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Carrabelloy ' Meine Hobbys sind so vielseitig

Kategorie: Campingplatz-Natur

  • Nachtrag: Der Wald brennt – und wir diskutieren immer noch über Rodung für Windräder

    Ich hatte an dieser Stelle schon gefragt: Warum ausgerechnet dieser Waldstandort? Wurden Repowering, Dachsolar, Parkflächen und bereits belastete Industrie- und Gewerbeflächen mit derselben Ernsthaftigkeit geprüft? Nach diesem Sommer stellt sich diese Frage für mich noch dringlicher.

    Das ist ein Nachtrag zu meinem Beitrag „Waldbrand, Beton und die grüne Fassade“. Dort ging es bereits um die falsche Alternative, Waldschutz und Energiewende gegeneinander auszuspielen. Meine Position bleibt: Ich bin für den Ausbau der Erneuerbaren. Aber das grüne Etikett entbindet kein Projekt davon, seinen Standort zu begründen.

    Ein Sommer, in dem der Wald wieder brannte

    Anfang August brannte es im Nationalpark Eifel zwischen Mechernich-Voißel und Heimbach-Düttling. Nach Angaben der Stadt Mechernich war rund ein Hektar Waldboden betroffen; Radio Euskirchen berichtete später von etwa 6.000 Quadratmetern bis zu einem Hektar. Die trockene Bodenauflage aus Nadeln, Laub und anderem Pflanzenmaterial erleichterte die Ausbreitung. Zur Ursache lagen laut Stadt zunächst keine gesicherten Erkenntnisse vor.

    Gleichzeitig wütete im Hohen Venn ein Großbrand. Nach einer Lageaktualisierung, die sich auf den Kreis Euskirchen berief, waren auch Torfschichten betroffen. Brandrauch zog über den Kreis Euskirchen; gemeldet wurden schlechte Sicht, deutliche Geruchsbelästigung und teilweise Ascheregen, unter anderem in Hellenthal.

    Diese Brände beweisen nicht, dass jede Windenergieanlage im Wald falsch ist. Sie verschärfen aber die Pflicht, jeden Eingriff in Waldflächen besonders gründlich zu begründen. Wer angesichts von Trockenheit, Brandrisiken und geschädigten Ökosystemen roden will, muss nachvollziehbar zeigen, warum weniger belastete Alternativen nicht ausreichen.

    Lautes Denken: Wenn unsere Wälder in einem einzigen Sommer mehrfach brennen, finde ich es umso unverständlicher, wenn Industrie- und Gewerbestandorte nur am Rand geprüft werden, während Waldstandorte als selbstverständlich erscheinen.

    Selbst die Windbranche fordert Industrie- und Gewerbeflächen

    Das ist keine reine Privatidee von mir. Der Bundesverband WindEnergie fordert seit Jahren, Windenergieanlagen in Industrie- und Gewerbegebieten planungsrechtlich leichter zuzulassen. Nach Darstellung des Verbands ist der Bau dort bereits möglich, aber häufig nur als Ausnahme. Der BWE schlug deshalb Änderungen in der Baunutzungsverordnung und im Baugesetzbuch vor.

    Auch in seinem Forderungskatalog zum Windgipfel nannte der Verband Windenergie in Industrie- und Gewerbegebieten energiepolitisch sinnvoll und verlangte einfachere Genehmigungen.

    Der Landesverband Erneuerbare Energien NRW argumentierte ebenfalls für eine stärkere Nutzung solcher Standorte. Dort können höhere zulässige Lärmwerte, größere Abstände zu Wohnbebauung und bereits vorhandene Infrastruktur Vorteile bieten. Das heißt nicht, dass Artenschutz, Flugsicherung, Turbulenzen, Abstände oder Netzausbau plötzlich verschwinden. Ein Industriegebiet ist kein rechtsfreier Raum und nicht jede Gewerbefläche trägt ein modernes Windrad. Aber es ist ein Potenzial, das systematisch geprüft werden muss.

    Hinzu kommt die Nähe zu großen Stromverbrauchern. Der BWE fordert, neue Verbraucher wie Rechenzentren und Gewerbegebiete stärker in Erneuerbare-Energien-Hubs einzubinden. Industrie- und Gewerbestandorte verfügen häufig bereits über Straßen, Leitungen und leistungsfähigere Netzanschlüsse. Das kann Erschließung vereinfachen – sofern Netzkapazität, Flächengröße und Genehmigungsrecht tatsächlich passen.

    Die ehrliche Formulierung lautet deshalb nicht: „Stellt alle Windräder auf versiegelte Flächen.“ Das wäre technisch unseriös. Die richtige Forderung lautet: Prüft vor jedem Eingriff in Waldflächen nachweisbar, welche Repowering-, Industrie-, Gewerbe- und sonstigen vorbelasteten Standorte zur Verfügung stehen – und veröffentlicht diese Abwägung.

    Was § 36a LPlG tatsächlich zeigte

    Nordrhein-Westfalen führte im Februar 2025 mit § 36a des Landesplanungsgesetzes eine allgemeine plansichernde Untersagung mit Befreiungsvorbehalt ein. Genehmigungsentscheidungen für bestimmte Windenergievorhaben außerhalb geplanter Windenergiegebiete wurden für zwölf Monate ab dem 15. Februar 2025 untersagt. Repowering und bestimmte ältere, vollständige Anträge waren ausgenommen; weitere Vorhaben konnten auf Antrag befreit werden.

    Wichtig für die heutige Einordnung: Dieser gesetzliche Zwölfmonatszeitraum endete am 15. Februar 2026. Wer im August 2026 so schreibt, als laufe das Moratorium unverändert weiter, beschreibt die aktuelle Rechtslage falsch.

    Politisch bleibt der Vorgang trotzdem aufschlussreich. In der damaligen Anwendung nannte ein Erlass des Landeswirtschaftsministeriums Fallgruppen, bei denen eine Befreiung eher möglich erschien. Dazu gehörte nach Darstellung des LEE NRW auch die räumliche Nähe zu großen Industrieanlagen. Die Industrie-Nähe stand also nicht als automatische Ausnahme direkt im Gesetz; sie war ein Gesichtspunkt für die behördliche Befreiungsprüfung.

    Das Land wusste damit sehr genau, dass Industrieumfelder raumverträglich interessant sein können. Aber aus einem möglichen Befreiungsgrund wurde noch keine konsequente Standortstrategie.

    NRW.Energy4Climate beschreibt den Übergang inzwischen anders: Fünf von sechs Planungsregionen hätten Windenergiegebiete ausgewiesen, die letzte solle folgen. Das zeigt, wie schnell sich die Rechtslage verändert. Gerade deshalb müssen politische Artikel zwischen einem damaligen Moratorium und dem heutigen Planungsstand unterscheiden.

    Industrieflächen sind Ergänzung, nicht Zauberformel

    Man muss auch das Gegenargument ernst nehmen. Moderne Windenergieanlagen brauchen große Abstände untereinander, geeignete Windverhältnisse, Kranstellflächen, Zuwegungen und Sicherheitsräume. Gewerbegebiete sind oft zu klein, zu dicht bebaut oder aerodynamisch ungünstig. Dachsolar, Parkflächen-PV und Windenergie liefern außerdem nicht dieselbe Strommenge zur selben Zeit. Sie sind keine beliebig austauschbaren Bausteine.

    Aber genau daraus folgt keine Freikarte für den Wald. Es folgt eine Pflicht zur nachvollziehbaren Alternativenprüfung:

    • Kann eine alte Anlage durch Repowering mehr Strom liefern?
    • Gibt es geeignete Industrie- oder Gewerbestandorte in Verbrauchsnähe?
    • Können Photovoltaik auf Dächern, Parkplätzen und versiegelten Flächen sowie Speicher den lokalen Flächendruck verringern?
    • Welche Waldfläche soll dauerhaft und welche nur vorübergehend beansprucht werden?
    • Welche Zuwegung, Kabeltrasse und Kranfläche kommt zusätzlich zum Fundament hinzu?
    • Welche Arten, Böden, Wasserräume und Brandrisiken sind betroffen?
    • Wer kontrolliert Ausgleich, Rückbau und tatsächliche Wiederbewaldung?

    Wer diese Fragen sauber beantwortet, stärkt die Energiewende. Wer sie wegwischt, produziert den Widerstand gegen sie selbst.

    Schlechte Standortpolitik beschädigt die Akzeptanz

    Wenn Anwohner sehen, dass für ein Windprojekt Bäume fallen, während einige Kilometer weiter ein Gewerbegebiet nicht einmal nachvollziehbar geprüft wurde, werden sie skeptisch. Das ist nicht automatisch Verweigerungshaltung. Es kann eine logische Reaktion auf eine nicht erklärte Standortentscheidung sein.

    Genauso falsch wäre es allerdings, jeden Windstandort im Wald als großflächigen Kahlschlag darzustellen. Die konkrete dauerhaft gerodete Fläche, zeitweise Montageflächen, Zuwegungen und spätere Wiederaufforstung müssen für jedes Projekt einzeln belegt werden. Pauschale Bilder helfen weder dem Wald noch der Wahrheit.

    Meine Kritik richtet sich deshalb nicht gegen Windenergie, sondern gegen eine Politik, die ihre Abwägungen zu oft hinter Verfahren, Ausnahmen und grünen Etiketten versteckt. Schwarz-Grün in Nordrhein-Westfalen muss erklären, wie Waldschutz, Industrieflächen, Regionalplanung und schneller Ausbau praktisch zusammenpassen. Ein Hinweis auf Ausbauziele ersetzt keine Standortbegründung.

    Das gilt auch für die Bundespolitik. Im Beitrag „Merz träumt vom Fusionsreaktor – und bremst die Energie, die längst funktioniert“ habe ich beschrieben, warum Kernfusion kein Vorwand sein darf, verfügbare erneuerbare Technik kleinzureden. Umgekehrt darf der notwendige Ausbau der Windenergie nicht zum Vorwand werden, die ökologische Qualität eines konkreten Standorts nicht mehr zu prüfen.

    Meine Position bleibt

    Ich bin klar für den Ausbau der Erneuerbaren. Ich bin ebenso klar dafür, Wald, Wasserhaushalt, Böden und Artenvielfalt nicht als kostenlose Restfläche zu behandeln.

    Der Brand im Nationalpark Eifel und das Feuer im Hohen Venn sind kein Beweis gegen Windkraft. Sie sind eine Warnung gegen politische Bequemlichkeit. Wer in einen Wald eingreift, muss zeigen, warum dieser Standort nötig ist, welche Alternativen geprüft wurden und wie Schäden begrenzt werden.

    Das grüne Etikett entbindet kein Projekt von dieser Begründung. Gerade eine glaubwürdige Energiewende muss sie liefern.

    Weiterführende Texte auf diesem Blog

    Quellen

    • Radio Euskirchen, „Waldbrand im Nationalpark Eifel bei Mechernich-Voißel“: https://www.radioeuskirchen.de/artikel/waldbrand-im-nationalpark-eifel-bei-mechernich-voissel-2719501
    • Stadt Mechernich, „Waldbrand bei Voißel unter Kontrolle“: https://www.mechernich.de/detail/waldbrand-bei-voissel-unter-kontrolle
    • Münstereifelchen, Lageaktualisierung unter Bezug auf den Kreis Euskirchen: https://xn--mnstereifelchen-zvb.de/lageaktualisierung-wald-und-vegetationsbraende-waldbraende-in-der-region/
    • Bundesverband WindEnergie, „Industrie- und Gewerbegebiete für Windenergienutzung öffnen“: https://www.wind-energie.de/presse/pressemitteilungen/detail/industrie-und-gewerbegebiete-fuer-windenergienutzung-oeffnen/
    • BWE, Forderungskatalog zum Windgipfel: https://www.wind-energie.de/fileadmin/redaktion/dokumente/publikationen-oeffentlich/themen/04-politische-arbeit/01-gesetzgebung/20230313_BWE_Forderungskatalog_zum_Windgipfel_2022.pdf
    • Windkraft-Journal, „Industrie- und Gewerbegebiete endlich für erneuerbare Energien nutzen“: https://www.windkraft-journal.de/2021/09/07/industrie-und-gewerbegebiete-endlich-fuer-erneuerbare-energien-nutzen/166193
    • BWE, „Netz muss schneller und digitaler werden“: https://www.wind-energie.de/presse/pressemitteilungen/detail/netz-muss-schneller-und-digitaler-werden-beschleunigungsagenda-jetzt-umsetzen/
    • Caeli Wind, „Der ideale Standort für Windkraftanlagen“: https://www.caeli-wind.de/ratgeber/detailseite/der-ideale-standort-fuer-windkraftanlagen
    • Landesplanungsgesetz NRW, § 36a, amtliche Fassung: https://recht.nrw.de/lrgv/gesetz/15082025-landesplanungsgesetz-nordrhein-westfalen/
    • Land NRW, „Verlängerung des § 36a LPlG um weitere sechs Monate“: https://www.land.nrw/pressemitteilung/verlaengerung-des-ss-36a-lplg-um-weitere-sechs-monate
    • LEE NRW, Einordnung zu § 36a LPlG: https://www.lee-nrw.de/blog/windenergiemoratorium-in-36a-lplg-nrw-wer-ist-betroffen/
    • NRW.Energy4Climate, „Flächen für Windenergieanlagen“: https://www.energy4climate.nrw/erneuerbare-energien-in-nrw/windenergie/flaechen-fuer-windkraftanlagen

    Diskussion: https://treff.darknight-coffee.eu
    Blog: https://carrabelloy.darknight-coffee.org/blog/

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  • Wenn der Wald vor Schleiden braun wird: Kommunalpolitik muss Rechenschaft geben

    Wenn der Wald vor Schleiden braun wird: Kommunalpolitik muss Rechenschaft geben

    Bildquelle: Carrabelloy, Aufnahme vom 23. August 2026 Inhaltliche Abgrenzung: lokaler Waldzustand, kommunale Zuständigkeit und überprüfbare politische Verantwortung

    Auf Bildern aus dem Raum Schleiden sind zahlreiche braune Baumkronen neben weiterhin grünen Beständen zu sehen. Das ist dokumentiert. Nicht dokumentiert ist bisher, warum diese Kronen braun sind, wem die konkrete Fläche gehört und welche Stelle sie forstfachlich betreut. Genau dort beginnt politische Verantwortung.

    Die Bilder beweisen weder eine einzelne Ursache noch persönliche Schuld. Trockenheit und Hitze kommen ebenso infrage wie vorzeitiger Laubfall, Schädlings- oder Pilzbefall, Nährstoffmangel und eine Kombination mehrerer Belastungen. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft warnt ausdrücklich vor Ferndiagnosen. Sichtbare Verfärbung und Kronenverlust sind aber ein berechtigter Anlass für eine fachliche Untersuchung.

    Wer daraus nur den Satz „Das kann vieles sein“ ableitet, macht sich die Unsicherheit zur Ausrede. Die richtige Antwort lautet: Eigentum und Zuständigkeit feststellen, Baumarten und Schadbild erfassen, Untersuchung veranlassen, Ergebnisse veröffentlichen und Maßnahmen begründen.

    Ein sichtbarer Befund direkt vor der Tür

    Carrabelloy beobachtet diesen Bestand von seinem Aufenthaltsort im Raum Schleiden aus regelmäßig. Für ihn ist der Wald kein abstrakter Bericht und keine Kulisse für einen politischen Termin. Er sieht grüne Kronen neben auffällig braunen Flächen und nimmt wahr, wie sich das Bild verändert.

    Seine persönliche Einschätzung lautet: „Ich gehe dort spazieren, ich kenne diesen Blick und ich sehe, wie viel Stress dieser Wald hat. Es gibt Flachwurzler und Tiefwurzler, unterschiedliche Böden und unterschiedliche Reaktionen. Aber in der Summe ist mein Eindruck eindeutig: Dieser Wald ist krank.“

    Das ist die Beobachtung eines Anwohners, keine amtliche Diagnose. Gerade deshalb muss sie weder überhöht noch weggewischt werden. Bürger müssen keine Forstwissenschaftler sein, bevor sie sichtbare Veränderungen melden und Antworten verlangen dürfen.

    Die Fotos sollten als zeitliche Reihe fortgeführt werden: möglichst gleicher Blickwinkel, Datum, Wetterlage und sichtbare Entwicklung. Das ersetzt keine Proben, keine Kronenzustandserhebung und keine fachliche Begehung. Es schafft aber einen nachvollziehbaren Ausgangspunkt.

    Der Bürgermeister heißt Ingo Pfennings – Kritik braucht den richtigen Namen

    Schleidens Bürgermeister heißt nach der amtlichen Stadtseite Ingo Pfennings. Er ist dort seit Dezember 2018 als Bürgermeister ausgewiesen. Die Vermutung, es handele sich um einen Herrn Pfeiffer, ist damit falsch.

    Auch die Behauptung, der Bürgermeister kümmere sich wegen häufiger Urlaube nicht um die Stadt, ist nicht belegt. Sie gehört deshalb nicht als Tatsache in diesen Artikel. Persönliche Abwesenheiten wären ohnehin nur dann politisch relevant, wenn konkrete Amtsgeschäfte, Vertretungsregeln oder Entscheidungen nachweisbar darunter gelitten hätten.

    Die sachliche Kritik ist stärker: Was weiß die Stadtverwaltung über den betroffenen Bestand? Gehört die Fläche der Stadt, dem Land, einer privaten Person, einer Forstbetriebsgemeinschaft oder einem anderen Eigentümer? Welche Fachstelle wurde eingeschaltet? Gibt es eine Gefahrenbewertung für Wege, angrenzende Flächen und Brandlast? Welche Ratsvorlagen, Haushaltsmittel oder Förderanträge betreffen Waldumbau, Wasserrückhalt und Brandschutz?

    Die Stadt weist amtlich auf regelmäßige Bürgersprechstunden des Bürgermeisters im Rathaus und wechselnd in den Ortschaften hin. Für 2026 wurden Termine veröffentlicht. Das ist ein vorhandener Zugangskanal. Entscheidend ist nun, ob dort gestellte Fragen dokumentiert, fachlich weitergeleitet und später nachvollziehbar beantwortet werden.

    Kommunale Verantwortung ist mehr als Eigentum

    Eine Kommune ist nicht automatisch für jeden Baum im Stadtgebiet forstlich zuständig. Bei Privatwald liegt die unmittelbare Bewirtschaftungsverantwortung zunächst beim Eigentümer; Landesforstverwaltung, Forstamt, Naturschutz-, Ordnungs- oder andere Behörden können je nach Lage und Problem beteiligt sein. Bei kommunalem Wald trägt die Stadt direktere Verantwortung als Eigentümerin und politische Auftraggeberin.

    Aus dieser Eigentumstrennung folgt aber kein kommunaler Freispruch. Die Stadt ist Ansprechpartnerin für Bürger, örtliche Gefahrenabwehr, Wege, Bauleitplanung, Versiegelung, kommunale Flächen, Feuerwehr und Teile der Klimaanpassung. Sie kann Zuständigkeiten klären, Fachstellen zusammenrufen, Ratsinformationen veröffentlichen und Fördermittel beantragen. Sie muss nicht jede Diagnose selbst erstellen. Sie muss aber sichtbar organisieren, dass eine begründete Meldung nicht zwischen Behörden verschwindet.

    Gerade Schleiden nennt sich Nationalparkhauptstadt. Dieser Titel darf nicht nur Tourismusmarke sein. Eine Stadt, die mit Natur wirbt, muss öffentlich zeigen können, wie sie mit Trockenstress, geschädigten Beständen, Wasserhaushalt, Waldbrandvorsorge und langfristiger Pflege umgeht.

    Was der Rat und die Verwaltung offenlegen sollten

    Politische Verantwortung lässt sich in Akten und Entscheidungen prüfen. Für den konkreten Bestand und für die Waldpolitik im Stadtgebiet braucht es mindestens folgende Angaben:

    1. Lage und Eigentumsstruktur der gemeldeten Fläche, ohne private Wohn- oder Aufenthaltsorte öffentlich zu machen.
    2. Zuständige Forst-, Umwelt-, Ordnungs- und Brandschutzstellen.
    3. Datum und Ergebnis einer fachlichen Begehung.
    4. Betroffene Baumarten, sichtbares Schadbild und Grenzen der Diagnose.
    5. Kurzfristige Gefahrenmaßnahmen, etwa an Wegen oder bei erhöhter Brandlast.
    6. Langfristige Maßnahmen zu Naturverjüngung, Waldumbau, Wildschutz, Boden und Wasserrückhalt.
    7. Haushaltsansätze, Förderanträge, bewilligte Mittel und tatsächliche Ausgaben.
    8. Zuständige politische Gremien, Beschlüsse, Fristen und öffentliche Berichte.

    Eine Verwaltung darf bei einzelnen Punkten auf andere Eigentümer oder Behörden verweisen. Dann muss sie aber konkret benennen, wer zuständig ist und wann eine Antwort erwartet wird. „Nicht unser Wald“ wäre ohne Weiterleitung und Gefahrenprüfung keine ausreichende Bürgerinformation.

    Wasserrückhalt statt Symbolgießen

    Die naheliegende Forderung, einen großflächig gestressten Wald einfach zu gießen, ist in der Regel weder realistisch noch ökologisch ausreichend. Waldflächen lassen sich nicht wie ein Stadtbeet bewässern. Einzelne Jungpflanzen können in der Anwuchsphase Hilfe brauchen; für den Bestand entscheidet jedoch der Landschaftswasserhaushalt.

    Dazu gehören unversiegelte Böden, versickerungsfähige Flächen, gebremster Oberflächenabfluss, gesunde Humusschichten, angepasste Wegeentwässerung und standortgerechte Baumarten. Wo Entwässerungsgräben Wasser schnell aus der Fläche führen, muss geprüft werden, ob Rückhalt möglich und fachlich sinnvoll ist. Wo schwere Maschinen Böden verdichten, kann Regen schlechter einsickern. Wo Wilddruck Naturverjüngung verhindert, reicht Pflanzen allein nicht.

    Kommunale Klimaanpassung muss diese Zusammenhänge mit Hochwasser- und Starkregenvorsorge verbinden. Nach der Flut von 2021 kennt Schleiden die Gewalt von Wasserüberschuss. Trockenheit und Starkregen sind dabei keine Gegensätze: Ausgetrocknete oder verdichtete Böden können heftigen Regen schlechter aufnehmen. Wasserrückhalt dient deshalb Wald, Boden, Grundwasser und Hochwasservorsorge zugleich.

    Bürgerwald darf kein Pflanzfoto mit Ablaufdatum werden

    Carrabelloy arbeitet parallel an der Idee eines langfristigen Bürgerwald- und Waldpflegeprojekts. Die Stadt Schleiden und weitere Kommunen wurden dazu angeschrieben. Eine automatische oder technische Zustellung ist noch keine fachliche Antwort und erst recht keine Flächenzusage.

    Ein seriöses Bürgerwaldprojekt beginnt nicht mit dem Kauf möglichst vieler Setzlinge. Es beginnt mit Boden, Standort, Eigentum, Verträgen, Forstplanung und Pflege. Naturverjüngung kann je nach Fläche sinnvoller sein als Neupflanzung. Wo gepflanzt wird, braucht es standortgerechte Arten, Herkunftsnachweise, Wildschutz, Bewässerungsplanung für die Anwuchsphase, Ersatz bei Ausfällen und eine Kontrolle über Jahre.

    Die politische Messlatte lautet deshalb nicht: Wie viele Menschen standen beim Pressetermin mit Spaten vor der Kamera? Sie lautet: Welche Bäume oder Naturverjüngungsflächen sind nach fünf trockenen Sommern noch stabil, wer hat sie gepflegt, was hat es gekostet und welche Fehler wurden korrigiert?

    Gegenargument: Die Kommune kann nicht alles leisten

    Das stimmt. Kleine und mittlere Kommunen haben begrenztes Personal, konkurrierende Pflichtaufgaben und nach Flut, Wiederaufbau und Haushaltsdruck enorme Belastungen. Forstliche Zuständigkeiten sind verteilt. Eine Stadtverwaltung kann keine Trockenperiode beenden und keinen Klimawandel allein stoppen.

    Aber begrenzte Zuständigkeit bedeutet nicht begrenzte Transparenz. Gerade wenn Mittel und Personal knapp sind, müssen Prioritäten offenliegen. Welche Aufgabe wird zuerst bearbeitet? Welche Hilfe wurde beim Kreis oder Land angefordert? Welche Förderung ist beantragt? Wo fehlen Fachkräfte? Welche Entscheidung hat der Rat getroffen?

    Ehrlich benannte Grenzen sind glaubwürdiger als große Klimaversprechen ohne Vollzug. Kommunalpolitik muss nicht allmächtig sein. Sie muss erreichbar, nachvollziehbar und rechenschaftspflichtig sein.

    Ein klarer Arbeitsauftrag an Schleiden

    Für den gemeldeten Bestand ergibt sich ein nüchterner Ablauf:

    • Meldung mit Fotos und grober Lage aufnehmen.
    • Eigentum und zuständige Fachstelle klären.
    • Fachliche Begehung oder Weiterleitung veranlassen.
    • Akute Gefahren für Wege, Anwohner und Brandvorsorge prüfen.
    • Ergebnis mit Diagnosegrenzen veröffentlichen.
    • Maßnahmen, Zuständigkeiten, Kosten und nächsten Prüftermin benennen.

    Dieser Ablauf wäre keine Vorverurteilung des Bürgermeisters und keine Ferndiagnose des Waldes. Er wäre schlicht ordentliche Verwaltung.

    Carrabelloys politische Position bleibt klar: Mandat und Amt sind kein Zuschauerplatz. Wer Verantwortung trägt, muss Warnzeichen aufnehmen, Fachwissen organisieren, Entscheidungen offenlegen und später erklären, was gewirkt hat. Ein Titel wie Nationalparkhauptstadt erhöht diese Verpflichtung – er ersetzt sie nicht.

    Schluss

    Der Wald vor Schleiden braucht weder persönliche Gerüchte noch politische Kulissen. Er braucht belastbare Antworten.

    Der Bürgermeister heißt Ingo Pfennings. Die sichtbaren braunen Kronen haben noch keine gesicherte Diagnose. Die Eigentums- und Fachzuständigkeit der konkreten Fläche ist offen. Genau diese drei Punkte zeigen, wie seriöse Kritik funktioniert: Namen prüfen, Unsicherheit benennen und anschließend konkrete Rechenschaft verlangen.

    Untersuchen. Zuständigkeit offenlegen. Maßnahmen begründen. Wirkung kontrollieren.

    Podcast zum Artikel

    Die ausführliche Podcastfolge über sichtbaren Waldbefund, kommunale Zuständigkeit, Wasserrückhalt und langfristige Bürgerwaldpflege:

    https://podcast.darknight-coffee.org/@carrabelloy/episodes/wenn-der-wald-vor-schleiden-braun-wird-wer-tragt-vor-ort-verantwortung

    Quellen

    1. Stadt Schleiden, Bürgermeister: https://www.schleiden.de/rathaus/rathaus/politik/buergermeister/
    2. Stadt Schleiden, Bürgersprechstunden des Bürgermeisters: https://www.schleiden.de/rathaus/aktuelles/buergersprechstunden-des-buergermeisters/
    3. Stadt Schleiden, Bürger- und Ratsinformationssystem: https://www.schleiden.de/rathaus/rathaus/politik/buerger-und-ratsinformationssystem-allris/
    4. Stadt Schleiden, Umwelt und Klima: https://www.schleiden.de/rathaus/planen-bauen/umwelt-klima/
    5. Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, „Trockenstress von Waldbäumen und Gefahr durch Borkenkäfer und Prachtkäfer“: https://www.lwf.bayern.de/waldschutz/forstentomologie/113511/index.php
    6. Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, „Durststrecken im Wald: Wie reagieren Buche und Eiche“: https://www.lwf.bayern.de/boden-klima/umweltmonitoring/358467/index.php
    7. Inhaltlicher Vorgänger zu Waldbrand, Hochwasserschutz und kommunaler Verantwortung: https://carrabelloy.darknight-coffee.org/blog/
  • Vom Streit ums Klima zur eigenen Gießkanne – warum ich nicht mehr nur über unsere Wälder reden möchte

    Vom Streit ums Klima zur eigenen Gießkanne – warum ich nicht mehr nur über unsere Wälder reden möchte

    Manchmal beginnt ein Gedanke mit einer einfachen Schlagzeile.

    Diesmal war es ein Reel auf Instagram. Dort wurde ein Meinungsbeitrag der WELT aufgegriffen, der sich mit dem aktuellen Niedrigwasser des Rheins beschäftigt. Der Beitrag trägt den Titel „Rhein: Die Legende vom Klimakrisen-Niedrigwasser“ und stammt von Axel Bojanowski. Seine These richtet sich gegen eine zu einfache direkte Zuordnung des derzeitigen Rhein-Niedrigwassers zur Klimakrise.

    Und selbstverständlich darf man darüber diskutieren.

    Wissenschaft bedeutet nicht, dass zu jeder einzelnen Wetterlage nur noch eine zulässige Erklärung existiert. Ein einzelnes Niedrigwasser, ein einzelner heißer Sommer, ein Waldbrand oder ein Starkregenereignis ist nicht einfach mit dem Satz „Das war der Klimawandel“ vollständig erklärt.

    Aber genauso falsch wäre für mich der umgekehrte Weg:

    **Das Klima hat sich früher verändert – also brauchen wir über den heutigen menschengemachten Klimawandel nicht mehr zu reden.**

    So funktioniert Wissenschaft ebenfalls nicht.

    Der Weltklimarat IPCC kommt auf Grundlage des heutigen Forschungsstandes zu dem eindeutigen Ergebnis, dass der menschliche Einfluss Atmosphäre, Ozeane und Land erwärmt hat.

    Damit ist nicht jedes Wetterereignis ausschließlich durch den Menschen verursacht.

    Aber die Bedingungen, unter denen diese Ereignisse stattfinden, verändern sich.

    Und genau dort beginnt für mich die eigentlich wichtige Diskussion.

    ## Während wir diskutieren, stehen die Bäume draußen

    Ich habe in den vergangenen Tagen und Wochen viel über die Waldbrände geschrieben und gesprochen.

    Dabei habe ich mittlerweile auch Menschen aus Forstwirtschaft und Baumschulen zugehört.

    Und irgendwann verschiebt sich dabei die eigene Wahrnehmung.

    Man sieht nicht mehr nur eine verbrannte Fläche.

    Man sieht einen Wald, dessen Entwicklung Jahrzehnte gebraucht hätte.

    Man sieht junge Bäume, die vielleicht gerade erst angefangen hatten, richtig zu wachsen.

    Und man begreift, wie lange es dauern wird, bis daraus wieder ein großer Wald werden kann.

    Ich bin 58 Jahre alt.

    Wenn wir heute einen jungen Baum pflanzen, kann es Jahrzehnte dauern, bis aus diesem kleinen Bäumchen ein großer, alter Baum geworden ist.

    Vielleicht werde ich selbst gar nicht mehr erleben, wie groß dieser Baum irgendwann wird.

    Aber genau deshalb finde ich diesen Gedanken inzwischen so schön.

    **Warum muss ich alles selbst erleben, damit es einen Wert besitzt?**

    Vielleicht pflanze ich einen Baum, unter dem irgendwann ein anderer Mensch sitzt.

    Vielleicht baut dort ein Vogel sein Nest.

    Vielleicht finden Insekten Nahrung.

    Vielleicht spendet dieser Baum einem Kind Schatten, das heute noch gar nicht geboren ist.

    Und vielleicht weiß irgendwann niemand mehr, wer diesen Baum einmal gepflanzt hat.

    Das ist vollkommen in Ordnung.

    Denn der Baum steht trotzdem dort.

    ## Ein Baum braucht mehr als einen Pressetermin

    Und hier komme ich zu einem Punkt, den wir meiner Meinung nach viel zu häufig vergessen.

    Bäume zu pflanzen klingt wunderbar.

    Hundert Bäume.

    Tausend Bäume.

    Eine Million Bäume.

    Politiker mit Spaten.

    Unternehmen mit großen Versprechen.

    Fotos für Presse und soziale Medien.

    Aber danach beginnt erst die eigentliche Arbeit.

    Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass gerade sehr junge Bäume gegenüber Trockenheit besonders empfindlich sind. Ihr Wurzelsystem ist noch nicht ausreichend entwickelt, um Wasser aus tieferen Bodenschichten zu erreichen. Entsprechend höher ist ihr Risiko, während Trockenperioden abzusterben.

    Genau deshalb reicht mir irgendwann die Meldung nicht mehr:

    **„Wir haben 10.000 Bäume gepflanzt.“**

    Meine nächste Frage wäre:

    **Wie viele davon stehen fünf Jahre später noch?**

    Wer fährt im nächsten trockenen Sommer hin?

    Wer schaut nach den Pflanzen?

    Wer nimmt tatsächlich eine Gießkanne, einen Wassertank oder eine andere geeignete Bewässerungsmöglichkeit und sorgt dafür, dass aus dem kleinen Baum irgendwann ein großer wird?

    Das wäre für mich Nachhaltigkeit.

    Nicht nur pflanzen.

    **Pflanzen, pflegen und wiederkommen.**

    ## 2026 zeigt uns das Problem direkt vor der Haustür

    Wir müssen dafür nicht einmal nach Südeuropa schauen.

    Nach Angaben des Umweltbundesamtes und des Deutschen Wetterdienstes war bereits das Frühjahr 2026 in Deutschland außergewöhnlich sonnig und deutlich zu trocken. Bundesweit fielen lediglich 126 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Das waren rund 68 Prozent des langjährigen Mittels der Referenzperiode 1961 bis 1990. Auch der Juni blieb trockener als das langjährige Mittel; am Mittel- und Oberrhein kamen regional lediglich 15 bis 30 Liter pro Quadratmeter zusammen.

    Und ein paar Regentage machen diese Entwicklung nicht plötzlich ungeschehen.

    Natürlich freue ich mich über jeden Tropfen, der jetzt fällt.

    Ich freue mich darüber wie wahrscheinlich selten zuvor.

    Aber nach langer Trockenheit ist Regen zunächst einmal genau das: dringend benötigtes Wasser.

    Kein Resetknopf.

    ## Auch beim Rhein lohnt sich genaueres Hinsehen

    Dass beim aktuellen Rhein-Niedrigwasser über Ursachen gestritten wird, ist vollkommen legitim.

    Aber auch die zuständigen Fachbehörden beschäftigen sich längst mit den langfristigen Folgen des Klimawandels für unsere Wasserstraßen.

    Eine Klimawirkungsanalyse von Bundesanstalt für Gewässerkunde und Bundesanstalt für Wasserbau untersucht beispielsweise ausdrücklich veränderte Abflussbedingungen am Mittelrhein und mögliche Auswirkungen des Klimawandels auf die Schifffahrt. Für die ferne Zukunft ergeben die untersuchten Szenarien ohne entsprechende Anpassungsmaßnahmen negative Auswirkungen auf die möglichen Gütertransportmengen.

    Man darf also über die Zuordnung eines einzelnen Niedrigwassers streiten.

    Was man meiner Meinung nach nicht sollte, ist daraus den Eindruck entstehen zu lassen, es gebe grundsätzlich kein Problem.

    Das wäre ungefähr so, als würde ein Arzt sagen:

    „Dieser eine Husten muss nicht von Ihrer Erkrankung kommen.“

    Das kann vollkommen richtig sein.

    Es bedeutet aber noch lange nicht:

    „Sie haben deshalb keine Erkrankung.“

    ## Vielleicht sollten wir auch unsere Mediengewohnheiten überdenken

    Und dann ist da noch die andere Seite dieser Geschichte.

    Immer mehr Informationen liegen hinter Bezahlschranken.

    Natürlich kostet Journalismus Geld. Recherche kostet Geld. Redaktionen kosten Geld. Auch Journalisten müssen von ihrer Arbeit leben.

    Dagegen habe ich überhaupt nichts.

    Aber ich frage mich zunehmend:

    **Muss deshalb unser gesamter Zugang zu Wissen von einigen wenigen großen Plattformen und Medienhäusern abhängen?**

    Ich glaube nicht.

    Wir haben heute Möglichkeiten, die es vor einigen Jahrzehnten noch nicht gab.

    Unabhängige Blogs.

    Open-Access-Forschung.

    Podcasts.

    Mastodon.

    Fediverse.

    Kleine journalistische Projekte.

    Förster, Wissenschaftler, Techniker und andere Fachleute, die ihr Wissen direkt veröffentlichen.

    Deshalb möchte ich auf meinem Blog langfristig einen eigenen Bereich aufbauen, in dem ich solche Quellen sammle.

    Keine Seite nach dem Prinzip:

    „Diese Zeitung ist böse und jene ist gut.“

    Das wäre mir viel zu einfach.

    Sondern eher:

    **Hier gibt es weitere Quellen. Lies selbst. Vergleiche. Prüfe. Entscheide selbst.**

    Und wenn ein kleiner unabhängiger Autor, Wissenschaftskommunikator oder Blog gute Arbeit macht, gebe ich lieber gelegentlich ein paar Euro direkt dort hin, als mich von Werbung, Tracking und immer neuen Konsumaufforderungen durch das Netz verfolgen zu lassen.

    Das ist für mich auch ein Stück digitale Selbstbestimmung.

    ## 80 Prozent machen sich Sorgen

    Vielleicht sind wir mit diesen Gedanken auch gar nicht so alleine.

    Nach dem im August 2026 veröffentlichten Sozialen Nachhaltigkeitsbarometer machen sich rund 80 Prozent der Menschen in Deutschland Sorgen wegen des Klimawandels. Allerdings muss man auch hier genau bleiben: 54 Prozent sprechen sich für höhere staatliche Klimaschutzausgaben aus und 56 Prozent wünschen weitere Maßnahmen in Energie-, Verkehrs- und Wärmewende.

    Das finde ich wichtig.

    Denn Klimaschutz darf meiner Meinung nach nicht dadurch kaputtgemacht werden, dass man jede Kritik sofort als Klimaleugnung bezeichnet.

    Und umgekehrt darf nicht jede berechtigte Kritik an einzelnen Maßnahmen benutzt werden, um das gesamte Problem kleinzureden.

    Wir brauchen mehr Menschen, die selbst denken.

    Nicht weniger.

    ## Meine Idee: einen Baum pflanzen – und Verantwortung dafür übernehmen

    Aus all diesen Gedanken wächst bei mir gerade eine Idee.

    Ich würde mich gerne mit Menschen aus Baumschulen, Forstwirtschaft, Landwirtschaft und anderen Bereichen zusammensetzen und herausfinden, was wir tatsächlich tun können.

    Nicht irgendwann in Berlin.

    Nicht irgendwann in Brüssel.

    Sondern hier.

    Vor unserer eigenen Haustür.

    Vielleicht finden wir Flächen, auf denen eine Aufforstung oder Ergänzung ökologisch sinnvoll ist.

    Vielleicht können Fachleute bestimmen, welche Baumarten an welchem Standort überhaupt eine Chance haben.

    Vielleicht können Menschen einen Baum pflanzen oder eine kleine Patenschaft übernehmen.

    Und dann kommt mein wichtigster Punkt:

    **Wir fahren wieder hin.**

    Nächstes Jahr.

    Und übernächstes Jahr.

    Wenn eine Trockenperiode kommt, schauen wir nach unseren Bäumen.

    Wenn Hilfe notwendig ist, kümmern wir uns.

    Nicht blind irgendwo Wasser hinschütten, sondern gemeinsam mit den Menschen, die etwas vom Wald verstehen.

    Förster.

    Baumschulen.

    Naturschutz.

    Landwirte.

    Menschen aus der Region.

    Dann wird aus einem schönen Foto vielleicht tatsächlich ein kleiner Wald.

    ## Vielleicht steht dort irgendwann auch mein Baum

    Ich weiß nicht, wie viele Jahre mir auf dieser Erde noch bleiben.

    Das weiß kein Mensch.

    Aber ich weiß, dass ich dieses Grün liebe.

    Ich liebe Wälder.

    Ich liebe Pflanzen.

    Und mir hat es wirklich im Herzen wehgetan zu sehen, was in den vergangenen Wochen und Monaten zerstört worden ist.

    Deshalb möchte ich nicht, dass diese Geschichte bei meiner Wut darüber endet.

    Vielleicht kann daraus etwas anderes entstehen.

    Vielleicht steht irgendwann irgendwo ein Baum, den ich mitgepflanzt habe.

    Daneben einer von euch.

    Und noch einer.

    Und irgendwann sind es keine einzelnen Bäumchen mehr.

    Dann ist es wieder ein Stück Wald.

    Vielleicht ist genau das die Antwort, die mir im Augenblick besser gefällt als der hundertste Streit darüber, wer in irgendeiner Fernsehrunde recht gehabt hat.

    **Nicht nur darüber reden, was andere falsch gemacht haben.**

    Selber denken.

    Selber nachlesen.

    Selber hingehen.

    Und wenn es notwendig ist:

    **auch selbst einmal die Gießkanne in die Hand nehmen. 🌳❤️**

    Wer aus Forstwirtschaft, Baumschulen, Landwirtschaft oder Naturschutz kommt und an einer solchen Idee fachlich mitarbeiten möchte, darf sich gerne bei mir melden.

    Denn Bäume brauchen keine Ideologie.

    Sie brauchen geeigneten Boden, Wasser, Zeit – und Menschen, die sich auch morgen noch um sie kümmern.

    Wenn Feuerwehr, THW, Bauern und Bundeswehr den Laden retten, sollte die CDU nicht so tun, als sei ein Reel schon Katastrophenschutz

    Europa brennt – und wer entscheidet eigentlich über angebotene Hilfe?

    24 Stunden zum Zerstören. 50 Jahre zum Aufbauen. Genau das ist der Punkt. 🌳☠️

    Infos von den Kumen

    Aktuelle Entwicklungen zum Brand im Hohen Venn

    Gemeinde-Monschau

  • Europa brennt – und wer entscheidet eigentlich über angebotene Hilfe?

    Europa brennt – und wer entscheidet eigentlich über angebotene Hilfe?

    24.000 Liter pro gemeinsamen Abwurf, stillgelegte Löschhubschrauber, erschöpfte Einsatzkräfte – ich will Antworten

    Europa brennt.

    Nicht irgendwo weit weg, sondern direkt vor unserer Haustür.

    Und während Politiker anschließend vor Kameras den Einsatzkräften danken, möchte ich eine andere Frage stellen:

    Was wurde eigentlich getan, bevor es gebrannt hat?

    Denn Katastrophenschutz beginnt nicht mit dem ersten Löschhubschrauber. Er beginnt vorher: bei der Vorbereitung, bei vorhandener Technik, bei Löschwasser, bei Waldwegen, bei Einsatzplänen, bei internationaler Zusammenarbeit und bei der Frage, ob politische Entscheidungen möglicherweise dazu führen, dass vorhandene Löschtechnik nicht genutzt werden kann.

    Hürtgenwald: 1.800 Menschen mussten ihre Häuser verlassen

    Beim Großbrand im Hürtgenwald im Kreis Düren standen rund 300 Hektar in Flammen.

    Der Ort Gey musste evakuiert werden. Rund 1.800 Menschen mussten zeitweise ihre Häuser verlassen. In der Spitze waren etwa 1.800 Einsatzkräfte beteiligt.

    Feuerwehr, THW, Bundeswehr, Polizei, Forst und Landwirte gingen gemeinsam gegen die Flammen vor. Landwirte halfen mit Fahrzeugen, Behältern und Löschwasser. Hubschrauber löschten aus der Luft. Die Bundeswehr unterstützte mit schwerem Gerät und schlug Schneisen. Die besonderen Gefahren durch mögliche Weltkriegsmunition erschwerten die Arbeiten zusätzlich.

    Am Abend des 17. August wurden zwar keine offenen Flammen mehr gemeldet, aber weiterhin Glutnester. Das Gebiet musste deshalb weiter überwacht werden.

    Der akute Großbrand war damit weitgehend eingedämmt.

    Beendet war die Arbeit aber noch lange nicht.

    Nur wenige Kilometer weiter: das Hohe Venn

    Gleichzeitig brannte nur wenige Kilometer weiter das belgische Hohe Venn.

    Dort waren bereits rund 2.700 Hektar betroffen. Die Brandlinie lag zeitweise nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Deutsche Kräfte arbeiteten auch nachts weiter.

    Belgien erhielt zusätzliche Unterstützung. Hubschrauber und Löschflugzeuge wurden mobilisiert. Auch Deutschland, Luxemburg, belgische Streitkräfte und Landwirte beteiligten sich an den Arbeiten.

    Das muss man ebenfalls sagen:

    Es wurde Hilfe mobilisiert.

    Meine Kritik lautet deshalb nicht: „Niemand tut etwas.“

    Meine Kritik lautet:

    Warum müssen wir erst in eine solche Lage geraten, bevor alle verfügbaren Mittel zusammengesucht werden?

    Wenn Feuerwehrleute zusammenbrechen, wird aus Politik plötzlich Realität

    Beim Einsatz im Hohen Venn kam eine Feuerwehrkraft aus Monschau mit Verdacht auf einen Herzinfarkt ins Krankenhaus.

    60 Monschauer Feuerwehrleute mussten zeitweise mit Schläuchen löschen, weil größere Fahrzeuge nicht überall vorrücken konnten. Die Arbeit war derart kräftezehrend, dass Einsatzkräfte regelmäßig ausgetauscht werden mussten.

    Auch bei anderen Bränden in der Region wurden Einsatzkräfte verletzt; ein weiterer Feuerwehrmann erlitt einen Herzinfarkt und musste ins Krankenhaus.

    Das sind keine Zahlen auf irgendeiner PowerPoint.

    Das sind Menschen.

    Menschen, die ihre Gesundheit riskieren, während andere darüber entscheiden, welche Technik vorhanden ist, welche Technik beschafft wird und welche Technik überhaupt eingesetzt werden darf.

    Fast eine halbe Million Hektar EU-weit – schon Anfang August

    Hürtgenwald und Belgien sind keine Einzelfälle.

    Bereits Anfang August waren innerhalb der EU rund 489.826 Hektar durch Wald- und Vegetationsbrände betroffen.

    Spanien kam zu diesem Zeitpunkt auf rund 185.948 Hektar, Frankreich auf 99.092 Hektar, Italien auf 79.084 Hektar, Portugal auf 47.776 Hektar und Griechenland auf 23.839 Hektar.

    Deutschland lag bereits bei rund 6.045 Hektar.

    Allein in Frankreich und Spanien mussten bis Ende Juli mehr als 320.000 Menschen wegen der Feuer ihre Wohnungen, Häuser oder Urlaubsorte verlassen.

    Und jetzt stelle ich als Bürger und Blogger eine ziemlich einfache Frage:

    Haben die politisch Verantwortlichen wirklich jede realistische Möglichkeit ausgeschöpft?

    Nicht irgendwann.

    Nicht nach der nächsten Pressekonferenz.

    Sondern während es brennt – und vor allem bereits davor.

    Eine Million Liter vom Boden – weil Landwirte einfach machen

    Besonders bemerkenswert finde ich den Einsatz der Landwirte.

    Markus Wipperfürth und Bernd Glück berichteten öffentlich davon, mit ihrem Gespann während des Löscheinsatzes mehr als eine Million Liter Wasser ausgebracht beziehungsweise herangeschafft zu haben.

    Ob es am Ende exakt eine Million Liter oder etwas mehr oder weniger waren, ändert an der Größenordnung nichts.

    Die Landwirtschaft verfügt über Technik, Erfahrung und enorme Transportkapazitäten.

    Und plötzlich funktioniert Zusammenarbeit.

    Wenn es brennt.

    Dann fahren die Landwirte.

    Dann werden Behälter organisiert.

    Dann werden Wasserquellen erschlossen.

    Dann werden Maschinen zusammengerufen.

    Meine Frage lautet deshalb:

    Warum organisiert man solche Netzwerke nicht vorher?

    Warum gibt es bei wochenlanger oder monatelanger Trockenheit nicht längst einen vorbereiteten regionalen Einsatzplan?

    Warum weiß man nicht vorher:

    Wer verfügt über welche Wassertechnik?

    Wo kann Wasser aufgenommen werden?

    Welche Waldwege sind befahrbar?

    Welche Gebiete sind munitionsbelastet?

    Welche Förster kennen die besonders gefährdeten Bereiche?

    Welche Flächen müssen besonders geschützt werden?

    Wo könnten Löschwasservorräte eingerichtet werden?

    Welche Landwirte könnten innerhalb weniger Stunden unterstützen?

    Welche Hubschrauber und Löschflugzeuge stehen im Ernstfall tatsächlich zur Verfügung?

    Genau das wäre für mich Vorsorge.

    Die russischen Ka-32: Hier sind die Folgen der Sanktionen real

    Bei den Kamov Ka-32 ist die Lage wesentlich klarer dokumentiert als bei vielen Behauptungen, die derzeit im Netz kursieren.

    Spanien setzte über Jahre russische Kamov Ka-32 zur Waldbrandbekämpfung ein. Diese Maschinen können mit entsprechenden Löschbehältern ungefähr 5.000 Liter Wasser transportieren.

    Mehrere Maschinen privater spanischer Betreiber kamen seit 2023 nicht mehr zum Einsatz.

    Der Grund hängt tatsächlich mit den Russland-Sanktionen zusammen: Ersatzteile konnten nicht mehr beschafft werden, russische Techniker konnten notwendige Wartungsarbeiten nicht durchführen und dadurch fehlte schließlich die erforderliche Flugfreigabe.

    Darüber muss gesprochen werden.

    Man kann Sanktionen gegen Russland politisch unterstützen und trotzdem fragen:

    Warum gab es keine praktikable Lösung für rein zivile Katastrophenschutztechnik?

    Ein Löschhubschrauber ist kein Kampfpanzer.

    Seine Aufgabe besteht darin, Wasser auf einen Brand zu werfen.

    Wenn mehrere Maschinen über Jahre ausfallen, dann muss spätestens nach dem ersten Sommer gefragt werden:

    Was ist der Ersatz?

    Wo sind die zusätzlichen Maschinen?

    Wer übernimmt diese Kapazität?

    Wie wird sie kompensiert?

    Auch wenn acht zusätzliche Hubschrauber nicht sämtliche Brände Europas gelöscht hätten, können zwei Dinge gleichzeitig wahr sein:

    Die Maschinen hätten zusätzliche Kapazität geschaffen.

    Und sie wären keine Wunderwaffe gewesen.

    Zwei Be-200: 24.000 Liter bei einem gemeinsamen Abwurf

    Dann gibt es noch eine andere Größenordnung.

    Die russische Beriev Be-200 ist ein amphibisches Löschflugzeug.

    Eine Maschine kann bis zu ungefähr zwölf Tonnen beziehungsweise 12.000 Liter Wasser aufnehmen.

    Zwei Maschinen bedeuten also:

    24.000 Liter bei einem gemeinsamen Abwurf

    Nicht 24 Millionen Liter.

    Das möchte ich ausdrücklich korrekt festhalten.

    Aber 24.000 Liter aus der Luft sind trotzdem eine erhebliche Menge.

    Und damit ist ein Einsatz nicht beendet.

    Eine Be-200 kann Wasser wiederholt aufnehmen und erneut abwerfen. Unter geeigneten Einsatzbedingungen kann eine Maschine während eines längeren Einsatzzyklus deutlich größere Gesamtmengen Wasser auf Brandgebiete bringen.

    Russland hat Be-200 außerdem bereits international eingesetzt. Zwei Maschinen wurden 2026 zur Waldbrandbekämpfung in die Türkei entsandt.

    Damit wissen wir zumindest:

    Die Flugzeuge existieren.

    Sie sind grundsätzlich als Löschflugzeuge einsetzbar.

    Sie können ungefähr zwölf Tonnen Wasser aufnehmen.

    Und Russland setzt solche Maschinen auch außerhalb des eigenen Landes ein.

    Jetzt kommt die entscheidende Grenze zwischen Beweis und Behauptung

    Mir wurden mehrere Videos zugespielt, in denen behauptet wird, Russland beziehungsweise Wladimir Putin habe Europa zwei Be-200 sowie zusätzlich zwei Löschhubschrauber angeboten.

    In einem der Videos wird ausdrücklich behauptet, die Be-200 seien zur Unterstützung Europas beziehungsweise Kroatiens angeboten worden.

    Genau diesen Vorgang möchte ich vollständig aufgeklärt sehen.

    Denn wenn ein solches offizielles Angebot existierte, gehören Datum, Empfänger, Inhalt und Antwort öffentlich auf den Tisch.

    Bislang liegt mir jedoch kein unabhängiger amtlicher Beleg vor, mit dem ich als gesicherte Tatsache behaupten könnte, dieses konkrete Paket sei Deutschland, Belgien oder der Europäischen Union offiziell angeboten und anschließend von Ursula von der Leyen, Friedrich Merz oder einer anderen genannten Person persönlich abgelehnt worden.

    Deshalb mache ich daraus keine bewiesene Tatsache.

    Aber ich stelle die Fragen:

    Hat es ein solches Angebot gegeben?

    An wen genau ging es?

    Wann wurde es übermittelt?

    Welche Maschinen wurden angeboten?

    Wer hat darüber entschieden?

    Wurde es angenommen oder abgelehnt?

    Und falls es abgelehnt wurde: mit welcher Begründung?

    Das sind Fragen, die beantwortet gehören.

    Also legt die Unterlagen offen

    Ich möchte von den verantwortlichen Stellen wissen:

    – Gab es 2026 ein russisches Hilfsangebot mit Be-200 oder Ka-32 für die europäischen Waldbrände?
    – Falls ja: Wann ging dieses Angebot ein und an wen?
    – Welche Maschinen und welche Einsatzkapazitäten wurden konkret angeboten?
    – Wer hat das Angebot geprüft?
    – Wurde es angenommen oder abgelehnt?
    – Falls es abgelehnt wurde: aus welchen rechtlichen, sicherheitstechnischen oder politischen Gründen?
    – Wurden Sonderregelungen für rein zivile Katastrophenschutztechnik geprüft?
    – Welche Alternativen wurden stattdessen bereitgestellt?
    – Wer übernahm für diese Entscheidung politische Verantwortung?

    Das sind keine prorussischen Fragen.

    Das sind keine antieuropäischen Fragen.

    Das sind Fragen des Katastrophenschutzes.

    Rotterdam, Antwerpen und die Be-200 – mein Gedankenexperiment

    Dann komme ich zu einem Punkt, über den ich selbst nachgedacht habe.

    Wir reden hier nicht über Flugzeuge, die irgendwo am anderen Ende der Welt eingesetzt werden müssten.

    Die Be-200 erreicht Reisegeschwindigkeiten von mehreren hundert Kilometern pro Stunde.

    Wenn solche Maschinen rechtlich zugelassen, tatsächlich verfügbar und operativ einsetzbar gewesen wären, liegen große Wasserflächen im niederländisch-belgischen Raum regional betrachtet nicht am anderen Ende Europas.

    Die reine Flugzeit würde sich bei solchen Geschwindigkeiten eher in Zehnern von Minuten als in mehreren Stunden bewegen.

    Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass ein realer Löscheinsatz automatisch innerhalb von zwanzig Minuten organisiert wäre.

    Es braucht Flugfreigaben, geeignete Wasseraufnahmeflächen, Wetterbedingungen, Luftraumkoordination, Treibstoff, Besatzungen und eine abgestimmte Einsatzleitung.

    Aber genau dafür existieren Regierungen und Katastrophenschutzbehörden.

    Meine Frage lautet deshalb:

    Wurde eine solche Möglichkeit überhaupt geprüft?

    Und wenn nicht:

    Warum nicht?

    Zwei Be-200 hätten bei einem gemeinsamen Abwurf rund 24.000 Liter Wasser transportieren können.

    Dazu kommen vorhandene europäische Löschmaschinen, Hubschrauber, Bundeswehrgerät, Feuerwehr und die erheblichen Wasserkapazitäten der Landwirtschaft.

    Das wäre keine Wunderwaffe gewesen.

    Aber bei einem Großbrand kann jede zusätzliche geeignete Kapazität eine Rolle spielen.

    Europa war nicht ohne Löschflugzeuge

    Auch das gehört zur Wahrheit.

    Die Europäische Union hatte für die Waldbrandsaison 2026 eine Reserve von 22 Löschflugzeugen und fünf Hubschraubern organisiert.

    Belgien erhielt tatsächlich zusätzliche Luftunterstützung aus anderen europäischen Staaten.

    Es wäre deshalb falsch zu behaupten:

    „Die EU hat gar nichts getan.“

    Das stimmt nicht.

    Aber gleichzeitig befindet sich die dauerhafte europäische rescEU-Flotte weiterhin im Aufbau.

    Und genau dort darf politische Kritik ansetzen.

    Europa diskutiert seit Jahren über zunehmende Hitze, Trockenheit und Waldbrandrisiken.

    Warum dauert es dann so lange, dauerhafte eigene Kapazitäten aufzubauen?

    Green Deal auf dem Papier – und gleichzeitig Streit über Löschkapazitäten?

    Das ist für mich einer der größten politischen Widersprüche.

    Europa verlangt von Bürgern und Unternehmen enorme Veränderungen im Namen des Klima- und Umweltschutzes.

    Es werden Vorgaben beschlossen.

    Es werden Milliarden bewegt.

    Es gibt den Green Deal.

    Es gibt CO₂-Ziele.

    Es gibt immer neue Regelwerke.

    Dann darf ein Bürger aber auch erwarten, dass beim Schutz unserer Wälder dieselbe Entschlossenheit herrscht.

    Ein abgebrannter Wald lässt sich nicht mit einer Verordnung zurückholen.

    Ein zerstörtes Moor regeneriert sich nicht nach der nächsten Pressekonferenz.

    Tiere, die bei solchen Bränden sterben, kommen nicht zurück.

    Und Menschen, die ihre Häuser verlassen müssen, interessiert in diesem Augenblick wenig, welches Ressort laut Organigramm zuständig war.

    Sie wollen wissen:

    Ist alles Menschenmögliche getan worden?

    Falls konkrete Hilfe bewusst abgelehnt wurde, muss das politisch aufgearbeitet werden

    Hier werde ich deutlich.

    Sollte sich belegen lassen, dass während einer akuten Großbrandlage zusätzliche einsatzfähige Löschflugzeuge oder Hubschrauber konkret angeboten wurden und Verantwortliche diese Hilfe ohne tragfähige sicherheitstechnische, rechtliche oder operative Begründung zurückgewiesen haben, dann reicht mir keine Presseerklärung.

    Dann gehört der Vorgang untersucht.

    Dann müssen Verantwortlichkeiten benannt werden.

    Und dann muss auch über politische Konsequenzen bis hin zu Rücktritten gesprochen werden.

    Denn gleichzeitig mussten Menschen ihre Häuser verlassen.

    Feuerwehrleute arbeiteten bis an ihre Belastungsgrenze.

    Eine Feuerwehrkraft aus Monschau kam mit Verdacht auf Herzinfarkt ins Krankenhaus.

    Da darf die Öffentlichkeit wissen:

    Welche Hilfe war verfügbar – und wer hat welche Entscheidung getroffen?

    Politische Verantwortung ist nicht dasselbe wie ein strafrechtlicher Vorwurf

    Ich werde ohne Beweise niemandem „Mord“ oder eine andere konkrete Straftat vorwerfen.

    Solche Vorwürfe haben klare strafrechtliche Voraussetzungen und gehören gegebenenfalls vor Ermittlungsbehörden und Gerichte.

    Aber politische Verantwortung ist etwas anderes.

    Ein Minister kann politisch versagen, ohne ein Verbrechen begangen zu haben.

    Eine Regierung kann falsch planen.

    Eine Kommission kann falsche Prioritäten setzen.

    Behörden können zu langsam reagieren.

    Vorsorge kann mangelhaft sein.

    Und für solche Fehler kann man politische Konsequenzen verlangen.

    Vorsorge statt Fotos

    Damit komme ich wieder zu meinem eigentlichen Punkt.

    Wir können über Russland diskutieren.

    Über Sanktionen.

    Über EU-Recht.

    Über Flugzeugzulassungen.

    Über Zuständigkeiten.

    Aber unser grundlegendes Problem bleibt:

    Wir reagieren zu häufig erst, wenn es brennt.

    Während des Einsatzes wurden Landwirte, Fahrzeuge, Wasserbehälter und weitere Hilfen koordiniert.

    Sehr gut.

    Aber warum wird daraus nicht dauerhaft ein vorbereitetes System für Waldbrandrisikoregionen?

    Mit registrierten Fahrzeugen.

    Mit Wasserquellen.

    Mit Ansprechpartnern.

    Mit Notfallkarten.

    Mit Forstleuten.

    Mit Landwirtschaft.

    Mit Feuerwehr.

    Mit THW.

    Mit Bundeswehr beziehungsweise zuständigen Stellen für besonders gefährliche Gebiete.

    Mit verfügbaren Hubschraubern.

    Mit Löschflugzeugen.

    Mit grenzüberschreitenden Vereinbarungen.

    Genau das wäre Vorsorge statt Krisenverwaltung.

    Wir brauchen Transparenz über jede angebotene Hilfe

    Deshalb fordere ich keine erfundenen Schuldigen.

    Ich fordere etwas viel Einfacheres:

    Transparenz

    Wenn Russland Hilfe angeboten hat:

    Veröffentlicht das Angebot.

    Wenn Deutschland Nein gesagt hat:

    Veröffentlicht die Begründung.

    Wenn Belgien Nein gesagt hat:

    Veröffentlicht die Begründung.

    Wenn die EU-Kommission beteiligt war:

    Veröffentlicht die Entscheidung.

    Wenn kein solches Angebot existierte:

    Dann soll auch das eindeutig gesagt und belegt werden.

    Genau so funktioniert demokratische Kontrolle.

    Mein Fazit

    Ich möchte keine erfundenen Schuldigen.

    Ich möchte Verantwortliche.

    Das ist ein Unterschied.

    Nach dem derzeitigen Stand lässt sich sagen:

    Spanische Ka-32 stehen infolge der Sanktionen und der daraus entstandenen Wartungs- und Zulassungsprobleme am Boden.

    Russische Be-200 können jeweils rund zwölf Tonnen Wasser aufnehmen.

    Zwei Be-200 bedeuten rund 24.000 Liter bei einem gemeinsamen Abwurf.

    Zwei russische Be-200 wurden 2026 tatsächlich international zur Waldbrandhilfe eingesetzt.

    Beim Brand im Hürtgenwald mussten rund 1.800 Menschen evakuiert werden und sehr große Einsatzkräfteverbände waren vor Ort.

    Im Hohen Venn kämpften Einsatzkräfte unter extremen Bedingungen gegen einen außergewöhnlich großen Brand.

    Eine Monschauer Feuerwehrkraft kam mit Verdacht auf Herzinfarkt ins Krankenhaus.

    Und Landwirte haben gezeigt, welche gewaltigen Wassermengen mit vorhandener ziviler Technik mobilisiert werden können.

    Das alles reicht für eine sehr ernste politische Frage:

    Haben unsere Verantwortlichen wirklich jede realistische Möglichkeit genutzt, um Menschen, Einsatzkräfte, Tiere und Natur zu schützen?

    Wenn die Antwort darauf irgendwann nachweisbar Nein lautet, dann gehört nicht beschwichtigt.

    Dann gehört aufgeklärt.

    Dann gehören Verantwortlichkeiten benannt.

    Und wenn Verantwortliche schwere, vermeidbare Fehler gemacht haben, dann gehört selbstverständlich auch über politische Konsequenzen bis hin zum Rücktritt gesprochen.

    Denn Katastrophenschutz darf nicht von Ideologie abhängen.

    Und er darf schon gar nicht erst beginnen, wenn der Wald längst brennt.

    Videos: Europa brennt

    Videos: Europa brennt

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    24 Stunden zum Zerstören. 50 Jahre zum Aufbauen. Genau das ist der Punkt. 🌳☠️

  • Erst verschwindet der Frosch, dann die Wahrheit

    Neulich fiel es jemandem auf Instagram auf: Bei Fuze Tea ist das Rainforest Alliance Siegel, der kleine grüne Frosch, von der Vorderseite verschwunden. Auf der Rückseite, im Kleingedruckten, taucht es dann doch noch auf. Man fragt sich: Wurde es wegen Verkaufseinbrüchen von vorne genommen, aber hinten versteckt, um formal nichts zu verlieren?

    Und ehrlich: Welcher Mensch liest das noch alles? Soll ich künftig im Supermarkt jedes Produkt umdrehen und mich durch immer kleinere Schrift kämpfen? Das passt hinten und vorne nicht. Das muss aufhören.

    Passend dazu bin ich über einen weiteren Instagram-Beitrag gestolpert, der genau diesen Punkt bestätigt: Die Rainforest Alliance betreibt inzwischen eine eigene Datenbank namens „Find the Frog“, in der man gezielt nach zertifizierten Marken und Produkten suchen kann. Dort findet man teilweise Marken, bei denen man im Supermarkt gar nicht auf die Idee gekommen wäre, nach dem Frosch zu suchen.

    Für mich wirft das eine Frage auf: Warum braucht es inzwischen eine eigene Suchmaschine, um herauszufinden, welche Marken überhaupt dazugehören? Wenn Kennzeichnungen auf Verpackungen kleiner, unauffälliger oder schwerer erkennbar werden, heißt das im Grunde: Der Verbraucher soll selbst recherchieren, statt auf einen Blick informiert zu sein. Genau dieses Muster, Verantwortung und Aufwand auf den Einzelnen abzuwälzen, zieht sich, wie ich finde, durch das große Bild.

    Und dieses größere Bild sieht so aus:

    Die Fakten, die belegbar sind:

    Erstens, das Saatgut. Das EU-Sortenrecht macht die Zulassung alter Sorten so teuer und kompliziert, dass sie sich wirtschaftlich kaum lohnt. Das begünstigt die Einheitssorte und benachteiligt die Vielfalt. Genau das beschreibt auch die Tomatenhexe auf ihrer Seite: Früher zog man aus den eigenen Tomaten die Samen und daraus neue Pflanzen. Diese Selbstverständlichkeit wird immer schwerer.

    Zweitens, die neue Gentechnik. Das EU-Parlament hat im Juni 2026 die Deregulierung neuer gentechnischer Verfahren, kurz NGT, endgültig beschlossen. Der Kern: Bestimmte gentechnisch veränderte Pflanzen gelten künftig als konventionell gleichwertig, ohne Risikoprüfung. Und die Kennzeichnung ist beim Saatgut noch vorgesehen, beim Endprodukt im Supermarkt aber nicht mehr. Das heißt konkret: Wer künftig zu einem Lebensmittel greift, kann oft gar nicht mehr erkennen, ob Gentechnik im Spiel war.

    Drittens, das Laborfleisch. In den Niederlanden gibt es mit Mosa Meat ein Unternehmen, das Fleisch aus Zellkulturen herstellt und in der EU einen Zulassungsantrag gestellt hat. Die EU-Kommission hat Fördergelder für solche Projekte vergeben. Und Investoren wie Bill Gates haben in mehrere Firmen dieser Branche investiert. Das alles ist keine Erfindung, sondern belegt und nachlesbar.

    Und was mich dabei besonders beunruhigt: Selbst offizielle Stellen räumen ein, dass die Gesundheitsfrage bei Laborfleisch bisher gar nicht geklärt ist. Da Laborfleisch weltweit praktisch noch nicht in nennenswerten Mengen verzehrt wurde, gibt es schlicht keine belastbaren Langzeitdaten dazu, was dieses Produkt im menschlichen Körper überhaupt anrichtet. Das müsste eigentlich vor jeder Zulassung unabhängig von den Herstellern selbst geprüft werden, nicht danach. Mehrere EU-Agrarminister, darunter Österreich, Italien und Frankreich, mit Rückhalt von zehn weiteren Mitgliedstaaten, haben genau deshalb eine umfassende Folgenabschätzung und eine breite öffentliche Debatte gefordert, bevor kultiviertes Fleisch überhaupt auf den EU-Markt kommt. Italien hat die Herstellung inzwischen ganz verboten. Für mich heißt das: Wenn selbst Regierungen und Fachleute sagen, die Risiken seien noch gar nicht einzuschätzen, dann will ich so ein Produkt erst recht nicht unwissentlich auf dem Teller haben, weil die Kennzeichnung dafür ja gerade wegfällt.

    Und jetzt mein lautes Denken, meine Sicht der Dinge:

    Wenn irgendwo Geld reingesteckt, geforscht und dereguliert wird, dann steckt ein Ziel dahinter. Niemand betreibt solchen Aufwand ohne Absicht. Für mich fügt sich das zu einem Muster: Erst wird die Selbstversorgung erschwert, altes Saatgut praktisch verunmöglicht. Dann wird verändertes, im Labor gezüchtetes Saatgut auf die Felder gebracht. Und am Ende soll der Bürger genmanipulierte, veränderte Lebensmittel auf den Teller bekommen, ohne es noch nachlesen zu können. Dass man die Kennzeichnung am Endprodukt kippt, ist für mich der entscheidende Schritt: Man nimmt den Menschen die Möglichkeit, überhaupt noch zu wissen, was sie essen. Und das ist asozial.

    Für mich sieht das aus wie ein Ameisenstaat: Vorne sitzt die Königin, und das Volk hat zu folgen, hat dafür zu sorgen, dass die Brutstätte oben weiter existiert. Der Rest ist denen im Grunde egal. Genau so kommt mir das hier vor. Es läuft etwas ab, bei dem die Politik den Menschen nicht einmal mehr sagen muss, was sie beschließt, und danach erst recht nicht.

    Ich habe daran kein Interesse. Und deshalb schreibe ich darüber.


    Anhang: Die Fakten zum Nachlesen

    Zur Rainforest Alliance und der Frosch-Suche:
    Die Rainforest Alliance bietet eine Datenbank namens „Find the Frog“ an, über die man gezielt nach zertifizierten Marken und Produkten suchen kann.
    Quelle: rainforest-alliance.org/find-certified

    Zur neuen Gentechnik und Kennzeichnung:
    Das EU-Parlament hat am 17. Juni 2026 die neue Verordnung zu neuen genomischen Techniken, kurz NGT, endgültig abgesegnet, nachdem die EU-Länder bereits zugestimmt hatten. Sogenannte NGT-1-Pflanzen fallen künftig nicht mehr unter das strenge Gentechnikrecht und gelten als konventionell gleichwertig. Für Saatgut bleibt eine Kennzeichnungspflicht bestehen, für Folgeprodukte wie Lebensmittel und Futtermittel entfällt sie komplett.
    Quellen:
    pro.earth: Deregulierung von neuer Gentechnik in EU-Parlament beschlossen
    orf.at: Kennzeichnungspflicht fällt
    keine-gentechnik.de: EU-Parlament weicht Regeln für neue Gentechnik auf

    Zum Saatgut und der Sortenvielfalt:
    Das EU-Sortenzulassungsverfahren ist so aufwendig und teuer, dass sich die Zulassung alter Sorten wirtschaftlich kaum lohnt. Das begünstigt Einheitssorten und große Saatgut- und Chemiekonzerne, während alte Sorten, Land- und Hofsorten und damit die pflanzengenetische Vielfalt benachteiligt werden.
    Quelle: tomatenhexe.de

    Zum Laborfleisch:
    In den Niederlanden entwickelt das Unternehmen Mosa Meat zusammen mit der Tiernahrungsfirma Nutreco im Projekt „Feed for Meat“ kultiviertes Fleisch. Dieses Projekt erhielt rund zwei Millionen Euro Förderung aus dem EU-Programm REACT-EU, das Teil des Wiederaufbaufonds Next Generation EU ist. Die EU-Kommission hat an diesem Zuschuss trotz Kritik einzelner Abgeordneter festgehalten. Investoren wie Bill Gates und Richard Branson haben in mehrere Firmen dieser Branche investiert, etwa in Memphis Meats, heute UPSIDE Foods.
    Da Laborfleisch weltweit noch kaum verzehrt wurde, fehlen bislang unabhängige Langzeitdaten zu gesundheitlichen Auswirkungen. Österreich, Italien und Frankreich forderten deshalb, unterstützt von zehn weiteren EU-Staaten, eine umfassende Folgenabschätzung vor einer EU-Zulassung. Italien hat die Herstellung von Laborfleisch bereits verboten.
    Quellen:
    euractiv.de: EU-Kommission hält an 2 Millionen Euro Zuschuss für Laborfleisch fest
    europarl.europa.eu: REACT-EU funding for the production of synthetic meat
    verbraucherzentrale.de: Clean Meat – ist Laborfleisch die Zukunft?
    schweine.net: Laborfleisch – EU-Agrarminister sehen viele ungeklärte Fragen