Darknight Coffee Netzwerk

Carrabelloy ' Meine Hobbys sind so vielseitig

Schlagwort: browser

  • Dein Server kann frei sein – wenn der Browser alle Konten vermischt, bleibt die Kontrolle löchrig

    Dein Server kann frei sein – wenn der Browser alle Konten vermischt, bleibt die Kontrolle löchrig

    Du kannst deine Domain kontrollieren, freie Software einsetzen, Backups
    testen und jeden Zugang zum Server sauber dokumentieren. Trotzdem reicht ein
    einziger falscher Browserkontext, um die mühsam aufgebaute Trennung wieder
    einzureißen: Das private Konto, das Projektkonto und die
    Administrationssitzung liegen nebeneinander, sehen gleich aus und teilen sich
    einen unübersichtlichen Arbeitsraum.

    Firefox 153 setzt genau dort an. Mozilla hat die Version am 21. Juli 2026 für
    den stabilen Release-Kanal veröffentlicht. Erstmals sind Firefox-Container als
    eingebaute Vorschau direkt Teil des Browsers. Nutzerinnen und Nutzer können
    Kontexte anlegen, mit Namen, Farben und Symbolen markieren und mehrere Konten
    derselben Webseite parallel angemeldet halten.

    Das ist keine Revolution. Die Technik existiert in Firefox seit Jahren und
    war über die Erweiterung Multi-Account Containers zugänglich. Trotzdem ist
    die native Integration politisch und praktisch relevant. Sie verschiebt
    Sitzungstrennung vom Add-on-Wissen einiger Eingeweihter in die sichtbare
    Produktarchitektur.

    Der Browser ist keine neutrale Glasscheibe

    Im Browser laufen Cookies, Anmeldesitzungen, lokale Webdaten,
    Erweiterungsrechte und Zugriffe auf Dienste zusammen. Er ist die
    Vermittlungsschicht zwischen Person, Plattform und selbstgehosteter
    Infrastruktur.

    Das wird im Alltag schnell konkret. Im einen Tab läuft die öffentliche
    Blogansicht, im nächsten die Administration. Ein persönliches Mastodon-Konto
    steht neben dem Projektkonto. Im Matrix-Webclient wechseln Menschen zwischen
    privater Kommunikation und Moderation. Eine saubere .well-known-Datei kann
    den Client zum richtigen Homeserver führen. Sie verhindert aber nicht, dass
    die falsche Identität im richtigen Dienst aktiv ist.

    Wer digitale Souveränität nur am Server misst, sieht deshalb nur die halbe
    Kette. Kontrolle braucht nicht nur freien Code und eigene Daten. Sie braucht
    auch eine belastbare Grenze zwischen den Rollen, mit denen wir auf diese
    Systeme zugreifen.

    Was Firefox-Container technisch leisten

    Mozilla bezeichnet die zugrunde liegenden Kontexte als „contextual
    identities“. Jeder Kontext besitzt einen eigenen Cookie-Speicher und eine
    eigene cookieStoreId. Cookies eines Containers werden nicht mit Tabs
    anderer Container geteilt. Die offizielle Beschreibung der bisherigen
    Erweiterung spricht darüber hinaus von getrenntem Website-Speicher.

    Das ermöglicht beispielsweise zwei parallele Anmeldungen bei derselben
    Mastodon-Instanz: „Privat“ im blauen Container, „Redaktion“ im roten. Auch
    private und moderierende Matrix-Konten können in getrennten Kontexten
    desselben Webclients laufen. Die Farbe ist dabei nicht bloß Dekoration. Sie
    macht vor einer Handlung sichtbar, welche Rolle gerade aktiv ist.

    Container sind damit mehr als Tabgruppen. Eine normale Tabgruppe sortiert
    Seiten. Ein Container weist ihnen einen getrennten Sitzungs- und
    Speicherkontext zu.

    Neu ist das technische Grundmodell trotzdem nicht. Mozilla baut bei der
    nativen Vorschau auf einer vorhandenen Firefox-Architektur auf. Der
    Fortschritt liegt vor allem in der Zugänglichkeit: Wer Schutz erst in einem
    Add-on-Katalog finden muss, nutzt ihn seltener als eine Person, der die
    Funktion direkt im Browser angeboten wird.

    Total Cookie Protection ist eine andere Schutzschicht

    Container werden häufig mit Total Cookie Protection verwechselt. Beide
    Mechanismen trennen Zustände, aber sie beantworten verschiedene Fragen.

    Total Cookie Protection und das zugrunde liegende State Partitioning
    partitionieren Cookies und weitere Zustände nach der besuchten
    Top-Level-Webseite. Das soll verhindern, dass ein eingebetteter Drittanbieter
    denselben Identifikator über viele Webseiten hinweg liest.

    Container sind dagegen bewusst gewählte Nutzungskontexte. Sie beantworten
    die Frage, ob dieselbe Webseite meine private, redaktionelle und
    administrative Rolle als eine einzige Sitzung behandeln darf.

    Kurz gesagt: State Partitioning begrenzt vor allem websiteübergreifendes
    Tracking. Container begrenzen vor allem die Vermischung mehrerer Rollen und
    Konten. Das eine macht das andere nicht überflüssig.

    Firefox 153 zieht noch zwei weitere Grenzen

    Die Release Notes nennen neben den nativen Containern zwei Änderungen, die
    für Selfhoster wichtig sind.

    Erstens müssen Webseiten eine Berechtigung anfragen, bevor sie auf Geräte,
    Anwendungen oder Dienste im lokalen Netz zugreifen. Das betrifft einen
    realen Vertrauenskonflikt: Im selben Browser sind möglicherweise eine
    öffentliche Webseite, der Router, eine NAS-Oberfläche und ein
    Administrationsdienst erreichbar. Technische Erreichbarkeit darf nicht mit
    pauschalem Vertrauen verwechselt werden.

    Zweitens erhalten Erweiterungen nicht mehr automatisch über die allgemeine
    Webseitenberechtigung Zugriff auf lokale Dateien. Firefox 153 führt dafür
    eine eigene, widerrufbare Berechtigung. Eine Erweiterung, die Webseiten lesen
    darf, soll also nicht stillschweigend auch lokale Backup-Exporte,
    Konfigurationen oder andere Dateien erreichen.

    Keine dieser Grenzen ersetzt eine sauber konfigurierte Firewall, Nginx,
    Zugriffskontrolle oder ein getrenntes Administrationsnetz. Aber sie
    reduzieren die Annahme, dass alles, was ein Browser technisch erreichen kann,
    zum selben Vertrauensraum gehört.

    Was Container ausdrücklich nicht leisten

    Container sind kein Anonymisierungswerkzeug. Die geprüften Quellen geben
    keine Garantie gegen Wiedererkennung über IP-Adresse oder
    Browser-Fingerprinting. Auch ein Anbieter kann Konten möglicherweise über
    andere Merkmale zusammenführen.

    Container isolieren zudem nicht den gesamten Browser. Gemeinsame Chronik,
    Downloads, Lesezeichen oder Passwortspeicher werden nicht automatisch zu
    vollständig getrennten Welten. Erweiterungen mit weitreichenden Rechten,
    Schadsoftware und Bedienfehler bleiben eigene Risiken.

    Für besonders kritische Administration sind getrennte Firefox-Profile,
    getrennte Betriebssystemkonten, ein dediziertes Gerät oder eine isolierte
    Administrationsumgebung die stärkeren Werkzeuge. Wer Root-nahe Änderungen an
    einem Server vornimmt, sollte sich nicht von einer roten Tabfarbe in falsche
    Sicherheit wiegen lassen.

    Auch die Beispiele aus dem Community-Alltag zeigen diese Grenze:

    • Ein Administrationscontainer trennt die Sitzung zur
      Synapse-Verwaltung. Er verhindert keine falsche Raum- oder
      Rechteänderung auf dem Server.
    • Ein Storage-Container trennt die Anmeldung an Nextcloud oder einer
      Backup-Oberfläche. Er erzeugt kein Backup und beweist keinen erfolgreichen
      Restore.
    • Ein Redaktionscontainer trennt Mastodon-Konten. Er ersetzt keine Vorschau
      und keine Freigabe vor der Veröffentlichung.

    Container sind eine nützliche Grenze innerhalb eines Browserprofils. Sie sind
    nicht die vollständige Aufteilung der digitalen Arbeit.

    Preview heißt: Die Erweiterung nicht vorschnell entfernen

    Mozilla schreibt ausdrücklich, dass die eingebaute Vorschau noch nicht alle
    Funktionen der bisherigen Multi-Account-Containers-Erweiterung enthält. Die
    Erweiterung kann vorerst parallel zur nativen Funktion genutzt werden.
    Bestehende Nutzerinnen und Nutzer müssen sie derzeit nicht deinstallieren.

    Eine pauschale Empfehlung „Add-on raus, Firefox kann jetzt alles selbst“ wäre
    deshalb falsch. Vor einer Migration müssen mindestens automatische
    Webseitenzuordnungen, bestehende Regeln, Sync-Verhalten und das Löschen von
    Containern geprüft werden.

    Auch der Plattformumfang ist offen. Die Ankündigung beschreibt eine
    Desktop-Bedienung mit Rechtsklick auf Tabs. Eine gleichwertige native
    Oberfläche für Android und iOS ist durch die geprüften Quellen nicht belegt.
    Die zugrunde liegende Recherche hat außerdem keinen eigenen Funktionstest
    durchgeführt. Sie ordnet offizielle Produktangaben ein, behauptet aber keine
    praktische Erfahrung, die nicht stattgefunden hat.

    Klar gekennzeichnete Bewertung

    Meine Bewertung: Die native Integration ist vor allem deshalb wichtig,
    weil sie ein Sicherheitsmodell normalisiert. Menschen arbeiten längst mit
    mehreren digitalen Identitäten, aber viele Browseroberflächen tun so, als
    gäbe es nur eine einzige durchgehende Personensitzung. Das ist bequem für
    Plattformen, die Konten und Verhalten zusammenführen wollen. Für Nutzerinnen,
    Redaktionen und Community-Betreiber ist es ein Risiko.

    Meine Bewertung: Browserwettbewerb ist daher Infrastrukturpolitik. Es
    geht nicht nur darum, welche Engine eine Seite schneller zeichnet. Es geht
    darum, ob ein Browser unterschiedliche Rollen sichtbar trennt, welche
    Berechtigungen er als selbstverständlich behandelt und wie viel Kontrolle
    bei der Person vor dem Bildschirm bleibt.

    Firefox und Gecko sind in einer Chromium-dominierten Landschaft nicht
    automatisch gut, nur weil sie anders sind. Mozilla muss die Vorschau
    vollständig dokumentieren, Funktionsparität liefern, mobile Plattformen und
    Barrierefreiheit berücksichtigen und die Funktion langfristig warten. Aber
    das Modell der Kontextidentitäten ist ein konkreter Grund, warum eine
    unabhängige Browser-Architektur zählt.

    Fazit: Der Server ist der Anfang, nicht das Ende

    Firefox 153 macht aus Containern eine eingebaute Vorschau und damit eine
    sichtbarere Grenze zwischen digitalen Rollen. Die Funktion kann private,
    redaktionelle und administrative Sitzungen derselben Webseite voneinander
    trennen. Sie ergänzt den Tracking-Schutz, ersetzt ihn aber nicht. Sie hilft
    gegen Vermischung, nicht gegen jede Form der Wiedererkennung oder jeden
    Bedienfehler.

    Der sinnvolle Umgang ist weder Euphorie noch Abwehr. Native Container zuerst
    in einem unkritischen Profil testen. Bestehende Add-on-Regeln nicht
    vorschnell abbauen. Für Alltagsrollen klare Namen und Farben verwenden. Für
    Hochrisiko-Administration stärkere Trennung beibehalten.

    Digitale Souveränität beginnt beim eigenen Server – und scheitert, wenn der
    Browser davor alle Identitäten wieder in einen Topf wirft.

    Quellen

    Abruf der Webquellen in der verwendeten Recherche: 26. Juli 2026.

    1. Mozilla Product Details, firefox_versions.json:
      https://product-details.mozilla.org/1.0/firefox_versions.json
    2. Mozilla/Firefox, Firefox 153.0 Release Notes:
      https://www.firefox.com/en-US/firefox/153.0/releasenotes/
    3. Mozilla Blog, „Experience Better Browsing: Introducing Native Containers
      in Firefox 153“, 21. Juli 2026:
      https://blog.mozilla.org/en/firefox/firefox-containers-preview/
    4. MDN Web Docs, contextualIdentities:
      https://developer.mozilla.org/en-US/docs/Mozilla/Add-ons/WebExtensions/API/contextualIdentities
    5. Mozilla Add-ons, Firefox Multi-Account Containers:
      https://addons.mozilla.org/en-US/firefox/addon/multi-account-containers/
    6. MDN Web Docs, „State Partitioning – Privacy on the web“:
      https://developer.mozilla.org/en-US/docs/Web/Privacy/Guides/State_Partitioning
    7. Mozilla Security Blog, „Firefox 86 Introduces Total Cookie Protection“,
    8. Februar 2021:
      https://blog.mozilla.org/security/2021/02/23/total-cookie-protection/

    CTA

    Diskussion: https://treff.darknight-coffee.eu/@carrabelloy
    Podcast: https://podcast.darknight-coffee.org/pages/startseite
    Blog: https://carrabelloy.darknight-coffee.org/blog/

    Wenn dir das Projekt hilft: Spendenlinks sind im Blog.

  • „Die Gefahren der französischen Gesetzgebung & EU: Wie Browser-Zensur das freie Internet bedroht“

    „Die Gefahren der französischen Gesetzgebung & EU: Wie Browser-Zensur das freie Internet bedroht“

    Die jüngsten Entwicklungen in der französischen Gesetzgebung sind äußerst besorgniserregend und könnten die Freiheit des Internets bedrohen. Der sogenannte SREN-Gesetzentwurf („Projet de loi visant à sécuriser et réguler l’espace numérique“) sieht vor, dass Webbrowser wie Mozillas Firefox verpflichtet werden, Websites direkt im Browser zu blockieren. Dieser Schritt würde nicht nur in Frankreich einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen, sondern auch anderen Ländern als Vorlage dienen, um Browser wie Firefox in Zensurwerkzeuge zu verwandeln.

    Die französische Regierung hat diesen Gesetzentwurf kurz vor der Sommerpause ins Parlament eingebracht und strebt an, ihn schnell und reibungslos zu verabschieden. Dies ist äußerst besorgniserregend, da diese Maßnahme einen schwerwiegenden Eingriff in die Meinungsfreiheit darstellen könnte.

    Es ist wichtig zu verstehen, dass die meisten Webbrowser bereits Mechanismen zur Bekämpfung von Malware und Phishing nutzen, um Benutzer zu schützen. Diese Mechanismen warnen die Benutzer vor gefährlichen Websites, anstatt sie zu blockieren. Die französische Initiative, Websites direkt im Browser zu blockieren, steht in keinem Verhältnis zu den Zielen des Gesetzesvorschlags, nämlich der Betrugsbekämpfung. Stattdessen würde dies einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen und technische Fähigkeiten etablieren, die von autoritären Regierungen missbraucht werden könnten.

    Es gibt sinnvollere Ansätze, um das Internet sicherer zu machen, ohne die Meinungsfreiheit zu gefährden. Gesetzgebung sollte sich auf die Verbesserung bestehender Mechanismen konzentrieren, die von den meisten Browsern genutzt werden, wie beispielsweise Safe Browsing und Smart Screen. Diese Mechanismen könnten durch klare Richtlinien und angemessene Fristen für die Bearbeitung von Anfragen zur Aufnahme von Websites verbessert werden. Diese Anfragen sollten bestimmten Kriterien unterliegen, auf Phishing- und Betrugswebsites beschränkt sein und unabhängigen Expertenprüfungen sowie gerichtlichen Berufungsmöglichkeiten unterliegen.

    Solche Maßnahmen würden eine ausgewogene und koordinierte Vorgehensweise zur Betrugsbekämpfung fördern, ohne die Meinungsfreiheit zu gefährden. Die Nutzung bestehender Schutzmechanismen, die bereits auf Milliarden von Geräten und in Software implementiert sind, ist effektiver, als neue, potenziell gefährliche Zensurwerkzeuge einzuführen.

    Es ist wichtig, dass Bürger sich über diese Entwicklungen informieren und darauf achten, wie Gesetze zur Regulierung des Internets ihre Freiheiten beeinträchtigen könnten. Wir setzen uns weiterhin dafür ein, das offene Internet zu schützen und hoffen auf eine positive Entwicklung in dieser Angelegenheit.

    Mozilla-Digital-Politik

  • Perfect Forward Secrecy –

    Perfect Forward Secrecy –

    Die Zukunft der digitalen Datensicherheit

    Eine Welt von Daten

    In einer Welt, in der unsere Daten mehr und mehr digitalisiert werden, ist es von größter Bedeutung, diese Daten zu schützen. Perfect Forward Secrecy (PFS) könnte eine wichtige Rolle bei der Sicherung unserer Daten in der Zukunft spielen, insbesondere im Hinblick auf den Aufstieg der Quantencomputer. Aber was genau ist PFS, und wie kann es dazu beitragen, unsere Daten sicherer zu machen? In diesem Blogbeitrag werden wir diese Fragen beantworten.

    Was ist Perfect Forward Secrecy?

    Perfect Forward Secrecy ist ein Eigenschaft des sicheren Nachrichtenaustausches, bei dem selbst der Kompromiss eines Langzeitschlüssels die Sicherheit der Vergangenheit Sitzungen nicht beeinträchtigt.

    Jede Sitzung, die Sie mit einer anderen Partei haben, generiert einen einzigartigen Sitzungsschlüssel. Wenn dieser Schlüssel kompromittiert wird, sind nur die Daten dieser spezifischen Sitzung gefährdet. Alle vorherigen und zukünftigen Sitzungen sind weiterhin sicher, da sie ihre eigenen einzigartigen Schlüssel verwenden. Das ist das Wesen von PFS.

    Warum ist Perfect Forward Secrecy wichtig?

    Die gängige Praxis bei der Datenverschlüsselung ist es, den gleichen Schlüssel über mehrere Sitzungen hinweg zu verwenden. Das Problem dabei ist, dass wenn dieser Schlüssel jemals kompromittiert wird, alle Daten, die mit diesem Schlüssel verschlüsselt wurden, gefährdet sind.

    Das Konzept von PFS zielt darauf ab, dieses Problem zu lösen. Indem für jede Sitzung ein einzigartiger Schlüssel generiert wird, minimiert PFS das Risiko, dass ein einzelner kompromittierter Schlüssel eine Vielzahl von Daten gefährdet.

    Perfect Forward Secrecy und Quantencomputer:

    Quantencomputer stellen eine potenzielle Bedrohung für unsere aktuellen Verschlüsselungsmethoden dar. Mit ihrer erhöhten Rechenkraft könnten sie in der Lage sein, unsere gegenwärtigen Verschlüsselungsschlüssel zu knacken.

    PFS stellt hier eine Lösung dar. Selbst wenn ein Quantencomputer einen Sitzungsschlüssel knacken könnte, wäre er nur in der Lage, die Daten dieser spezifischen Sitzung zu entschlüsseln. Alle anderen Sitzungen wären weiterhin sicher.

    Die Anwendung von Perfect Forward Secrecy:

    PFS wird bereits in vielen Bereichen verwendet, insbesondere bei sicheren Webprotokollen wie HTTPS und bei der sicheren Übertragung von E-Mails. Es ist auch eine wesentliche Komponente vieler sicherer Messaging-Apps.

    Abschluss:

    In einer immer mehr vernetzten Welt ist es wichtig, dass wir uns der Sicherheit unserer Daten bewusst sind. Perfect Forward Secrecy bietet eine vielversprechende Lösung zur Bewältigung zukünftiger Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf den Aufstieg der Quantencomputer. Durch die kontinuierliche Weiterentwicklung und Implementierung von PFS können wir hoffen, dass unsere Daten auch in Zukunft sicher bleiben.

  • Brave-Browser im Check

    Brave-Browser im Check

    Reblog via Mike Kuketz

    1. BraveBrave

    Im Rahmen der Artikelserie »Browser-Check« werden diverse Browser auf ihr Datensendeverhalten geprüft. Mittels eines Intercepting-Proxys wird das Verhalten der Browser beim Start und auch während der Nutzung analysiert. Es wird geprüft, wohin ein Browser eine Verbindung aufbaut und welche Daten dabei übermittelt werden. Die Ergebnisse sollen Aufschluss darüber geben, wie datenschutzfreundlich ein Browser in der Standardkonfiguration ist und Tipps ableiten, wie sich das »Nach-Hause-Telefonieren« einschränken oder sogar vollständig abschalten lässt.

    Im vorliegenden Beitrag wird der Brave-Browser analysiert, der für Android, iOS, Windows, macOS und GNU/Linux verfügbar ist. Die Ausgangslage für den nachfolgenden Test von Brave ist wie folgt:

    • Betriebssystem: Android 11
    • Version: 1.51.114 (Google Play Store)
    • Konfiguration: Standardkonfiguration (keine Anpassungen)

    Brave wird aktuell wie folgt beworben:

    Die beste Privatsphäre im Internet

     

    Hinweis

    Die Desktop-Version von Brave wurde bereits im Mai 2021 analysiert. Nachfolgend wird die Android-Version unter die Lupe genommen.

     

    Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelserie:
     

    2.1 Unmittelbar nach dem Start – keine (Nutzer-)Interaktion

    [1] Verbindungsaufbau zu Brave zum Host »go-updater.brave.com« / »componentupdater.brave.com«:

    POST /extensions HTTP/1.1
    Host: go-updater.brave.com
    Content-Length: 683
    Braveservicekey: qjVKcxtUybh8WpKNoQ7EbgbkJTMu7omjDHKk=VrPApb8PwJyPE9eqchxedTsMEWg
    X-Goog-Update-Appid: mfddibmblmbccpadfndgakiopmmhebop
    X-Goog-Update-Interactivity: fg
    X-Goog-Update-Updater: -113.1.51.114
    Content-Type: application/json
    Sec-Fetch-Site: none
    Sec-Fetch-Mode: no-cors
    Sec-Fetch-Dest: empty
    User-Agent: Mozilla/5.0 (Linux; Android 11) AppleWebKit/537.36 (KHTML, like Gecko) Chrome/113.0.0.0 Mobile Safari/537.36
    Accept-Encoding: gzip, deflate
    Connection: close
    
    {
      "request": {
        "@os": "android",
        "@updater": "",
        "acceptformat": "crx3",
        "app": [
          {
            "appid": "mfddibmblmbccpadfndgakiopmmhebop",
            "enabled": true,
            "installsource": "ondemand",
            "ping": {
              "r": -2
            },
            "updatecheck": {},
            "version": "0.0.0.0"
          }
        ],
        "arch": "arm64",
        "dedup": "cr",
        "hw": {
          "avx": false,
          "physmemory": 3,
          "sse": false,
          "sse2": false,
          "sse3": false,
          "sse41": false,
          "sse42": false,
          "ssse3": false
        },
        "ismachine": true,
        "nacl_arch": "arm",
        "os": {
          "arch": "aarch64",
          "platform": "Android",
          "version": "11"
        },
        "prodchannel": "stable",
        "prodversion": "113.1.51.114",
        "protocol": "3.1",
        "requestid": "{7fe2a48e-7708-44bf-bccf-42b2eb32ba07}",
        "sessionid": "{f366bc1d-7552-4b77-8336-36926c960a50}",
        "updaterchannel": "stable",
        "updaterversion": "113.1.51.114"
      }
    }

    Über den Host »go-updater.brave.com« / »componentupdater.brave.com« sucht der Browser nach Updates für Erweiterungen bzw. Browser-Komponenten. In der Standardkonfiguration, ohne die weitere Installation von Add-ons, wird der Aufruf mehrmals wiederholt. Dabei wird unter anderem übermittelt:

    • Betriebssystem: Android
    • Architektur: arm64
    • Arbeitsspeicher: 3 GB
    • Version der Erweiterung/Komponenten: 1.0.39
    • App-ID: oofiananboodjbbmdelgdommihjbkfag (vermutlich eine Referenz zur Erweiterung)

    Sofern Updates bereitstehen, werden diese anschließend über die Gegenstelle »brave-core-ext.s3.brave.com« bezogen/heruntergeladen.

    [2] Weiter geht es mit der Übermittlung von Analysedaten an die Gegenstelle »p3a-json.brave.com«:

    POST / HTTP/1.1
    Host: p3a-json.brave.com
    Content-Length: 205
    X-Brave-P3a: ?1
    Content-Type: application/json
    Braveservicekey: qjVKcxtUybh8WpKNoQ7EbgbkJTMu7omjDHKk=VrPApb8PwJyPE9eqchxedTsMEWg
    Sec-Fetch-Site: none
    Sec-Fetch-Mode: no-cors
    Sec-Fetch-Dest: empty
    User-Agent: Mozilla/5.0 (Linux; Android 11) AppleWebKit/537.36 (KHTML, like Gecko) Chrome/113.0.0.0 Mobile Safari/537.36
    Accept-Encoding: gzip, deflate
    Connection: close
    
    {
       "cadence":"typical",
       "channel":"release",
       "country_code":"DE",
       "metric_name":"Brave.Shields.UsageStatus",
       "metric_value":0,
       "platform":"android-bc",
       "version":"1.51.114",
       "woi":20,"wos":20,
       "yoi":2023,
       "yos":2023
    }

    Beim Verbindungsaufbau zum Host »p3a.brave.com« werden Telemetriedaten bzw. Analysedaten übermittelt. Dahinter steckt das von Brave entwickelte Privacy-Preserving Product Analytics (P3a) – also ein Analyse-Dienst. Ob und wie die Privatsphäre hierbei geschützt wird, habe ich nicht überprüft. Fakt ist, es werden acht Verbindungen zu dieser Gegenstelle initiiert. Solche Zugriffe auf Endeinrichtungen zu Zwecken der (Web-)Analyse, der Marktforschung und jede Form der Werbung ohne informierte Einwilligung ist nach § 25 Abs. 1 TTDSG unzulässig. § 25 TTDSG regelt den Schutz der Privatsphäre bei Endeinrichtungen und setzt Art. 5 Abs. 3 der ePrivacy-Richtlinie um.

    2.2 Brave verbessern

    Kurz nach dem Start erscheint eine Art (Cookie-)Consent-Banner. Dort werden beide Häkchen abgewählt und Fortfahren angetippt:

    Consent-Banner

    [1] Verbindungsaufbau zu Brave zum Host »www.gstatic.com«:

    GET /chrome/ntp/suggested_sites_DEFAULT_5.json HTTP/1.1
    Host: www.gstatic.com
    Sec-Fetch-Site: none
    Sec-Fetch-Mode: no-cors
    Sec-Fetch-Dest: empty
    User-Agent: Mozilla/5.0 (Linux; Android 11) AppleWebKit/537.36 (KHTML, like Gecko) Chrome/113.0.0.0 Mobile Safari/537.36
    Accept-Encoding: gzip, deflate
    Accept-Language: de-DE,de;q=0.9,en-US;q=0.8,en;q=0.7
    Connection: close

    Als Rückgabe erhält der Browser eine Liste mit URLs – vorgeschlagene Seiten. Zu diesen Seiten baut Brave dann auch gleich eine Verbindung auf, um die Favicons zu laden bzw. die Icons darzustellen:

    • Facebook: static.xx.fbcdn.net
    • YouTube: m.youtube.com
    • Amazon: images-na.ssl-images-amazon.com
    • Wikipedia: en.m.wikipedia.org
    • ESPN.com: a.espncdn.com
    • Yahoo: s.yimg.com
    • eBay: ir.ebaystatic.com
    • Instagram: www.instagram.com

    Bei diesen Aufrufen werden keine sensiblen Daten übertragen, aber es sind eben Aufrufe, bei denen technisch bedingt die IP-Adresse an die Gegenstelle übermittelt wird.

    [2] Verbindungsaufbau zu Brave zum Host »variations.brave.com«:

    GET /seed?osname=android&channel=stable&milestone=113 HTTP/1.1
    Host: variations.brave.com
    A-Im: gzip
    Braveservicekey: qjVKcxtUybh8WpKNoQ7EbgbkJTMu7omjDHKk=VrPApb8PwJyPE9eqchxedTsMEWg
    Sec-Fetch-Site: none
    Sec-Fetch-Mode: no-cors
    Sec-Fetch-Dest: empty
    User-Agent: Mozilla/5.0 (Linux; Android 11) AppleWebKit/537.36 (KHTML, like Gecko) Chrome/113.0.0.0 Mobile Safari/537.36
    Accept-Encoding: gzip, deflate
    Connection: close

    Beim ersten Start des Browsers wird ein BraveServiceKey generiert, der für Anfragen an Brave-Server bzw. -Dienste übermittelt wird. Diese Domain wird für die Durchführung von A/B-Tests und die Aktivierung von experimentellen Funktionen in der Brave-Browser-Software verwendet. A/B-Tests ermöglichen es den Entwicklern, verschiedene Versionen des Browsers an eine Stichprobe von Benutzern auszuliefern, um deren Auswirkungen und Leistung zu überprüfen. Laut meinen Erkenntnissen lässt sich dies nicht über die Einstellungen und auch nicht via brave://flags deaktivieren.

    [3] Verbindungsaufbau zu Brave zum Host »laptop-updates.brave.com«:

    GET /1/usage/brave-core?platform=android-bc&channel=release&version=1.51.114&daily=true&weekly=true&monthly=true&first=true&woi=2023-05-15&dtoi=2023-05-19&ref=BRV001&adsEnabled=false&arch=&wallet2=0 HTTP/1.1
    Host: laptop-updates.brave.com
    Pragma: no-cache
    Cache-Control: no-cache
    X-Brave-Api-Key: fe033168-0ff8-4af6-9a7f-95e2cbfc9f4f
    Sec-Fetch-Site: none
    Sec-Fetch-Mode: no-cors
    Sec-Fetch-Dest: empty
    User-Agent: Mozilla/5.0 (Linux; Android 11) AppleWebKit/537.36 (KHTML, like Gecko) Chrome/113.0.0.0 Mobile Safari/537.36
    Accept-Encoding: gzip, deflate
    Connection: close

    Bei diesem GET-Request wird unter anderem die verwendete Plattform (Android), die Brave-Version (1.51.114) und ob Ads aktiviert sind, übermittelt. In der Vergangenheit (Analyse Desktop Version Mai 2021) hat Brave über die Gegenstelle »laptop-updates.brave.com« eine Liste mit Affiliates bzw. Brave-Partnern bezogen. Das ist nun nicht mehr der Fall, die Gegenstelle antwortet folgendermaßen:

    HTTP/1.1 200 OK
    Connection: close
    Content-Length: 75
    Content-Type: application/json; charset=utf-8
    Cache-Control: no-cache, no-store, must-revalidate, private, max-age=0
    Expires: 0
    Pragma: no-cache
    X-Ratelimit-Limit: 1
    X-Ratelimit-Remaining: 0
    X-Ratelimit-Reset: 1800
    Accept-Ranges: bytes
    Date: Fri, 19 May 2023 12:47:12 GMT
    Via: 1.1 varnish
    X-Served-By: cache-fra-eddf8230030-FRA
    X-Cache: MISS
    X-Cache-Hits: 0
    X-Timer: S1684500432.300272,VS0,VE181
    
    {
       "Renderer":null,
       "status":"ok",
       "ts":1684500432,
       "latestVersion":"1.51.118"
    }
    

    Wozu diese Übermittlung erfolgt, bleibt unklar.

    2.3 Während der aktiven Nutzung

    Während der aktiven Nutzung prüft Brave über die Gegenstellen »go-updater.brave.com« / »componentupdater.brave.com« regelmäßig nach Updates. Sofern ein Update bereitsteht, wird über die Adresse »»brave-core-ext.s3.brave.com« ein Download eingeleitet.

    Gelegentlich findet auch eine Kontaktaufnahme zur Gegenstelle »variations.brave.com« statt, die für A/B-Tests bzw. die Aktivierung von experimentellen Funktionen in der Brave-Browser-Software genutzt wird.

    [1] Beim Aufruf einer potenziell unsicheren Domain (bspw. Phishing) nimmt Brave eine direkte Verbindung zu »safebrowsing.googleapis.com« auf. Testen kann man dies bspw. über die Website testsafebrowsing.appspot.com. Ein Blick in die Datenschutzerklärung lohnt sich in diesem Fall:

    The Brave Browser automatically uses Google Safe Browsing to help protect you against websites, downloads and extensions that are known to be unsafe (such as sites that are fraudulent or that host malware). On desktop, we use the Safe Browsing Update API which relies on storing URL hashes locally on your device. We proxy these requests through Brave’s servers to reduce the amount of information sent to Google (for example, we remove your IP address) to protect against Google profiling or tracking you when using Safe Browsing. On iOS, Apple proxies Google Safe Browsing through their own servers. For iOS users in mainland China, Apple may also use the Tencent Safe Browsing service. More details at https://www.apple.com/legal/privacy/data/en/safari/. On Android, we use the SafetyNet Safe Browsing API which sends partial URL hashes directly to Google when a URL is determined to be potentially malicious by the list stored locally on your device, as per the Safe Browsing Update API.

    If you prefer not to use Safe Browsing, just visit brave://settings/security to change your settings to “No protection (not recommended)”. On iOS, open “Brave Shields & Privacy” inside settings and disable “Block Dangerous Sites”. On Android, open “Brave Shields & privacy” inside settings and then set the Safe Browsing option to “No protection (not recommended)”.

    Entscheidend ist:

    On Android, we use the SafetyNet Safe Browsing API which sends partial URL hashes directly to Google when a URL is determined to be potentially malicious by the list stored locally on your device, as per the Safe Browsing Update API.

    Während also die Desktop-Variante Anfragen zu Google Safe Browsing über einen Proxy (safebrowsing.brave.com) leitet, nimmt die Android-Version direkt eine Verbindung zu Google auf. Wer das nicht möchte, der muss die Funktion wie folgt deaktivieren: Einstellungen -> Brave Schutz und Datenschutz -> Safe Browsing -> Kein Schutz (nicht empfohlen).

    3. Er­wäh­nens­wert

    3.1 Basis bzw. Unterbau

    Brave basiert auf Chromium – eine quelloffene Version des Google-Browsers Chrome. Auch andere Browser wie Microsoft Edge, Opera oder Vivaldi setzen auf Chromium als Unterbau und passen den Browser dann an die eigenen Bedürfnisse und Vorstellungen an. Aufgrund der Nähe zu Google (Funktionalitäten wie Safe Browsing oder den Chrome Web Store für Extensions) ist Chromium bzw. darauf basierende Projekte meist eng mit Google verbandelt. Der Quellcode von Brave ist auf GitHub einsehbar.

    Der Browser bietet insgesamt einige Funktionen. Unter anderem:

    • Werbeblocker: Brave Browser verfügt standardmäßig über einen integrierten Werbeblocker namens »adblock-rust«. Der integrierte Werbeblocker unterstützt sowohl die netzwerkbasierte als auch die kosmetische Filterung und ermöglicht zudem CNAME Uncloaking. Im Brave Browser können dieselben Filterlisten verwendet/ergänzt (brave://adblock) werden, die auch in Kombination mit uBlock Origin funktionieren.
    • Brave Rewards: Brave hat ein eigenes Belohnungssystem namens Brave Rewards. Benutzer haben die Möglichkeit, für das Anschauen von privaten Werbeanzeigen BAT (Basic Attention Token) zu verdienen. Diese Tokens können dann an bevorzugte Content-Ersteller gespendet oder für verschiedene Zwecke verwendet werden. Die Nutzung von Brave Rewards ist freiwillig/optional.
    • Brave Wallet: Mit Brave Wallet können Nutzer verschiedene Kryptowährungen wie den BAT und andere ERC-20-Token speichern, senden und empfangen. Auch diese Nutzung ist optional.

    Obwohl Rewards und Wallet optional sind, stellen sie dennoch einen Bestandteil des Browsers dar. Aus meiner Sicht erhöhen sie durch den zusätzlichen Code unnötigerweise die Angriffsfläche des Browsers. Letztendlich liegt es an den Nutzern, zu entscheiden, ob sie Rewards und Wallet verwenden möchten. Wenn Sicherheitsbedenken bestehen, können die Funktionen deaktiviert oder alternative Wallets verwenden werden, die nicht im Browser integriert sind.

    Abgesehen vom aufgeblasenen Funktionsumfang, bietet Brave aufgrund seiner Chromium-Herkunft wichtige Sicherheitstechniken, die das Ausführen von Schadcode (unter Android) erschweren. Dazu zählt unter anderem die »Per-site process isolation«. Diese Funktion (Full Site Isolation) isoliert den Inhalt und den Code einer Website in einem eigenen Prozess, sodass jeder geöffnete Tab oder jede geöffnete Website in einem separaten Prozess ausgeführt wird. Durch die Isolierung der Prozesse kann verhindert werden, dass schädlicher Code oder bösartige Websites auf das gesamte System oder andere geöffnete Tabs zugreifen können. Brave (Android) aktiviert diese Funktion (#enable-site-per-process) standardmäßig. Browser, die auf Firefox (Gecko-Engine) basieren, bieten diese Funktion (Project Fission) ebenfalls – allerdings bis dato ausschließlich auf dem Desktop.

    Hinsichtlich des Schutzes vor Browser-Fingerprinting verfolgt Brave den folgenden Ansatz:

    Brave’s system for protecting users against fingerprinting works differently. Instead of trying to make Brave users look identical (a goal that is not achievable for many users in many cases, without breaking websites or turning off useful browser functionality), Brave tries to make you look as different as possible, for each website, for each session. This prevents browsers from identifying you when you visit other sites, or when you return to the same site in the future.

    Erreicht wird dies unter anderem durch eine Deaktivierung/Anpassung von Funktionen, die Google in Chromium integriert hat. Die Liste ist umfangreich und verdeutlicht die Komplexität und Herausforderungen beim Schutz vor Fingerprinting.

    3.2 Suchmaschine

    Brave Search (die hauseigene Suchmaschine von Brave) ist als Standardsuchmaschine voreingestellt. Im Gegensatz zu anderen Browsern wird allerdings nicht jede Tastatureingabe an Brave Search übermittelt, wenn man etwas im Suchfeld bzw. der Adressleiste eintippt, sondern erst dann, wenn die Suchanfrage auch abgesendet wird. Über Einstellungen -> Suchmaschinen lässt sich die Suchmaschine anpassen.

    3.3 Tracking

    Die Übermittlung von Telemetriedaten lässt sich über den eingangs eingeblendeten Consent-Banner nicht vollständig deaktivieren. Dazu sind weitere Schritte notwendig. Über Einstellungen -> Brave Schutz und Datenschutz muss Folgendes deaktiviert werden:

    Ping der täglichen Nutzung automatisch an Brave senden

    Was allerdings weiterhin aktiv bleibt und sich offenbar nicht deaktivieren lässt: A/B-Testing bzw. Brave-Variations. A/B-Tests fallen nicht pauschal unter Tracking, allerdings möchte nicht jeder Versuchskaninchen sein.

    3.4 Add-ons/Erweiterungen

    Bei der Android-Version von Brave können keine zusätzlichen Add-ons installiert werden.

    3.5 Private Browsing/Privates Fenster

    Keine Auffälligkeiten.

    4. Vorgeschlagene Einstellungen für den Betrieb

    Brave bietet einige Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten. Aus meiner Sicht sollte der Browser wie folgt angepasst werden.

    • Einstellungen -> Brave Schutz und Datenschutz
      • Tracker & Werbung blockieren: Aggressiv (kann Websites »kaputt«/unbenutzbar machen)
      • Immer sichere Verbindungen verwenden: Check
      • Fingerprinting blockieren: Streng (kann Websites »kaputt«/unbenutzbar machen)
      • Google-Anmelde-Buttons auf Drittwebsites erlauben: Uncheck
      • Facebook-Anmeldungen und eingebettete Posts erlauben: Uncheck
      • Eingebettete Twitter-Nachrichten erlauben: Uncheck
      • WebRTC-IP-Nutzungsrichtlinien: Nicht-proxisiertes UDP deaktivieren
      • Safe Browsing: Kein Schutz (optional und nicht für jeden empfehlenswert)
      • Unaufhaltsame Domains: Deaktiviert
      • Ethereum Name Service: Deaktiviert
      • Solana Name Service: Deaktiviert
      • IPFS-Gateway: Deaktiviert
      • Erlaubt Produktanalyse, die den Datenschutz respektiert: Deaktiviert
      • Automatische Diagnoseberichte senden: Deaktiviert
      • Ping der täglichen Nutzung automatisch an Brave senden: Deaktiviert
    • Brave News: Deaktiviert
    • Brave Rewards
      • Anzeigen zeigen, wenn Brave nicht verwendet wird: Deaktiviert
    • Brave Wallet
      • Web3-Benachrichtigungen anzeigen: Deaktiviert
    • Suchmaschinen
      • Standard-Registerkarte: Startpage
      • Privater Tab: Startpage
    • Startseite: Aus
    • Darstellung
      • Brave-Belohnungen-Symbol in der Adressleiste anzeigen: Uncheck
    • Neuer-Tab-Seite
      • Hintergrundbilder an: Uncheck
      • Gesponserte Bilder anzeigen: Uncheck

    Wenn man in der Adressleiste brave://adblock aufruft, kann man noch zusätzliche Filterlisten aktivieren:

    Filterliste

    Über die Eingabe brave://flags gelangt man in die Entwickleroptionen, mit der Nutzer auf experimentelle Funktionen zugreifen und diese aktivieren oder deaktivieren können, um das Verhalten des Browsers anzupassen. Diese experimentellen Funktionen können verschiedene Bereiche des Browsers betreffen, einschließlich der Leistung, des Datenschutzes, der Benutzeroberfläche und vielem mehr.

    5. Fazit

    Die Einschätzung von Brave, sowohl in der Desktop-Version als auch in der mobilen Variante, ist gemischt. Die Standardeinstellungen des Browsers sind nicht optimal und gemäß § 25 Abs. 1 des TTDSG bedarf es einer Zustimmung für die Analyse. Weiterhin bleibt unklar, ob und zu welcher A/B-Testgruppe man gehört – nicht jeder möchte das Versuchskaninchen für experimentelle Funktionen sein. Ebenfalls enttäuschend ist, dass Google Safebrowsing-Anfragen (unter Android) nicht über den Brave-Proxy geleitet werden.

    Über die Einstellungen des Browsers kann das Verhalten jedoch positiv beeinflusst werden – einzig bei Brave-Variations (variations.brave.com) habe ich keine Möglichkeit gefunden, dies zu deaktivieren. Insgesamt bietet Brave eine Vielzahl an Funktionen, mit denen der Browser an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden kann. Durch den integrierten Werbeblocker, Funktionen wie der Site Data Isolation und den Anpassungen gegenüber Chromium ist der Schutz vor Fingerprinting als hoch einzustufen. In Bezug auf die Sicherheit haben Chrome-basierte Browser (unter Android) derzeit einen Vorteil gegenüber den Firefox-basierten Browsern, dank Funktionen wie der Full Site Isolation.

    Letztendlich muss jedoch festgestellt werden, dass die öffentliche Darstellung und das Versprechen zum Schutz der Privatsphäre nicht vollständig mit dem tatsächlichen Verhalten in der Praxis übereinstimmen. Dennoch: Wer einen Chrome-basierten Browser unter Android sucht, der kann Brave in die engere Auswahl nehmen.

    Mitmachen: Der Kuketz-Blog ist spendenfinanziert!