Er ist jung, wortgewandt, eloquent und auf YouTube, TikTok und in politischen Formaten derzeit omnipräsent: Max Mannert, Gründer von Apollo News, wird von vielen bereits als der „neue liberale Hoffnungsträger“ gefeiert. Er tritt auf als Gegenstimme zum Mainstream, gibt sich rebellisch – und doch bleibt vieles an seiner Haltung seltsam glatt, widersprüchlich und im tiefsten Inneren erstaunlich FDP-nah.
In diesem Beitrag will ich einen genaueren Blick auf Max Mannert werfen – nicht als persönlichen Angriff, sondern als notwendige Einordnung in einen Medienhype, der sich selbst zu wenig reflektiert. Denn bei aller Medienkritik, die Mannert äußert: Wer sich selbst zum Sprachrohr einer vermeintlichen „neuen Aufklärung“ macht, muss sich auch selbst aushalten – im Spiegel seiner eigenen Aussagen.
1. Zwischen Wehrpflicht, Eigenverantwortung und bequemer Distanz – Max Mannert und die „liberale Rhetorik des schlanken Fußes“
In einem Interview – unter anderem bei Simone Kurweck – wurde Max Mannert direkt gefragt, ob er sich vorstellen könne, zur Bundeswehr zu gehen oder im Rahmen einer wieder eingeführten Wehrpflicht gemustert zu werden. Seine Antwort: eher ausweichend, eher kritisch. Die Frage sei für ihn „ideologisch aufgeladen“, das Thema an sich zu sehr von älteren Menschen dominiert, die – so seine Argumentation – in einer Demokratie eben die Mehrheit stellen und damit auch über seine Generation hinweg entscheiden würden.
Interessant ist hier, wie sehr sich Mannert an der Stelle windet. Einerseits spricht er von einer ungleichen Machtverteilung zwischen Alt und Jung, was in der Analyse durchaus stimmt – aber gleichzeitig drückt er sich um eine klare Haltung herum. Waffe tragen? Nein danke. Krieg? Nicht sein Ding. Und doch, so scheint es, profitiert er von der moralischen Fallhöhe, die solche Fragen mit sich bringen, um sich rhetorisch als „differenzierter Kopf“ zu inszenieren – ohne wirklich Position zu beziehen.
Gleichzeitig fordert er – wie so oft auf Apollo News – eine stärkere Eigenverantwortung, mehr Arbeitszeit für Arbeitnehmer, Einsparungen bei Renten und eine Rückkehr zur „wahren Marktwirtschaft“. Der klassische FDP-Kanon, abgeschmeckt mit liberalem Sendungsbewusstsein. Nur: Wenn es an seine eigene Verantwortung geht, macht er einen Rückzieher. Die Wehrpflicht ist ihm zu hart, die Waffe zu unbequem, und für den Ernstfall fehlt ihm der Wille zur Konsequenz.
Das erinnert stark an den berühmten „schlanken Fuß“, den die FDP sich immer dann macht, wenn’s ans Eingemachte geht: Forderungen stellen – ja. Selbst tragen – lieber nicht. Genau in diesem Punkt wird Max Mannert unglaubwürdig. Denn wie glaubhaft ist ein Ruf nach mehr Disziplin und Verantwortung, wenn man selbst beim ersten echten Einsatzfall kneift?
Auch sein wiederholtes Lamentieren über den „Verlust von Identität, Wahrheit, Kultur und Wachstum“ wirkt da eher wie eine blau gelackte Plattitüde, die zwar auf TikTok funktioniert, aber in der Tiefe keinen wirklichen Boden hat. Wer sich auf Marktwirtschaft beruft, sollte auch bereit sein, ihre sozialen Spannungen auszuhalten – und nicht nur dort zu kritisieren, wo es ins linke Lager passt.
2. Die „Woken Linken“ und das Märchen vom verlorenen Wohlstand – Mannerts Niedergangserzählung auf dünnem Fundament
In einem seiner Interviews – vermutlich bei Simone Kurweck oder in ähnlichen Formaten – entwirft Max Mannert ein gewohntes Bild: Die deutsche Gesellschaft sei früher einmal großartig gewesen, besonders in den 70er- bis 90er-Jahren. Eine breite Mittelschicht, funktionierendes Aufstiegsversprechen, Eigenheim, Urlaub, Auto, Wohlstand für alle – ein durch und durch positives Gesellschaftsmodell, wie er es nennt.
Doch dieses Modell, so Mannert, sei durch eine politische Linke zerstört worden, die – getrieben von ihrer ideologischen Arroganz – alles schlechtrede: den Nationalstaat, die Kultur, das Auto, den Wohlstand, die fossilen Energien. Statt sich zum bestehenden System zu bekennen, habe man angefangen, dieses systematisch zu demontieren – unter dem Deckmantel von Klimapolitik, Wokeness, Energie- und Sozialwende.
Er wirft dieser „linken Elite“ vor, eine Politik gemacht zu haben, die den Wohlstand bewusst aufgegeben habe: durch Verbote, durch Regulierung, durch eine übergriffige Geldpolitik. Und immer wieder fällt dabei ein Begriff, der als stiller Subtext mitschwingt: Hass – Hass auf Deutschland, Hass auf das Alte, Hass auf Normalität.
Und hier, an diesem Punkt, lohnt es sich, genau hinzusehen.
Denn was Mannert da erzählt, ist keine neutrale Analyse, sondern eine politisch konstruierte Erzählung, die sich eines stark emotionalisierten „Verlustdenkens“ bedient. Es ist die alte neoliberale Mär von der goldenen Vergangenheit, die angeblich von einer übergriffigen, linken Moral zerstört wurde. Nur:
– Weder war die Gesellschaft damals so gleichberechtigt, wie er suggeriert,
– noch ist der heutige soziale Verfall ausschließlich auf linke Politik zurückzuführen,
– und erst recht war das Aufstiegsversprechen kein Geschenk des Marktes, sondern das Ergebnis sozialdemokratischer, arbeitnehmernaher Politik.
📍Neuer Abschnitt: Die Eigentumsfrage – Heiliger Besitz und der liberal-kapitalistische Reflex
Ein besonders aufschlussreicher Moment in Max Mannerts Denken offenbart sich immer dann, wenn er über Eigentum spricht. In einem Gespräch – mutmaßlich wieder bei Kurweck oder einem anderen Youtube-Format – entfaltet er ein klares Weltbild:
Eigentum ist heilig. Punkt.
Nicht verhandelbar, nicht regulierbar, nicht begrenzbar. Und jeder Eingriff des Staates – sei es durch Erbschaftssteuer, Vermögensabgaben, progressive Besteuerung oder Unternehmensregulierung – ist für ihn ein moralischer Tabubruch.
Er sagt sinngemäß:
„In einer freien Gesellschaft ist das Eigentumsrecht das Fundament. Wer in einem freien Wettbewerb Vermögen erwirtschaftet hat, dem gehört es. Punkt. Der Staat hat kein Recht, darüber zu verfügen – egal ob es um Millionen oder Milliarden geht. Wenn man einmal anfängt, Grenzen zu ziehen, kann man sie überall ziehen. Und genau das darf nicht sein.“
Damit entlarvt sich sein Freiheitsbegriff als eindimensional – als ein rein wirtschaftsliberales Konzept, das nur den Schutz von Besitzenden kennt, aber nicht die Realität der Besitzlosen, der Abgehängten, derer, die gar nicht erst Teil dieses „freien Wettbewerbs“ sind.
Dass Eigentum immer auch Macht bedeutet, dass große Vermögen ganze Gesellschaften beeinflussen, Demokratien unter Druck setzen, Märkte verzerren – davon ist bei ihm nicht die Rede. Stattdessen verteidigt er die Reichen als tragende Säulen des Fortschritts, als Innovationsmotor, als notwendiges Übel, um allgemeinen Wohlstand zu erzeugen.
4. Mein Eigentumsbegriff: Freiheit braucht Fairness – nicht grenzenlose Anhäufung
Wörtlich (oder sinngemäß) sagt er:
„Wohlstand für alle entsteht nicht durch Umverteilung, sondern durch Wachstum, Innovation und Unternehmertum. Deshalb braucht eine Gesellschaft auch Milliardäre.“
Doch wer bestimmt, was „Wohlstand für alle“ heißt?
Wer definiert, was „Innovation“ ist?
Und warum sollten ausgerechnet Milliardäre als Garant für Gerechtigkeit herhalten – wenn sie in Wahrheit oft von staatlicher Infrastruktur, Arbeitskraft der Vielen und Steuerschlupflöchern profitieren, die genau dieses System aufweichen?
Was Mannert betreibt, ist die Moralisierung des Marktes:
Er kleidet wirtschaftliche Machtverhältnisse in moralische Prinzipien und macht daraus eine Art Eigentumsreligion. Dabei ist das Eigentumsrecht nicht naturgegeben, sondern ein gesellschaftlicher Vertrag – und jeder Vertrag darf diskutiert, hinterfragt und angepasst werden.
Vor allem dann, wenn wenige alles besitzen – und viele kaum etwas zum Leben haben.
Was wir jetzt in der Politik,selbst erleben, zeigt, warum das jedes Mal diskutiert werden muss!
5. Fazit: Freiheit heißt auch, sich auszuhalten
Trotz aller Kritik an Max Mannert und seiner wirtschaftsliberalen Engführung gibt es einen Punkt, den ich ihm hoch anrechne: Sein Einsatz für die Meinungsfreiheit.
Denn in einer Zeit, in der immer mehr Gedanken, Worte und Perspektiven gefiltert, moralisiert oder vorsortiert werden, braucht es Menschen, die sagen:
„Ich darf das sagen.“ – Und andere dürfen widersprechen.
Meinungsfreiheit ist für mich genauso ein Grundwert wie das Eigentumsrecht – vielleicht sogar noch fundamentaler. Sie darf nicht durch Angst, Konformitätsdruck oder digitale Daumenregeln eingeschränkt werden. Jeder Mensch sollte das Recht haben, zu sagen, was er denkt, zu schreiben, was ihn bewegt und zu fühlen, was ihn betrifft – ohne sofort an Pranger oder Algorithmen zu geraten.
Und ja: Auch das hat Guido Westerwelle schon früh erkannt. Damals, unterwegs mit seinem gelben Mobil, warnte er:
„Die Meinungsfreiheit stirbt nicht mit einem großen Knall, sondern sie stirbt Zentimeter für Zentimeter, wenn wir nicht aufpassen.“
Heute sind wir genau an diesem Punkt.
Deshalb braucht es Texte wie diesen, Diskussionen wie diese, Widerspruch, Perspektiven, auch Provokation – aber eben mit Haltung.
Denn Demokratie heißt nicht, dass alle das Gleiche sagen.
Sondern dass jeder das Seine sagen darf – und die anderen zuhören.

