnden Mehrheitsverhältnissen bedeutet, hat noch eine ganz andere Dimension.

Chat-Kontrolle und Netzwerksperren: Eine umstrittene Initiative

Die CDU, CSU und SPD haben im Bundestag eine Reihe von Vorschlägen zur Regulierung von Chat-Anwendungen und zur Einführung von Netzwerksperren vorgelegt. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Online-Sicherheit zu verbessern, indem sie die Verbreitung von schädlichen Inhalten und die Nutzung von Kommunikationsplattformen für illegale Aktivitäten eindämmen.

Jedoch wurden diese Vorschläge auf erheblichen Widerstand getroffen. Kritiker behaupten, dass solche Maßnahmen die Privatsphäre der Nutzer gefährden könnten und gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung verstoßen. Darüber hinaus gibt es Bedenken, dass Netzwerksperren die Informationsfreiheit einschränken und zu einer Zensur des Internets führen könnten.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, eine ausgewogene Herangehensweise zu finden. Während es unbestreitbar ist, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die Sicherheit im Cyberraum zu gewährleisten, ist es ebenso wichtig, die Grundrechte der Bürger zu wahren und einen offenen und freien Internetzugang zu gewährleisten.

Fazit

In der heutigen digitalisierten Welt ist die Cyber-Sicherheit von entscheidender Bedeutung. Die Bundesregierung und das BSI nehmen diese Herausforderung ernst und haben in dieser Hinsicht bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Doch die vorgeschlagenen Maßnahmen zur Chat-Kontrolle und Netzwerksperren werfen ernsthafte Fragen auf. Es ist wichtig, dass wir diesen Themen mit einer offenen und kritischen Denkweise begegnen und die Auswirkungen auf die Gesellschaft sorgfältig abwägen. Nur so können wir einen sicheren und gleichzeitig freien Cyberraum schaffen. Und die Gesellschaft zusammenhalten. Denn sonst implodiert das ganze System. Da es jetzt schon in allen europäischen Ländern Spannungen dazu gibt. Das Bespitzeln des Bürgers. Somit wird mehr in der Digitalisierung zerstört als persönlich für die Gesellschaften gewonnen!

SPD redet von Respekt und Demokratie

Was für eine perfide Floskeln Politik, von der Ampel. Nicht nur das wir die CDU darin festmachen konnten. Jetzt sind es die Ampelregierung, die selbst nicht anders ist. Olaf Scholz redet noch von Respekt. Was für eine Floskeln Politik, die sich insgesamt abhalten. Egal, welche Partei du dir anschaust. Die FDP redet von Freiheit, ist ein Grundwert. Der scheint bei Lindner und Co aus der FDP und Ampelregierung abhandengekommen ist. Vielleicht ist zu viel in ihrer Ampelregierung zu den ganzen Lobbyisten-Schecks zu verdecken. Bei den grünen braucht selbst auch keiner nachzuschauen. Da Frau Annalena Baerbock an der Sicherheitsstrategie mitgewirkt hat. Das sollte jeder nachlesen. Daher dürft ihr getrost auf Sie genauso verzichten. Es muss sich keiner wundern, wenn immer mehr Wähler von den Alt-Parteien abwandern

Reblog via Chaos Computer Club e.V.

SPD plant historischen Angriff auf Brief- und Fernmeldegeheimnis

Das Innenministerium kann seinen Überwachungsdrang nicht ablegen: Gestern wurde bekannt, dass das SPD-Ministerium entgegen bisheriger Beteuerungen die Pläne zur Chatkontrolle vollumfänglich unterstützt.

Beim sogenannten Client-Side-Scanning werden Nachrichten direkt im Smartphone durchleuchtet. Anders als bei der weniger invasiven Telekommunikationsüberwachung, die nur nach richterlicher Anordnung bei Einzelpersonen stattfindet, soll die Chatkontrolle auf allen Geräten aller Bürger*innen vorgenommen werden. Weil dieses Durchleuchten vor und nach dem Verschlüsseln auf unseren digitalen Endgeräten stattfindet, schützt Verschlüsselung nicht vor dieser besonders invasiven Form der Massenüberwachung.

Geheimdienste und andere Befürworter*innen sehen in beeindruckender Definitionsakrobatik weder eine Verletzung von Grundrechten, noch das Umgehen von Verschlüsselung. Das ist ungefähr so überzeugend und übertrieben, wie die Installation von Kameras zum Abfilmen sämtlicher frisch geöffneter Briefe, um dann zu behaupten, dies sei kein Eingriff ins Briefgeheimnis, weil die Briefe ja bereits geöffnet seien.

Wer so argumentiert, hat jedes Vertrauen verspielt.

FDP: Gute Vorsätze…

Im Koalitionsvertrag lehnten die Regierungsparteien “Maßnahmen zum Scannen privater Kommunikation” ab – so einfach könnte es sein. Das eindeutig grundrechtswidrige Gesetz würde vom EuGH mit großer Wahrscheinlichkeit gekippt werden.

Die vollautomatische Massenüberwachung soll der Eindämmung der Verbreitung von dokumentiertem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen dienen. Ein besserer Schutz für Kinder und Jugendliche ist aber nicht zu erwarten: Die Fehlerquoten solcher Systeme sind um Größenordnungen zu hoch, und nicht zuletzt nutzen Kriminelle andere Verbreitungswege. Das ist auch allen Beteiligten – allen voran Faesers Innenministerium – hinlänglich bekannt. Selbst der Kinderschutzbund ist gegen den Vorstoß.

Völlig richtig hat die FDP deshalb in einem Positionspapier festgelegt, dem Chatkontrolle-Gesetzentwurf allenfalls zuzustimmen, wenn geräteseitiges Scannen in einem eigenen Artikel explizit ausgeschlossen wird. Die Liberalen erinnerten sich an ihre Tradition als Bürgerrechtspartei.

…und eine dunkle Versuchung

Seit Dienstag wissen wir nun, dass die FDP-geführten Ministerien für Justiz und für Digitales und Verkehr sich noch in diesem Jahr mit dem Innenministerium einigen wollen. Das Innenministerium will “konkretisieren”, also Definitionsakrobatik betreiben, statt sich an den Koalitionsvertrag zu halten. Das Client-Side-Scanning, einst laut beschworene rote Linie der FDP, soll mit von der Partie sein.

Offenbar haben die Liberalen sich mit dem Kampf gegen bezahlbaren Personennahverkehr, für den völlig unsinnigen “Tankrabbatt” und ihrer Klientelpolitik für Porsche den Bogen überspannt. Das Einknicken beim historischen Massenüberwachungsgesetz soll nun offenbar wieder für Koalitionsfrieden sorgen.

Statt einer KI-basierten Massenüberwachung sollte die Ampel endlich ein Recht auf Verschlüsselung einführen. Client-Side-Scanning würde jede Verschlüsselung nachhaltig ruinieren. Als Vorsatz für das neue Jahr empfehlen wir, den Überwachungswildwuchs zu beenden und das Unkraut nach 16 Jahren CDU/CSU auf Grundlage einer ordentlichen Überwachungsgesamtrechnung zu entfernen.

Könnte vielleicht Porsche-Chef Oliver Blume die FDP an den Koalitionsvertrag, ihr eigenes Positionspapier und ihren eigenen Beschluss zur Chatkontrolle erinnern?

  1. Nancy Faeser zur Chatkontrolle bei Markus Lanz am 8. Juni: “Ich halte es aber nicht für verhältnismäßig, so massiv in private Kommunikation reinzugucken. […] Wir gucken ja auch nicht in jeden Brief rein.”
  2. Alle gegen Chatkontrolle: Das Netzwerk European Digital Rights erklärt im Positionspapier “A safe Internet for all: upholding private and secure communications”, wie fehlgeleitet der Verordnungsentwurf ist. Dafür waren mehr als fünfzig Seiten notwendig.
  3. EU-Kommission will alle Chatnachrichten durchleuchten: Geplant ist eine KI-basierte Prüfung aller Nachrichteninhalte und Bilder direkt auf unseren Geräten. Das so genannte Client-Side-Scanning wäre ein Angriff auf jegliche vertrauliche Kommunikation.