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Carrabelloy ' Meine Hobbys sind so vielseitig

Kategorie: Meine Themen auf meinem Blog

Meine Hobbys sind so vielseitig wie meine Gedanken. Ich begeistere mich für Open-Source-Software und arbeite gerne mit Linux und anderen Tools in diesem Bereich. Dabei tauche ich tief in die Welt von Software und Hardware ein und tüftle gerne an verschiedenen Projekten.

Mein Interesse an der deutschen und europäischen Politik ist groß, auch wenn es mich manchmal aufregt. Trotzdem halte ich es für wichtig, mich mit politischen Themen auseinanderzusetzen und auf dem Laufenden zu bleiben.

  • Gesundheitssystem: Während Rüstung boomt, verrottet die Versorgung

    Das deutsche Gesundheitssystem wird mit voller Absicht gegen die Wand gefahren. Und während Milliarden in Rüstung fließen, verrottet die medizinische Infrastruktur.

    Die Privatisierungslogik

    Das Gesundheitssystem ist kein Versorgungssystem mehr – es ist ein Profitzentrum. Krankenhäuser werden zu Aktiengesellschaften. Pflegekräfte arbeiten bis zur Erschöpfung. Patienten werden verdrängt, weil Behandlung nicht mehr rechnet.

    Die Politik schaut zu. Union und SPD haben die Privatisierung vorangetrieben. Die Liberalen feiern jeden Sparmillionär.

    Rüstung statt Rettung

    Ukraine-Krieg: Milliarden für Waffen. Keine Frage nach Verhandlungen. Keine Frage nach dem Klima – denn Militär ist einer der größten CO2-Produzenten weltweit.

    Die linke Antwort

    Die Linksfraktion fordert: Gesundheit als öffentliches Gut. Entprivatisierung der Kliniken. Ordentliche Bezahlung für Pflegekräfte. Und: Keine Milliarden für Waffen, wenn wir keine Krankenschwestern haben.

    Das System ist krank. Nicht die Menschen.

    Basierend auf Video-Analyse (2026-09-04).

  • Der Wald brennt aus, die Akte brennt noch – Hürtgenwald im September 2026

    Der Hürtgenwald brennt. Während die Flammen noch nicht gelöscht sind, entzündet sich eine politische Debatte über Kompetenz, Verantwortung und die Frage: Wer hat hier das Sagen?

    Die Faktenlage

    Seit Tagen wütet ein Flächenbrand im Hürtgenwald. Etwa 300 Hektar Wald haben bereits Feuer gefressen. Die Löscharbeiten dauern an, die Ursache ist noch unklar.

    Die politische Dimension

    Ein X-Account überlagerte Brandfläche mit der umstrittenen „Windfläche A“. Die Gemeinde Hürtgenwald hatte diese 2014 endgültig abgelehnt – doch jetzt taucht sie wieder auf in der Diskussion.

    Fragen, die sich stellen:

    • Welche Rolle spielt die Windenergie in Brandschutzgebieten?
    • Wer kontrolliert die Flächenplanung vor Ort?
    • Wie geht die Politik mit verbranntem Land und verbranntem Vertrauen um?

    Unsere Wald-Serie

    Der Hürtgenwald-Brand ist Teil einer größeren Entwicklung. Wir dokumentieren seit Monaten:

    • Hürtgenwald 2026 – Der aktuelle Brand und seine politischen Folgen (dieser Artikel)
    • Waldbrände in der Eifel – Historische Vergleiche und Klimatrends
    • Windenergie vs. Naturschutz – Lokale Konflikte, globale Ziele
    • Wenn der Staat versagt – Infrastruktur und Prävention im ländlichen Raum

    Quellen und Hintergrund

    Brandlage: Aktuelle Meldungen Feuerwehr und Kreisverwaltung Düren, Stand 4. September 2026

    Windfläche A: Gemeinderatsbeschluss Hürtgenwald 2014 (offizielle Ablehnung), erneute öffentliche Debatte August/September 2026

    Kartendaten: Überlagerung durch unabhängigen X-Account @Wetterkarte (4. September 2026)

    Klimakontext: DWD-Klimadaten, Waldzustandsbericht NRW 2025

    Update folgt bei neuen Entwicklungen. Hinweise und Quellen: crow@netz.darknight-coffee.eu

    Diskussion: treff.darknight-coffee.eu | Blog: carrabelloy.darknight-coffee.org

  • Nachtrag: Der Wald brennt – und wir diskutieren immer noch über Rodung für Windräder

    Ich hatte an dieser Stelle schon gefragt: Warum ausgerechnet dieser Waldstandort? Wurden Repowering, Dachsolar, Parkflächen und bereits belastete Industrie- und Gewerbeflächen mit derselben Ernsthaftigkeit geprüft? Nach diesem Sommer stellt sich diese Frage für mich noch dringlicher.

    Das ist ein Nachtrag zu meinem Beitrag „Waldbrand, Beton und die grüne Fassade“. Dort ging es bereits um die falsche Alternative, Waldschutz und Energiewende gegeneinander auszuspielen. Meine Position bleibt: Ich bin für den Ausbau der Erneuerbaren. Aber das grüne Etikett entbindet kein Projekt davon, seinen Standort zu begründen.

    Ein Sommer, in dem der Wald wieder brannte

    Anfang August brannte es im Nationalpark Eifel zwischen Mechernich-Voißel und Heimbach-Düttling. Nach Angaben der Stadt Mechernich war rund ein Hektar Waldboden betroffen; Radio Euskirchen berichtete später von etwa 6.000 Quadratmetern bis zu einem Hektar. Die trockene Bodenauflage aus Nadeln, Laub und anderem Pflanzenmaterial erleichterte die Ausbreitung. Zur Ursache lagen laut Stadt zunächst keine gesicherten Erkenntnisse vor.

    Gleichzeitig wütete im Hohen Venn ein Großbrand. Nach einer Lageaktualisierung, die sich auf den Kreis Euskirchen berief, waren auch Torfschichten betroffen. Brandrauch zog über den Kreis Euskirchen; gemeldet wurden schlechte Sicht, deutliche Geruchsbelästigung und teilweise Ascheregen, unter anderem in Hellenthal.

    Diese Brände beweisen nicht, dass jede Windenergieanlage im Wald falsch ist. Sie verschärfen aber die Pflicht, jeden Eingriff in Waldflächen besonders gründlich zu begründen. Wer angesichts von Trockenheit, Brandrisiken und geschädigten Ökosystemen roden will, muss nachvollziehbar zeigen, warum weniger belastete Alternativen nicht ausreichen.

    Lautes Denken: Wenn unsere Wälder in einem einzigen Sommer mehrfach brennen, finde ich es umso unverständlicher, wenn Industrie- und Gewerbestandorte nur am Rand geprüft werden, während Waldstandorte als selbstverständlich erscheinen.

    Selbst die Windbranche fordert Industrie- und Gewerbeflächen

    Das ist keine reine Privatidee von mir. Der Bundesverband WindEnergie fordert seit Jahren, Windenergieanlagen in Industrie- und Gewerbegebieten planungsrechtlich leichter zuzulassen. Nach Darstellung des Verbands ist der Bau dort bereits möglich, aber häufig nur als Ausnahme. Der BWE schlug deshalb Änderungen in der Baunutzungsverordnung und im Baugesetzbuch vor.

    Auch in seinem Forderungskatalog zum Windgipfel nannte der Verband Windenergie in Industrie- und Gewerbegebieten energiepolitisch sinnvoll und verlangte einfachere Genehmigungen.

    Der Landesverband Erneuerbare Energien NRW argumentierte ebenfalls für eine stärkere Nutzung solcher Standorte. Dort können höhere zulässige Lärmwerte, größere Abstände zu Wohnbebauung und bereits vorhandene Infrastruktur Vorteile bieten. Das heißt nicht, dass Artenschutz, Flugsicherung, Turbulenzen, Abstände oder Netzausbau plötzlich verschwinden. Ein Industriegebiet ist kein rechtsfreier Raum und nicht jede Gewerbefläche trägt ein modernes Windrad. Aber es ist ein Potenzial, das systematisch geprüft werden muss.

    Hinzu kommt die Nähe zu großen Stromverbrauchern. Der BWE fordert, neue Verbraucher wie Rechenzentren und Gewerbegebiete stärker in Erneuerbare-Energien-Hubs einzubinden. Industrie- und Gewerbestandorte verfügen häufig bereits über Straßen, Leitungen und leistungsfähigere Netzanschlüsse. Das kann Erschließung vereinfachen – sofern Netzkapazität, Flächengröße und Genehmigungsrecht tatsächlich passen.

    Die ehrliche Formulierung lautet deshalb nicht: „Stellt alle Windräder auf versiegelte Flächen.“ Das wäre technisch unseriös. Die richtige Forderung lautet: Prüft vor jedem Eingriff in Waldflächen nachweisbar, welche Repowering-, Industrie-, Gewerbe- und sonstigen vorbelasteten Standorte zur Verfügung stehen – und veröffentlicht diese Abwägung.

    Was § 36a LPlG tatsächlich zeigte

    Nordrhein-Westfalen führte im Februar 2025 mit § 36a des Landesplanungsgesetzes eine allgemeine plansichernde Untersagung mit Befreiungsvorbehalt ein. Genehmigungsentscheidungen für bestimmte Windenergievorhaben außerhalb geplanter Windenergiegebiete wurden für zwölf Monate ab dem 15. Februar 2025 untersagt. Repowering und bestimmte ältere, vollständige Anträge waren ausgenommen; weitere Vorhaben konnten auf Antrag befreit werden.

    Wichtig für die heutige Einordnung: Dieser gesetzliche Zwölfmonatszeitraum endete am 15. Februar 2026. Wer im August 2026 so schreibt, als laufe das Moratorium unverändert weiter, beschreibt die aktuelle Rechtslage falsch.

    Politisch bleibt der Vorgang trotzdem aufschlussreich. In der damaligen Anwendung nannte ein Erlass des Landeswirtschaftsministeriums Fallgruppen, bei denen eine Befreiung eher möglich erschien. Dazu gehörte nach Darstellung des LEE NRW auch die räumliche Nähe zu großen Industrieanlagen. Die Industrie-Nähe stand also nicht als automatische Ausnahme direkt im Gesetz; sie war ein Gesichtspunkt für die behördliche Befreiungsprüfung.

    Das Land wusste damit sehr genau, dass Industrieumfelder raumverträglich interessant sein können. Aber aus einem möglichen Befreiungsgrund wurde noch keine konsequente Standortstrategie.

    NRW.Energy4Climate beschreibt den Übergang inzwischen anders: Fünf von sechs Planungsregionen hätten Windenergiegebiete ausgewiesen, die letzte solle folgen. Das zeigt, wie schnell sich die Rechtslage verändert. Gerade deshalb müssen politische Artikel zwischen einem damaligen Moratorium und dem heutigen Planungsstand unterscheiden.

    Industrieflächen sind Ergänzung, nicht Zauberformel

    Man muss auch das Gegenargument ernst nehmen. Moderne Windenergieanlagen brauchen große Abstände untereinander, geeignete Windverhältnisse, Kranstellflächen, Zuwegungen und Sicherheitsräume. Gewerbegebiete sind oft zu klein, zu dicht bebaut oder aerodynamisch ungünstig. Dachsolar, Parkflächen-PV und Windenergie liefern außerdem nicht dieselbe Strommenge zur selben Zeit. Sie sind keine beliebig austauschbaren Bausteine.

    Aber genau daraus folgt keine Freikarte für den Wald. Es folgt eine Pflicht zur nachvollziehbaren Alternativenprüfung:

    • Kann eine alte Anlage durch Repowering mehr Strom liefern?
    • Gibt es geeignete Industrie- oder Gewerbestandorte in Verbrauchsnähe?
    • Können Photovoltaik auf Dächern, Parkplätzen und versiegelten Flächen sowie Speicher den lokalen Flächendruck verringern?
    • Welche Waldfläche soll dauerhaft und welche nur vorübergehend beansprucht werden?
    • Welche Zuwegung, Kabeltrasse und Kranfläche kommt zusätzlich zum Fundament hinzu?
    • Welche Arten, Böden, Wasserräume und Brandrisiken sind betroffen?
    • Wer kontrolliert Ausgleich, Rückbau und tatsächliche Wiederbewaldung?

    Wer diese Fragen sauber beantwortet, stärkt die Energiewende. Wer sie wegwischt, produziert den Widerstand gegen sie selbst.

    Schlechte Standortpolitik beschädigt die Akzeptanz

    Wenn Anwohner sehen, dass für ein Windprojekt Bäume fallen, während einige Kilometer weiter ein Gewerbegebiet nicht einmal nachvollziehbar geprüft wurde, werden sie skeptisch. Das ist nicht automatisch Verweigerungshaltung. Es kann eine logische Reaktion auf eine nicht erklärte Standortentscheidung sein.

    Genauso falsch wäre es allerdings, jeden Windstandort im Wald als großflächigen Kahlschlag darzustellen. Die konkrete dauerhaft gerodete Fläche, zeitweise Montageflächen, Zuwegungen und spätere Wiederaufforstung müssen für jedes Projekt einzeln belegt werden. Pauschale Bilder helfen weder dem Wald noch der Wahrheit.

    Meine Kritik richtet sich deshalb nicht gegen Windenergie, sondern gegen eine Politik, die ihre Abwägungen zu oft hinter Verfahren, Ausnahmen und grünen Etiketten versteckt. Schwarz-Grün in Nordrhein-Westfalen muss erklären, wie Waldschutz, Industrieflächen, Regionalplanung und schneller Ausbau praktisch zusammenpassen. Ein Hinweis auf Ausbauziele ersetzt keine Standortbegründung.

    Das gilt auch für die Bundespolitik. Im Beitrag „Merz träumt vom Fusionsreaktor – und bremst die Energie, die längst funktioniert“ habe ich beschrieben, warum Kernfusion kein Vorwand sein darf, verfügbare erneuerbare Technik kleinzureden. Umgekehrt darf der notwendige Ausbau der Windenergie nicht zum Vorwand werden, die ökologische Qualität eines konkreten Standorts nicht mehr zu prüfen.

    Meine Position bleibt

    Ich bin klar für den Ausbau der Erneuerbaren. Ich bin ebenso klar dafür, Wald, Wasserhaushalt, Böden und Artenvielfalt nicht als kostenlose Restfläche zu behandeln.

    Der Brand im Nationalpark Eifel und das Feuer im Hohen Venn sind kein Beweis gegen Windkraft. Sie sind eine Warnung gegen politische Bequemlichkeit. Wer in einen Wald eingreift, muss zeigen, warum dieser Standort nötig ist, welche Alternativen geprüft wurden und wie Schäden begrenzt werden.

    Das grüne Etikett entbindet kein Projekt von dieser Begründung. Gerade eine glaubwürdige Energiewende muss sie liefern.

    Weiterführende Texte auf diesem Blog

    Quellen

    • Radio Euskirchen, „Waldbrand im Nationalpark Eifel bei Mechernich-Voißel“: https://www.radioeuskirchen.de/artikel/waldbrand-im-nationalpark-eifel-bei-mechernich-voissel-2719501
    • Stadt Mechernich, „Waldbrand bei Voißel unter Kontrolle“: https://www.mechernich.de/detail/waldbrand-bei-voissel-unter-kontrolle
    • Münstereifelchen, Lageaktualisierung unter Bezug auf den Kreis Euskirchen: https://xn--mnstereifelchen-zvb.de/lageaktualisierung-wald-und-vegetationsbraende-waldbraende-in-der-region/
    • Bundesverband WindEnergie, „Industrie- und Gewerbegebiete für Windenergienutzung öffnen“: https://www.wind-energie.de/presse/pressemitteilungen/detail/industrie-und-gewerbegebiete-fuer-windenergienutzung-oeffnen/
    • BWE, Forderungskatalog zum Windgipfel: https://www.wind-energie.de/fileadmin/redaktion/dokumente/publikationen-oeffentlich/themen/04-politische-arbeit/01-gesetzgebung/20230313_BWE_Forderungskatalog_zum_Windgipfel_2022.pdf
    • Windkraft-Journal, „Industrie- und Gewerbegebiete endlich für erneuerbare Energien nutzen“: https://www.windkraft-journal.de/2021/09/07/industrie-und-gewerbegebiete-endlich-fuer-erneuerbare-energien-nutzen/166193
    • BWE, „Netz muss schneller und digitaler werden“: https://www.wind-energie.de/presse/pressemitteilungen/detail/netz-muss-schneller-und-digitaler-werden-beschleunigungsagenda-jetzt-umsetzen/
    • Caeli Wind, „Der ideale Standort für Windkraftanlagen“: https://www.caeli-wind.de/ratgeber/detailseite/der-ideale-standort-fuer-windkraftanlagen
    • Landesplanungsgesetz NRW, § 36a, amtliche Fassung: https://recht.nrw.de/lrgv/gesetz/15082025-landesplanungsgesetz-nordrhein-westfalen/
    • Land NRW, „Verlängerung des § 36a LPlG um weitere sechs Monate“: https://www.land.nrw/pressemitteilung/verlaengerung-des-ss-36a-lplg-um-weitere-sechs-monate
    • LEE NRW, Einordnung zu § 36a LPlG: https://www.lee-nrw.de/blog/windenergiemoratorium-in-36a-lplg-nrw-wer-ist-betroffen/
    • NRW.Energy4Climate, „Flächen für Windenergieanlagen“: https://www.energy4climate.nrw/erneuerbare-energien-in-nrw/windenergie/flaechen-fuer-windkraftanlagen

    Diskussion: https://treff.darknight-coffee.eu
    Blog: https://carrabelloy.darknight-coffee.org/blog/

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  • Wenn der Wald vor Schleiden braun wird: Kommunalpolitik muss Rechenschaft geben

    Wenn der Wald vor Schleiden braun wird: Kommunalpolitik muss Rechenschaft geben

    Bildquelle: Carrabelloy, Aufnahme vom 23. August 2026 Inhaltliche Abgrenzung: lokaler Waldzustand, kommunale Zuständigkeit und überprüfbare politische Verantwortung

    Auf Bildern aus dem Raum Schleiden sind zahlreiche braune Baumkronen neben weiterhin grünen Beständen zu sehen. Das ist dokumentiert. Nicht dokumentiert ist bisher, warum diese Kronen braun sind, wem die konkrete Fläche gehört und welche Stelle sie forstfachlich betreut. Genau dort beginnt politische Verantwortung.

    Die Bilder beweisen weder eine einzelne Ursache noch persönliche Schuld. Trockenheit und Hitze kommen ebenso infrage wie vorzeitiger Laubfall, Schädlings- oder Pilzbefall, Nährstoffmangel und eine Kombination mehrerer Belastungen. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft warnt ausdrücklich vor Ferndiagnosen. Sichtbare Verfärbung und Kronenverlust sind aber ein berechtigter Anlass für eine fachliche Untersuchung.

    Wer daraus nur den Satz „Das kann vieles sein“ ableitet, macht sich die Unsicherheit zur Ausrede. Die richtige Antwort lautet: Eigentum und Zuständigkeit feststellen, Baumarten und Schadbild erfassen, Untersuchung veranlassen, Ergebnisse veröffentlichen und Maßnahmen begründen.

    Ein sichtbarer Befund direkt vor der Tür

    Carrabelloy beobachtet diesen Bestand von seinem Aufenthaltsort im Raum Schleiden aus regelmäßig. Für ihn ist der Wald kein abstrakter Bericht und keine Kulisse für einen politischen Termin. Er sieht grüne Kronen neben auffällig braunen Flächen und nimmt wahr, wie sich das Bild verändert.

    Seine persönliche Einschätzung lautet: „Ich gehe dort spazieren, ich kenne diesen Blick und ich sehe, wie viel Stress dieser Wald hat. Es gibt Flachwurzler und Tiefwurzler, unterschiedliche Böden und unterschiedliche Reaktionen. Aber in der Summe ist mein Eindruck eindeutig: Dieser Wald ist krank.“

    Das ist die Beobachtung eines Anwohners, keine amtliche Diagnose. Gerade deshalb muss sie weder überhöht noch weggewischt werden. Bürger müssen keine Forstwissenschaftler sein, bevor sie sichtbare Veränderungen melden und Antworten verlangen dürfen.

    Die Fotos sollten als zeitliche Reihe fortgeführt werden: möglichst gleicher Blickwinkel, Datum, Wetterlage und sichtbare Entwicklung. Das ersetzt keine Proben, keine Kronenzustandserhebung und keine fachliche Begehung. Es schafft aber einen nachvollziehbaren Ausgangspunkt.

    Der Bürgermeister heißt Ingo Pfennings – Kritik braucht den richtigen Namen

    Schleidens Bürgermeister heißt nach der amtlichen Stadtseite Ingo Pfennings. Er ist dort seit Dezember 2018 als Bürgermeister ausgewiesen. Die Vermutung, es handele sich um einen Herrn Pfeiffer, ist damit falsch.

    Auch die Behauptung, der Bürgermeister kümmere sich wegen häufiger Urlaube nicht um die Stadt, ist nicht belegt. Sie gehört deshalb nicht als Tatsache in diesen Artikel. Persönliche Abwesenheiten wären ohnehin nur dann politisch relevant, wenn konkrete Amtsgeschäfte, Vertretungsregeln oder Entscheidungen nachweisbar darunter gelitten hätten.

    Die sachliche Kritik ist stärker: Was weiß die Stadtverwaltung über den betroffenen Bestand? Gehört die Fläche der Stadt, dem Land, einer privaten Person, einer Forstbetriebsgemeinschaft oder einem anderen Eigentümer? Welche Fachstelle wurde eingeschaltet? Gibt es eine Gefahrenbewertung für Wege, angrenzende Flächen und Brandlast? Welche Ratsvorlagen, Haushaltsmittel oder Förderanträge betreffen Waldumbau, Wasserrückhalt und Brandschutz?

    Die Stadt weist amtlich auf regelmäßige Bürgersprechstunden des Bürgermeisters im Rathaus und wechselnd in den Ortschaften hin. Für 2026 wurden Termine veröffentlicht. Das ist ein vorhandener Zugangskanal. Entscheidend ist nun, ob dort gestellte Fragen dokumentiert, fachlich weitergeleitet und später nachvollziehbar beantwortet werden.

    Kommunale Verantwortung ist mehr als Eigentum

    Eine Kommune ist nicht automatisch für jeden Baum im Stadtgebiet forstlich zuständig. Bei Privatwald liegt die unmittelbare Bewirtschaftungsverantwortung zunächst beim Eigentümer; Landesforstverwaltung, Forstamt, Naturschutz-, Ordnungs- oder andere Behörden können je nach Lage und Problem beteiligt sein. Bei kommunalem Wald trägt die Stadt direktere Verantwortung als Eigentümerin und politische Auftraggeberin.

    Aus dieser Eigentumstrennung folgt aber kein kommunaler Freispruch. Die Stadt ist Ansprechpartnerin für Bürger, örtliche Gefahrenabwehr, Wege, Bauleitplanung, Versiegelung, kommunale Flächen, Feuerwehr und Teile der Klimaanpassung. Sie kann Zuständigkeiten klären, Fachstellen zusammenrufen, Ratsinformationen veröffentlichen und Fördermittel beantragen. Sie muss nicht jede Diagnose selbst erstellen. Sie muss aber sichtbar organisieren, dass eine begründete Meldung nicht zwischen Behörden verschwindet.

    Gerade Schleiden nennt sich Nationalparkhauptstadt. Dieser Titel darf nicht nur Tourismusmarke sein. Eine Stadt, die mit Natur wirbt, muss öffentlich zeigen können, wie sie mit Trockenstress, geschädigten Beständen, Wasserhaushalt, Waldbrandvorsorge und langfristiger Pflege umgeht.

    Was der Rat und die Verwaltung offenlegen sollten

    Politische Verantwortung lässt sich in Akten und Entscheidungen prüfen. Für den konkreten Bestand und für die Waldpolitik im Stadtgebiet braucht es mindestens folgende Angaben:

    1. Lage und Eigentumsstruktur der gemeldeten Fläche, ohne private Wohn- oder Aufenthaltsorte öffentlich zu machen.
    2. Zuständige Forst-, Umwelt-, Ordnungs- und Brandschutzstellen.
    3. Datum und Ergebnis einer fachlichen Begehung.
    4. Betroffene Baumarten, sichtbares Schadbild und Grenzen der Diagnose.
    5. Kurzfristige Gefahrenmaßnahmen, etwa an Wegen oder bei erhöhter Brandlast.
    6. Langfristige Maßnahmen zu Naturverjüngung, Waldumbau, Wildschutz, Boden und Wasserrückhalt.
    7. Haushaltsansätze, Förderanträge, bewilligte Mittel und tatsächliche Ausgaben.
    8. Zuständige politische Gremien, Beschlüsse, Fristen und öffentliche Berichte.

    Eine Verwaltung darf bei einzelnen Punkten auf andere Eigentümer oder Behörden verweisen. Dann muss sie aber konkret benennen, wer zuständig ist und wann eine Antwort erwartet wird. „Nicht unser Wald“ wäre ohne Weiterleitung und Gefahrenprüfung keine ausreichende Bürgerinformation.

    Wasserrückhalt statt Symbolgießen

    Die naheliegende Forderung, einen großflächig gestressten Wald einfach zu gießen, ist in der Regel weder realistisch noch ökologisch ausreichend. Waldflächen lassen sich nicht wie ein Stadtbeet bewässern. Einzelne Jungpflanzen können in der Anwuchsphase Hilfe brauchen; für den Bestand entscheidet jedoch der Landschaftswasserhaushalt.

    Dazu gehören unversiegelte Böden, versickerungsfähige Flächen, gebremster Oberflächenabfluss, gesunde Humusschichten, angepasste Wegeentwässerung und standortgerechte Baumarten. Wo Entwässerungsgräben Wasser schnell aus der Fläche führen, muss geprüft werden, ob Rückhalt möglich und fachlich sinnvoll ist. Wo schwere Maschinen Böden verdichten, kann Regen schlechter einsickern. Wo Wilddruck Naturverjüngung verhindert, reicht Pflanzen allein nicht.

    Kommunale Klimaanpassung muss diese Zusammenhänge mit Hochwasser- und Starkregenvorsorge verbinden. Nach der Flut von 2021 kennt Schleiden die Gewalt von Wasserüberschuss. Trockenheit und Starkregen sind dabei keine Gegensätze: Ausgetrocknete oder verdichtete Böden können heftigen Regen schlechter aufnehmen. Wasserrückhalt dient deshalb Wald, Boden, Grundwasser und Hochwasservorsorge zugleich.

    Bürgerwald darf kein Pflanzfoto mit Ablaufdatum werden

    Carrabelloy arbeitet parallel an der Idee eines langfristigen Bürgerwald- und Waldpflegeprojekts. Die Stadt Schleiden und weitere Kommunen wurden dazu angeschrieben. Eine automatische oder technische Zustellung ist noch keine fachliche Antwort und erst recht keine Flächenzusage.

    Ein seriöses Bürgerwaldprojekt beginnt nicht mit dem Kauf möglichst vieler Setzlinge. Es beginnt mit Boden, Standort, Eigentum, Verträgen, Forstplanung und Pflege. Naturverjüngung kann je nach Fläche sinnvoller sein als Neupflanzung. Wo gepflanzt wird, braucht es standortgerechte Arten, Herkunftsnachweise, Wildschutz, Bewässerungsplanung für die Anwuchsphase, Ersatz bei Ausfällen und eine Kontrolle über Jahre.

    Die politische Messlatte lautet deshalb nicht: Wie viele Menschen standen beim Pressetermin mit Spaten vor der Kamera? Sie lautet: Welche Bäume oder Naturverjüngungsflächen sind nach fünf trockenen Sommern noch stabil, wer hat sie gepflegt, was hat es gekostet und welche Fehler wurden korrigiert?

    Gegenargument: Die Kommune kann nicht alles leisten

    Das stimmt. Kleine und mittlere Kommunen haben begrenztes Personal, konkurrierende Pflichtaufgaben und nach Flut, Wiederaufbau und Haushaltsdruck enorme Belastungen. Forstliche Zuständigkeiten sind verteilt. Eine Stadtverwaltung kann keine Trockenperiode beenden und keinen Klimawandel allein stoppen.

    Aber begrenzte Zuständigkeit bedeutet nicht begrenzte Transparenz. Gerade wenn Mittel und Personal knapp sind, müssen Prioritäten offenliegen. Welche Aufgabe wird zuerst bearbeitet? Welche Hilfe wurde beim Kreis oder Land angefordert? Welche Förderung ist beantragt? Wo fehlen Fachkräfte? Welche Entscheidung hat der Rat getroffen?

    Ehrlich benannte Grenzen sind glaubwürdiger als große Klimaversprechen ohne Vollzug. Kommunalpolitik muss nicht allmächtig sein. Sie muss erreichbar, nachvollziehbar und rechenschaftspflichtig sein.

    Ein klarer Arbeitsauftrag an Schleiden

    Für den gemeldeten Bestand ergibt sich ein nüchterner Ablauf:

    • Meldung mit Fotos und grober Lage aufnehmen.
    • Eigentum und zuständige Fachstelle klären.
    • Fachliche Begehung oder Weiterleitung veranlassen.
    • Akute Gefahren für Wege, Anwohner und Brandvorsorge prüfen.
    • Ergebnis mit Diagnosegrenzen veröffentlichen.
    • Maßnahmen, Zuständigkeiten, Kosten und nächsten Prüftermin benennen.

    Dieser Ablauf wäre keine Vorverurteilung des Bürgermeisters und keine Ferndiagnose des Waldes. Er wäre schlicht ordentliche Verwaltung.

    Carrabelloys politische Position bleibt klar: Mandat und Amt sind kein Zuschauerplatz. Wer Verantwortung trägt, muss Warnzeichen aufnehmen, Fachwissen organisieren, Entscheidungen offenlegen und später erklären, was gewirkt hat. Ein Titel wie Nationalparkhauptstadt erhöht diese Verpflichtung – er ersetzt sie nicht.

    Schluss

    Der Wald vor Schleiden braucht weder persönliche Gerüchte noch politische Kulissen. Er braucht belastbare Antworten.

    Der Bürgermeister heißt Ingo Pfennings. Die sichtbaren braunen Kronen haben noch keine gesicherte Diagnose. Die Eigentums- und Fachzuständigkeit der konkreten Fläche ist offen. Genau diese drei Punkte zeigen, wie seriöse Kritik funktioniert: Namen prüfen, Unsicherheit benennen und anschließend konkrete Rechenschaft verlangen.

    Untersuchen. Zuständigkeit offenlegen. Maßnahmen begründen. Wirkung kontrollieren.

    Podcast zum Artikel

    Die ausführliche Podcastfolge über sichtbaren Waldbefund, kommunale Zuständigkeit, Wasserrückhalt und langfristige Bürgerwaldpflege:

    https://podcast.darknight-coffee.org/@carrabelloy/episodes/wenn-der-wald-vor-schleiden-braun-wird-wer-tragt-vor-ort-verantwortung

    Quellen

    1. Stadt Schleiden, Bürgermeister: https://www.schleiden.de/rathaus/rathaus/politik/buergermeister/
    2. Stadt Schleiden, Bürgersprechstunden des Bürgermeisters: https://www.schleiden.de/rathaus/aktuelles/buergersprechstunden-des-buergermeisters/
    3. Stadt Schleiden, Bürger- und Ratsinformationssystem: https://www.schleiden.de/rathaus/rathaus/politik/buerger-und-ratsinformationssystem-allris/
    4. Stadt Schleiden, Umwelt und Klima: https://www.schleiden.de/rathaus/planen-bauen/umwelt-klima/
    5. Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, „Trockenstress von Waldbäumen und Gefahr durch Borkenkäfer und Prachtkäfer“: https://www.lwf.bayern.de/waldschutz/forstentomologie/113511/index.php
    6. Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, „Durststrecken im Wald: Wie reagieren Buche und Eiche“: https://www.lwf.bayern.de/boden-klima/umweltmonitoring/358467/index.php
    7. Inhaltlicher Vorgänger zu Waldbrand, Hochwasserschutz und kommunaler Verantwortung: https://carrabelloy.darknight-coffee.org/blog/
  • Vom Streit ums Klima zur eigenen Gießkanne – warum ich nicht mehr nur über unsere Wälder reden möchte

    Vom Streit ums Klima zur eigenen Gießkanne – warum ich nicht mehr nur über unsere Wälder reden möchte

    Manchmal beginnt ein Gedanke mit einer einfachen Schlagzeile.

    Diesmal war es ein Reel auf Instagram. Dort wurde ein Meinungsbeitrag der WELT aufgegriffen, der sich mit dem aktuellen Niedrigwasser des Rheins beschäftigt. Der Beitrag trägt den Titel „Rhein: Die Legende vom Klimakrisen-Niedrigwasser“ und stammt von Axel Bojanowski. Seine These richtet sich gegen eine zu einfache direkte Zuordnung des derzeitigen Rhein-Niedrigwassers zur Klimakrise.

    Und selbstverständlich darf man darüber diskutieren.

    Wissenschaft bedeutet nicht, dass zu jeder einzelnen Wetterlage nur noch eine zulässige Erklärung existiert. Ein einzelnes Niedrigwasser, ein einzelner heißer Sommer, ein Waldbrand oder ein Starkregenereignis ist nicht einfach mit dem Satz „Das war der Klimawandel“ vollständig erklärt.

    Aber genauso falsch wäre für mich der umgekehrte Weg:

    **Das Klima hat sich früher verändert – also brauchen wir über den heutigen menschengemachten Klimawandel nicht mehr zu reden.**

    So funktioniert Wissenschaft ebenfalls nicht.

    Der Weltklimarat IPCC kommt auf Grundlage des heutigen Forschungsstandes zu dem eindeutigen Ergebnis, dass der menschliche Einfluss Atmosphäre, Ozeane und Land erwärmt hat.

    Damit ist nicht jedes Wetterereignis ausschließlich durch den Menschen verursacht.

    Aber die Bedingungen, unter denen diese Ereignisse stattfinden, verändern sich.

    Und genau dort beginnt für mich die eigentlich wichtige Diskussion.

    ## Während wir diskutieren, stehen die Bäume draußen

    Ich habe in den vergangenen Tagen und Wochen viel über die Waldbrände geschrieben und gesprochen.

    Dabei habe ich mittlerweile auch Menschen aus Forstwirtschaft und Baumschulen zugehört.

    Und irgendwann verschiebt sich dabei die eigene Wahrnehmung.

    Man sieht nicht mehr nur eine verbrannte Fläche.

    Man sieht einen Wald, dessen Entwicklung Jahrzehnte gebraucht hätte.

    Man sieht junge Bäume, die vielleicht gerade erst angefangen hatten, richtig zu wachsen.

    Und man begreift, wie lange es dauern wird, bis daraus wieder ein großer Wald werden kann.

    Ich bin 58 Jahre alt.

    Wenn wir heute einen jungen Baum pflanzen, kann es Jahrzehnte dauern, bis aus diesem kleinen Bäumchen ein großer, alter Baum geworden ist.

    Vielleicht werde ich selbst gar nicht mehr erleben, wie groß dieser Baum irgendwann wird.

    Aber genau deshalb finde ich diesen Gedanken inzwischen so schön.

    **Warum muss ich alles selbst erleben, damit es einen Wert besitzt?**

    Vielleicht pflanze ich einen Baum, unter dem irgendwann ein anderer Mensch sitzt.

    Vielleicht baut dort ein Vogel sein Nest.

    Vielleicht finden Insekten Nahrung.

    Vielleicht spendet dieser Baum einem Kind Schatten, das heute noch gar nicht geboren ist.

    Und vielleicht weiß irgendwann niemand mehr, wer diesen Baum einmal gepflanzt hat.

    Das ist vollkommen in Ordnung.

    Denn der Baum steht trotzdem dort.

    ## Ein Baum braucht mehr als einen Pressetermin

    Und hier komme ich zu einem Punkt, den wir meiner Meinung nach viel zu häufig vergessen.

    Bäume zu pflanzen klingt wunderbar.

    Hundert Bäume.

    Tausend Bäume.

    Eine Million Bäume.

    Politiker mit Spaten.

    Unternehmen mit großen Versprechen.

    Fotos für Presse und soziale Medien.

    Aber danach beginnt erst die eigentliche Arbeit.

    Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass gerade sehr junge Bäume gegenüber Trockenheit besonders empfindlich sind. Ihr Wurzelsystem ist noch nicht ausreichend entwickelt, um Wasser aus tieferen Bodenschichten zu erreichen. Entsprechend höher ist ihr Risiko, während Trockenperioden abzusterben.

    Genau deshalb reicht mir irgendwann die Meldung nicht mehr:

    **„Wir haben 10.000 Bäume gepflanzt.“**

    Meine nächste Frage wäre:

    **Wie viele davon stehen fünf Jahre später noch?**

    Wer fährt im nächsten trockenen Sommer hin?

    Wer schaut nach den Pflanzen?

    Wer nimmt tatsächlich eine Gießkanne, einen Wassertank oder eine andere geeignete Bewässerungsmöglichkeit und sorgt dafür, dass aus dem kleinen Baum irgendwann ein großer wird?

    Das wäre für mich Nachhaltigkeit.

    Nicht nur pflanzen.

    **Pflanzen, pflegen und wiederkommen.**

    ## 2026 zeigt uns das Problem direkt vor der Haustür

    Wir müssen dafür nicht einmal nach Südeuropa schauen.

    Nach Angaben des Umweltbundesamtes und des Deutschen Wetterdienstes war bereits das Frühjahr 2026 in Deutschland außergewöhnlich sonnig und deutlich zu trocken. Bundesweit fielen lediglich 126 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Das waren rund 68 Prozent des langjährigen Mittels der Referenzperiode 1961 bis 1990. Auch der Juni blieb trockener als das langjährige Mittel; am Mittel- und Oberrhein kamen regional lediglich 15 bis 30 Liter pro Quadratmeter zusammen.

    Und ein paar Regentage machen diese Entwicklung nicht plötzlich ungeschehen.

    Natürlich freue ich mich über jeden Tropfen, der jetzt fällt.

    Ich freue mich darüber wie wahrscheinlich selten zuvor.

    Aber nach langer Trockenheit ist Regen zunächst einmal genau das: dringend benötigtes Wasser.

    Kein Resetknopf.

    ## Auch beim Rhein lohnt sich genaueres Hinsehen

    Dass beim aktuellen Rhein-Niedrigwasser über Ursachen gestritten wird, ist vollkommen legitim.

    Aber auch die zuständigen Fachbehörden beschäftigen sich längst mit den langfristigen Folgen des Klimawandels für unsere Wasserstraßen.

    Eine Klimawirkungsanalyse von Bundesanstalt für Gewässerkunde und Bundesanstalt für Wasserbau untersucht beispielsweise ausdrücklich veränderte Abflussbedingungen am Mittelrhein und mögliche Auswirkungen des Klimawandels auf die Schifffahrt. Für die ferne Zukunft ergeben die untersuchten Szenarien ohne entsprechende Anpassungsmaßnahmen negative Auswirkungen auf die möglichen Gütertransportmengen.

    Man darf also über die Zuordnung eines einzelnen Niedrigwassers streiten.

    Was man meiner Meinung nach nicht sollte, ist daraus den Eindruck entstehen zu lassen, es gebe grundsätzlich kein Problem.

    Das wäre ungefähr so, als würde ein Arzt sagen:

    „Dieser eine Husten muss nicht von Ihrer Erkrankung kommen.“

    Das kann vollkommen richtig sein.

    Es bedeutet aber noch lange nicht:

    „Sie haben deshalb keine Erkrankung.“

    ## Vielleicht sollten wir auch unsere Mediengewohnheiten überdenken

    Und dann ist da noch die andere Seite dieser Geschichte.

    Immer mehr Informationen liegen hinter Bezahlschranken.

    Natürlich kostet Journalismus Geld. Recherche kostet Geld. Redaktionen kosten Geld. Auch Journalisten müssen von ihrer Arbeit leben.

    Dagegen habe ich überhaupt nichts.

    Aber ich frage mich zunehmend:

    **Muss deshalb unser gesamter Zugang zu Wissen von einigen wenigen großen Plattformen und Medienhäusern abhängen?**

    Ich glaube nicht.

    Wir haben heute Möglichkeiten, die es vor einigen Jahrzehnten noch nicht gab.

    Unabhängige Blogs.

    Open-Access-Forschung.

    Podcasts.

    Mastodon.

    Fediverse.

    Kleine journalistische Projekte.

    Förster, Wissenschaftler, Techniker und andere Fachleute, die ihr Wissen direkt veröffentlichen.

    Deshalb möchte ich auf meinem Blog langfristig einen eigenen Bereich aufbauen, in dem ich solche Quellen sammle.

    Keine Seite nach dem Prinzip:

    „Diese Zeitung ist böse und jene ist gut.“

    Das wäre mir viel zu einfach.

    Sondern eher:

    **Hier gibt es weitere Quellen. Lies selbst. Vergleiche. Prüfe. Entscheide selbst.**

    Und wenn ein kleiner unabhängiger Autor, Wissenschaftskommunikator oder Blog gute Arbeit macht, gebe ich lieber gelegentlich ein paar Euro direkt dort hin, als mich von Werbung, Tracking und immer neuen Konsumaufforderungen durch das Netz verfolgen zu lassen.

    Das ist für mich auch ein Stück digitale Selbstbestimmung.

    ## 80 Prozent machen sich Sorgen

    Vielleicht sind wir mit diesen Gedanken auch gar nicht so alleine.

    Nach dem im August 2026 veröffentlichten Sozialen Nachhaltigkeitsbarometer machen sich rund 80 Prozent der Menschen in Deutschland Sorgen wegen des Klimawandels. Allerdings muss man auch hier genau bleiben: 54 Prozent sprechen sich für höhere staatliche Klimaschutzausgaben aus und 56 Prozent wünschen weitere Maßnahmen in Energie-, Verkehrs- und Wärmewende.

    Das finde ich wichtig.

    Denn Klimaschutz darf meiner Meinung nach nicht dadurch kaputtgemacht werden, dass man jede Kritik sofort als Klimaleugnung bezeichnet.

    Und umgekehrt darf nicht jede berechtigte Kritik an einzelnen Maßnahmen benutzt werden, um das gesamte Problem kleinzureden.

    Wir brauchen mehr Menschen, die selbst denken.

    Nicht weniger.

    ## Meine Idee: einen Baum pflanzen – und Verantwortung dafür übernehmen

    Aus all diesen Gedanken wächst bei mir gerade eine Idee.

    Ich würde mich gerne mit Menschen aus Baumschulen, Forstwirtschaft, Landwirtschaft und anderen Bereichen zusammensetzen und herausfinden, was wir tatsächlich tun können.

    Nicht irgendwann in Berlin.

    Nicht irgendwann in Brüssel.

    Sondern hier.

    Vor unserer eigenen Haustür.

    Vielleicht finden wir Flächen, auf denen eine Aufforstung oder Ergänzung ökologisch sinnvoll ist.

    Vielleicht können Fachleute bestimmen, welche Baumarten an welchem Standort überhaupt eine Chance haben.

    Vielleicht können Menschen einen Baum pflanzen oder eine kleine Patenschaft übernehmen.

    Und dann kommt mein wichtigster Punkt:

    **Wir fahren wieder hin.**

    Nächstes Jahr.

    Und übernächstes Jahr.

    Wenn eine Trockenperiode kommt, schauen wir nach unseren Bäumen.

    Wenn Hilfe notwendig ist, kümmern wir uns.

    Nicht blind irgendwo Wasser hinschütten, sondern gemeinsam mit den Menschen, die etwas vom Wald verstehen.

    Förster.

    Baumschulen.

    Naturschutz.

    Landwirte.

    Menschen aus der Region.

    Dann wird aus einem schönen Foto vielleicht tatsächlich ein kleiner Wald.

    ## Vielleicht steht dort irgendwann auch mein Baum

    Ich weiß nicht, wie viele Jahre mir auf dieser Erde noch bleiben.

    Das weiß kein Mensch.

    Aber ich weiß, dass ich dieses Grün liebe.

    Ich liebe Wälder.

    Ich liebe Pflanzen.

    Und mir hat es wirklich im Herzen wehgetan zu sehen, was in den vergangenen Wochen und Monaten zerstört worden ist.

    Deshalb möchte ich nicht, dass diese Geschichte bei meiner Wut darüber endet.

    Vielleicht kann daraus etwas anderes entstehen.

    Vielleicht steht irgendwann irgendwo ein Baum, den ich mitgepflanzt habe.

    Daneben einer von euch.

    Und noch einer.

    Und irgendwann sind es keine einzelnen Bäumchen mehr.

    Dann ist es wieder ein Stück Wald.

    Vielleicht ist genau das die Antwort, die mir im Augenblick besser gefällt als der hundertste Streit darüber, wer in irgendeiner Fernsehrunde recht gehabt hat.

    **Nicht nur darüber reden, was andere falsch gemacht haben.**

    Selber denken.

    Selber nachlesen.

    Selber hingehen.

    Und wenn es notwendig ist:

    **auch selbst einmal die Gießkanne in die Hand nehmen. 🌳❤️**

    Wer aus Forstwirtschaft, Baumschulen, Landwirtschaft oder Naturschutz kommt und an einer solchen Idee fachlich mitarbeiten möchte, darf sich gerne bei mir melden.

    Denn Bäume brauchen keine Ideologie.

    Sie brauchen geeigneten Boden, Wasser, Zeit – und Menschen, die sich auch morgen noch um sie kümmern.

    Wenn Feuerwehr, THW, Bauern und Bundeswehr den Laden retten, sollte die CDU nicht so tun, als sei ein Reel schon Katastrophenschutz

    Europa brennt – und wer entscheidet eigentlich über angebotene Hilfe?

    24 Stunden zum Zerstören. 50 Jahre zum Aufbauen. Genau das ist der Punkt. 🌳☠️

    Infos von den Kumen

    Aktuelle Entwicklungen zum Brand im Hohen Venn

    Gemeinde-Monschau