Darknight Coffee Netzwerk

Carrabelloy ' Meine Hobbys sind so vielseitig

Schlagwort: CDU Nordrhein-Westfalen

  • Deutschland wird systematisch kaputtgelogen – und die eigenen Leute sollen stillhalten

    Deutschland wird systematisch kaputtgelogen – und die eigenen Leute sollen stillhalten

    **Deutschland wird systematisch kaputtgelogen – und die eigenen Leute sollen stillhalten**

    Es reicht. Es reicht wirklich. Man muss sich das mal ganz nüchtern anschauen, was hier gerade in diesem Land abgeht. Wir haben ein Land, das sich selbst kaputt macht, und statt endlich die Notbremse zu ziehen, wird weiter gelogen, beschönigt, Geld mit vollen Händen rausgeschmissen und Kritiker mundtot gemacht.

    Nehmen wir nur mal NRW. Hendrik Wüst gibt selbst zu, dass rund **100.000 schulpflichtige Kinder** kein vernünftiges Deutsch sprechen – viele davon hier geboren und aufgewachsen. Und was sagt er? „Ist ja nicht so schlimm.“ Während Lehrer verzweifeln, weil sie in manchen Klassen kaum noch unterrichten können. Gleichzeitig lässt man weiter Massen an Flüchtlingen ins Land. 2025 hat der Bund allein fast **25 Milliarden Euro** für Migration ausgegeben.

    Gleichzeitig fließt das Geld an Organisationen wie **Pro Asyl** und ein ganzes Netzwerk von über 330 Organisationen und mehr als 420 Förderprogrammen, die sich um „Desinformation“ und Inhaltskontrolle kümmern. Die werden vom Staat bezahlt und dürfen dann als „Trusted Flagger“ Inhalte bei Plattformen melden. Das ist kein Geheimnis mehr.

    Und die Medien machen fleißig mit. **NTV, RTL, Bertelsmann** – alles ein großer Laden. Da sitzen Leute wie Blome und Pepper und bauen irgendwelche Themen künstlich auf, verdrehen Fakten und tun so, als wäre jede kritische Stimme automatisch „rechts“.

    Am krassesten war’s heute wieder bei Nena Brockhaus in ihrer Sendung „Meinungsfreiheit“. Da hat ein Journalist: Wolfgang Büscher und „Die Arche“ ganz offen erzählt, wie er mit einer ZDF-Kollegin gesprochen hat. Die hat ihm im Beisein eines weiteren Kollegen klipp und klar gesagt: „Bei uns sind sehr viele Linke, da darfst du bestimmte Themen gar nicht richtig ansprechen, da kommst du damit nicht durch.“ Das ist kein Hörensagen mehr – das wurde heute öffentlich in der Sendung ausgesprochen. Und jeder weiß, dass es bei der ARD genau dasselbe ist.

    **Compact** wurde verboten, weil es nicht ins Narrativ passte – bis das Gericht das Verbot wieder gekippt hat. Das zeigt doch alles: Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Kritik an Massenzuwanderung? Rechts. Kritik am Zensurnetzwerk? Rechts. Kritik an den Milliardenausgaben? Auch rechts.

    Wir finanzieren Mülltrennung in Afrika, während hier die eigenen Straßen, Schulen und Krankenhäuser unter Druck stehen. Wir halten ein Heer von NGOs am Leben, die gegen das eigene Volk arbeiten, und wundern uns, dass die Leute die Schnauze voll haben und in Ostdeutschland die AfD wählen.

    **Es ist alles verlogen.** Die Sprache geht verloren, die Schulen brechen zusammen, die Kosten explodieren, und gleichzeitig wird uns erzählt, das sei alles nicht so schlimm und wer was dagegen sagt, sei ein Rechter.

    Es muss komplett umgesteuert werden. Weniger reinlassen. Die Förderungen für diese ganzen Netzwerke sofort stoppen. Kein Geld mehr für Organisationen, die uns vorschreiben wollen, was wir denken dürfen. Erst das eigene Land wieder auf die Beine stellen – dann können wir über Solidarität reden.

    Das ist kein rechter Gedanke. Das ist gesunder Menschenverstand. Und immer mehr Menschen in diesem Land haben genau diesen Verstand wieder eingeschaltet.

    Quellen und Nachweise

    Weiterfuehrender eigener Beitrag: Deutschland, Meinungsfreiheit und das wachsende Zensurnetzwerk

  • Wenn Feuerwehr, THW, Bauern und Bundeswehr den Laden retten, sollte die CDU nicht so tun, als sei ein Reel schon Katastrophenschutz

    @matthiaskerkhoff , bevor Sie hier wieder die nächste CDU-Phrasenmaschine anwerfen, sollten Sie vielleicht erst einmal zusammen mit @bundeskanzler, @merzcdu, @ursulavonderleyen und der ganzen @cdu_fraktion_nrw ein paar sehr konkrete Fragen beantworten.

    Denn was Sie hier verkaufen wollen, klingt wieder nach dieser typischen Nummer:

    Schlimmes Ereignis.
    Ehrenamtliche reißen sich den Hintern auf.
    Feuerwehr, THW, Bauern und Bundeswehr halten den Laden zusammen.
    Und am Ende stellt sich die Politik daneben und tut so, als sei das alles Ergebnis guter Regierungsarbeit.

    Nein.

    Was bis jetzt erreicht wurde, haben in erster Linie die Menschen vor Ort geleistet.

    Feuerwehr.
    Ehrenamtliche.
    THW.
    Bauern mit Gerät.
    Bundeswehr mit Bergepanzer.
    Rettungsdienste.
    Helfer, die stunden- und tagelang im Rauch standen.

    Das Volk hat sich längst bei diesen Menschen bedankt.

    Nicht bei CDU-Phrasendreschern, die hinterher schöne Reels drehen.

    Und dann dieses Gerede, es sei niemand verletzt worden oder alles sei glimpflich gelaufen.

    Eine Farce.

    Was ist mit den Einsatzkräften, die Rauch abbekommen haben?
    Was ist mit Feuerwehrleuten und Ehrenamtlichen, die gesundheitlich belastet wurden?
    Was ist mit den Menschen, die evakuiert werden mussten?
    Was ist mit den Wäldern?
    Was ist mit der Biodiversität?
    Was ist mit den Hunderten Hektar Natur, die verbrannt oder beschädigt wurden?
    Was ist mit den Tieren?
    Was ist mit den Böden?
    Was ist mit dem Wasserhaushalt?
    Was ist mit der Frage, warum so viel wieder nur durch Improvisation, Amtshilfe und Einsatzbereitschaft der Ehrenamtlichen aufgefangen werden musste?

    Sie tun so, als sei das Entscheidende, dass man hinterher eine Erfolgsmeldung formulieren kann.

    Aber die eigentlichen Fragen bleiben doch liegen.

    Warum sind Feuerwehren, Katastrophenschutz und Waldbrandvorsorge nicht längst so ausgestattet, wie es die Lage erfordert?

    Warum braucht es wieder erst den Ernstfall, damit Politik merkt, dass Waldbrand nicht mehr irgendein Randthema ist?

    Warum wird immer erst reagiert, wenn es brennt?

    Warum gibt es für alles Geld in Berlin und Brüssel, aber vor Ort fehlen Ausrüstung, Personal, Strukturen, Fahrzeuge und echte Vorsorge?

    Warum müssen Bürger, Bauern, Ehrenamtliche und Einsatzkräfte immer wieder das ausbaden, was Politik vorher verschlafen hat?

    Das kennen wir doch schon aus dem Ahrtal.

    Auch da wurde danach geredet, geprüft, versprochen und betroffen geschaut.

    Und am Ende bleiben bei vielen Bürgern dieselben Fragen:

    Wer übernimmt Verantwortung?
    Wer tritt zurück?
    Wer hat versagt?
    Wer hat gewarnt?
    Wer wurde nicht gehört?
    Und warum passiert Konsequenz in diesem Land immer nur unten, aber fast nie oben?

    Ich frage mich wirklich, was man dieser Laberpartei CDU überhaupt noch glauben soll.

    Bei Waldbrandvorsorge: Phrasen.
    Beim Katastrophenschutz: Phrasen.
    Bei Infrastruktur: Phrasen.
    Bei Sicherheit: Phrasen.
    Bei Gesundheit: Phrasen.
    Bei Rente: Phrasen.
    Bei Migration: Phrasen.
    Bei Brüssel: Phrasen.

    Und wenn es ernst wird, stehen wieder Feuerwehr, THW, Bauern, Bundeswehr und Ehrenamtliche draußen und retten, was Politik vorher nicht organisiert bekommen hat.

    Hinzu kommt: Es ist noch längst nicht alles geklärt.

    Ich habe dazu Anfragen versandt. Und wenn sich bestätigt, was im Raum steht, dann haben nicht nur @merzcdu und @bundeskanzler, sondern auch @ursulavonderleyen und der ganze Brüsseler Apparat erheblichen Erklärungsbedarf gegenüber den Menschen in Deutschland und Europa.

    Denn dieses Thema ist größer als ein Reel und größer als eine CDU-Erfolgsmeldung.

    Es geht um Katastrophenschutz.
    Es geht um Waldbrandvorsorge.
    Es geht um Klima und Trockenheit.
    Es geht um Biodiversität.
    Es geht um Infrastruktur.
    Es geht um Wasser.
    Es geht um echte Vorbereitung statt politischer Selbstinszenierung.

    Und nein, das löst man nicht nur mit Rückhaltebecken aus Beton im Wald und schönen Worten im Instagram-Video.

    Ihr habt in allen Bereichen Handlungsbedarf.

    Aber statt ehrlich Verantwortung zu übernehmen, gibt es wieder nur Phrasen, Dankesworte und politische Selbstvermarktung.

    Die Ehrenamtlichen haben geliefert.

    Die Bürger haben geholfen.

    Die Einsatzkräfte haben riskiert.

    Und die CDU?

    Die dreht wieder ein Statement.
    „Ergänzend dazu: Während Politik und CDU wieder Phrasen dreschen, zeigen diese Aufnahmen, wer im Ernstfall wirklich draußen steht: Feuerwehr, THW, Bauern, Bundeswehr und Ehrenamtliche. Nicht die Phrasendrescher in ihren Parteibüros halten den Laden zusammen, sondern die Menschen vor Ort.“

    Videos: Europa brennt

    Sieh dir Fotos und Videos auf Instagram an(18).mp413,7 MB
    Sieh dir Fotos und Videos auf Instagram an(17).mp43,0 MB
    Sieh dir Fotos und Videos auf Instagram an(16).mp46,0 MB
    Sieh dir Fotos und Videos auf Instagram an(15).mp46,7 MB
    Sieh dir Fotos und Videos auf Instagram an(14).mp47,4 MB
    Sieh dir Fotos und Videos auf Instagram an(13).mp424,1 MB
    Sieh dir Fotos und Videos auf Instagram an(12).mp410,5 MB
    Sieh dir Fotos und Videos auf Instagram an(11).mp419,1 MB
    Sieh dir Fotos und Videos auf Instagram an(10).mp422,8 MB
    Sieh dir Fotos und Videos auf Instagram an(9).mp47,5 MB
    Sieh dir Fotos und Videos auf Instagram an(8).mp423,9 MB
    Sieh dir Fotos und Videos auf Instagram an(7).mp43,5 MB
    Sieh dir Fotos und Videos auf Instagram an(6).mp48,3 MB
    Sieh dir Fotos und Videos auf Instagram an(5).mp415,4 MB
    Sieh dir Fotos und Videos auf Instagram an(4).mp412,1 MB
    Sieh dir Fotos und Videos auf Instagram an(3).mp411,8 MB
    Sieh dir Fotos und Videos auf Instagram an(2).mp414,7 MB
    carrabelloy.blog_20260814_reel_3963632527740173135_1_3963632527740173135.mp492,6 MB
    VID-20260813-WA0006.mp4826,3 KB
    VID_20260814_183646_413.mp494,5 MB
    VID_20260815_202911_930.mp452,4 MB
    waldbrand_sprit_abgabe.mp43,3 MB
    VID_20260817_045159_368.mp42,9 MB
    screen-20260817-214708.mp48,0 MB
    VID_20260817_155814_357.mp4305,1 MB
    VID_20260817_160142_284.mp419,9 MB
    VID_20260817_160149_086.mp419,9 MB
    2026-08-18-04-32-43-317.mp4188,0 MB
    sat1nrw_20260817_reel_3965909731864634980_1_3965909731864634980.mp417,8 MB
    ursulavonderleyen_20260817_STORIES_3965689452596865261_1_3965689452596865261.mp43,9 MB
    VID_20260817_160247_013.mp499,2 MB
    VID_20260817_192906_946.mp499,2 MB
    Belgien kämpft gegen einen historischen Waldbrand In dieser alte.mkv5,9 MB
    Großbrand in NRW Rund 1.800 Menschen mussten ihre Häuser verlass.mkv7,4 MB
    eifeldrei.tv_20260814_reel_3963456171290940342_1_3963456171290940342.mp42,4 MB

    Europa brennt – und wer entscheidet eigentlich über angebotene Hilfe?

  • Oliver Kehrl: Wenn ein politisches Netzwerk über „Leistungsträger“ urteilt

    Oliver Kehrl: Wenn ein politisches Netzwerk über „Leistungsträger“ urteilt

    Ein weiteres Beispiel für diese einseitige Debatte liefert der Kölner CDU-Politiker Oliver Kehrl.

    Kehrl teilt auf X einen Beitrag von Ulf Poschardt mit der zugespitzten Formulierung:

    „SPD-Pläne: Umverteilen, bis der Sozialismus vollendet ist.“

    Außerdem verbreitet er einen Beitrag von Rainer Zitelmann, in dem Spitzenverdiener und Vermögende als „die Besten der Besten“ und als besonders „Leistungswillige“ bezeichnet werden. Staatliche Ausgaben für Entwicklungshilfe, Nichtregierungsorganisationen und Integrationsmaßnahmen werden dagegen pauschal als ideologischer Unsinn dargestellt.

    Das ist keine nüchterne wirtschaftspolitische Analyse. Es ist ein klares politisches Weltbild: Oben stehen Unternehmer, Spitzenverdiener und Vermögende. Unten stehen diejenigen, die staatliche Unterstützung benötigen oder aus öffentlichen Mitteln finanziert werden.

    Genau dieses Denken findet sich bereits in der Auseinandersetzung zwischen Thorsten Alsleben und Karl Lauterbach wieder.

    Der eine bezeichnet Politiker und Professoren als „Kostgänger“. Der andere erklärt, auf auswanderungswillige Wohlhabende könne Deutschland verzichten. Und Oliver Kehrl verbreitet Beiträge, in denen Vermögende gleich zu den „Besten der Besten“ erklärt werden.

    So entsteht keine sachliche Debatte über Steuern, Sozialausgaben und wirtschaftliche Fehlentwicklungen. Es entsteht eine moralische Rangordnung der Gesellschaft.

    Kehrl ist nicht nur ein unbeteiligter Bürger

    Oliver Kehrl ist kein beliebiger X-Nutzer, der sich gelegentlich über Politik ärgert.

    Er war von 2017 bis 2022 Mitglied des nordrhein-westfälischen Landtags. Heute ist er Vorsitzender der CDU im Kölner Stadtbezirk Rodenkirchen. Auf seiner CDU-Seite werden außerdem Tätigkeiten beziehungsweise Verbindungen zur Mittelstands- und Wirtschaftsunion NRW, zum Wirtschaftsrat NRW und zum Ausschuss Stadtentwicklung der IHK Köln aufgeführt. Im Juli 2026 nominierte ihn die CDU mit 92,5 Prozent erneut als Kandidaten für die Landtagswahl 2027.

    Damit bewegt er sich selbst genau in dem Geflecht aus Politik, Wirtschaft und Verbänden, dessen Einfluss auf staatliche Entscheidungen kritisch untersucht werden müsste.

    Das ist nicht automatisch verwerflich. Politiker sollen Kontakte zu Unternehmen, Vereinen und Verbänden haben. Problematisch wird es, wenn jemand aus einem solchen Netzwerk heraus andere Menschen als Belastung des Staates darstellt, während die eigenen politischen und wirtschaftlichen Interessen als selbstverständlicher Dienst am Gemeinwohl erscheinen.

    Erst das Ratsmandat ablehnen, dann wieder für den Landtag kandidieren

    Bei der Kölner Kommunalwahl 2025 gewann Kehrl seinen Wahlkreis und hätte in den Stadtrat einziehen können. Wenige Wochen später verzichtete er jedoch auf das Mandat. Als Begründung sprach er von persönlicher beziehungsweise politischer Glaubwürdigkeit und kritisierte ausbleibende Konsequenzen innerhalb der Kölner CDU.

    Nun kandidiert er erneut für den nordrhein-westfälischen Landtag.

    Auch das ist sein gutes Recht. Trotzdem darf man fragen: Weshalb bewirbt sich ein Politiker um ein kommunales Mandat, nimmt es nach der erfolgreichen Wahl aber nicht an und strebt kurze Zeit später wieder ein Landesmandat an?

    Die Bürger haben ihn gewählt, damit er ihre Interessen im Kölner Rat vertritt. Ein gewonnenes Mandat ist kein unverbindliches Stellenangebot, das man nach der Wahl einfach ausschlägt, weil die parteiinternen Verhältnisse nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen.

    Gerade Politiker, die ständig Leistung, Verantwortung und Verlässlichkeit von anderen verlangen, müssen sich an denselben Maßstäben messen lassen.

    Die Interessen des 1. FC Köln als politische Glaubwürdigkeitsfrage

    Kehrl setzt sich außerdem öffentlich für den Ausbau des Trainingsgeländes des 1. FC Köln am Geißbockheim und auf den Gleueler Wiesen ein. Er erklärte, der FC habe die Unterstützung der Politik verdient, und bezeichnete dessen Ausbau sogar als eine Frage der politischen Glaubwürdigkeit.

    Eine solche Position darf er vertreten. Der 1. FC Köln besitzt für die Stadt sportliche, kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung.

    Aber der Verein ist nicht mit der gesamten Stadtgesellschaft gleichzusetzen.

    Auch Breitensportvereine, Anwohner, Umweltverbände und Bürger, die den Grüngürtel erhalten wollen, haben legitime Interessen. Nach dem 2024 ausgehandelten Kompromiss zum Ausbau äußerten beispielsweise Vertreter des Breitensports Sorgen, weil sie Nachteile für andere Vereine befürchteten.

    Deshalb sollte die Frage nicht lauten, ob man für oder gegen den FC ist. Die Frage muss lauten:

    Wessen Interessen erhalten direkten Zugang zur Politik – und wessen Interessen werden als störend, ideologisch oder leistungsfeindlich abgetan?

    Dass Kehrl den Ausbau des FC öffentlich unterstützt, beweist noch keinen unzulässigen Lobbyismus und erst recht keine Korruption. Es zeigt aber, welche Interessen er politisch besonders stark vertritt. Genau das darf ein kritischer Blog sichtbar machen.

    Die Verbindung zu Ulf Poschardt und Axel Springer

    Kehrls Beitrag verweist zugleich auf Ulf Poschardt, der bei Axel Springer nach dem Ende seiner Herausgebertätigkeit als sogenannter „Freiester Mitarbeiter“ weiterarbeitet. Springer will seine Reichweite und seine Wirkung im Rahmen einer Creator-Strategie sogar weiter ausbauen.

    Poschardts Texte und Podcasts vertreten seit Jahren eine betont wirtschaftsliberale und anti-etatistische Linie. Seine Beiträge sind als Meinung und Kommentar gekennzeichnet. Das ist legitim. Problematisch wird es dort, wo solche Kommentare von Politikern und Lobbyvertretern weiterverbreitet werden und anschließend wie eine objektive Zustandsbeschreibung des Landes wirken.

    Der Ablauf ist immer ähnlich:

    Ein prominenter Journalist formuliert eine möglichst scharfe These. Ein Politiker oder Verbandsvertreter verbreitet sie. Andere Medien greifen die daraus entstehende Empörung auf. Anschließend erscheint die politische Botschaft nicht mehr als Meinung eines Einzelnen, sondern als angeblich allgemeine gesellschaftliche Erkenntnis.

    So verstärken sich Medien, Politik und wirtschaftliche Interessen gegenseitig.

    Es braucht dafür keine geheime Absprache. Es genügt, dass dieselben Personen ähnliche Interessen vertreten, dieselben Begriffe verwenden und sich gegenseitig Reichweite verschaffen.

    Die Doppelmoral der „Leistungsträger“-Debatte

    Oliver Kehrl wurde selbst als Landtagsabgeordneter aus öffentlichen Mitteln bezahlt. Er ist Parteifunktionär und möchte erneut in ein staatlich finanziertes Parlament einziehen.

    Das macht ihn nicht zu einem „Kostgänger“. Parlamentarische Arbeit ist eine notwendige öffentliche Aufgabe.

    Aber genau deshalb ist die Bezeichnung anderer öffentlich Beschäftigter als bloße Belastung so falsch.

    Professoren bilden Fachkräfte aus. Lehrer ermöglichen Bildung. Verwaltungsbeschäftigte setzen Gesetze um. Richter schützen den Rechtsstaat. Abgeordnete sollen demokratische Entscheidungen treffen. Unternehmer schaffen Arbeitsplätze und zahlen Steuern. Beschäftigte erwirtschaften mit ihrer Arbeit die Umsätze der Unternehmen.

    Keine dieser Gruppen funktioniert dauerhaft ohne die anderen.

    Wer trotzdem ständig nur Unternehmer und Spitzenverdiener zu „Leistungsträgern“ erklärt, beschreibt nicht die Wirklichkeit. Er betreibt Interessenpolitik.

    Ergänztes Fazit

    Karl Lauterbach, Thorsten Alsleben und Oliver Kehrl stehen politisch an unterschiedlichen Stellen. Trotzdem nutzen sie eine ähnliche Methode: Sie teilen Menschen in erwünschte und unerwünschte Gruppen ein.

    Lauterbach erklärt, auf bestimmte Auswanderer könne Deutschland verzichten.

    Alsleben bezeichnet Politiker und Professoren als Kostgänger.

    Kehrl verbreitet die Vorstellung, Spitzenverdiener seien die „Besten der Besten“, während Umverteilung und öffentliche Ausgaben beinahe automatisch mit Sozialismus gleichgesetzt werden.

    So wird die eigentliche Verantwortung erneut verdeckt.

    Nicht die Pflegekraft, der Arbeitslose, der Professor oder der mittelständische Unternehmer hat allein über die verfehlte Wirtschafts-, Verkehrs-, Energie- oder Sozialpolitik entschieden. Verantwortlich sind politische Mehrheiten, Ministerien, Parteien, Konzernführungen und einflussreiche Verbände.

    Doch anstatt diese Machtstrukturen offenzulegen, werden die Bürger gegeneinander ausgespielt.

    Genau darin liegt das Geschäft mit der Empörung: Die Kleinen streiten darüber, wer ein Leistungsträger und wer ein Kostgänger ist – während die gut vernetzten Kreise ihre Interessen längst direkt in Politik und Medien platzieren.

    Leistungsträger gegen Kostgänger: Wie Politik, Lobbyisten und Medien die falschen gegeneinander ausspielen

  • Leistungsträger gegen Kostgänger: Wie Politik, Lobbyisten und Medien die falschen gegeneinander ausspielen

    Leistungsträger gegen Kostgänger: Wie Politik, Lobbyisten und Medien die falschen gegeneinander ausspielen

    Ein Satz reicht für das große Empörungsgeschäft

    „Auf diese Leute können wir verzichten.“

    Mit diesem Satz reagierte Karl Lauterbach auf einen Beitrag von Thorsten Alsleben. Der hatte berichtet, dass fünf wohlhabende Unternehmerfamilien aus seinem Freundeskreis Deutschland verlassen wollten. Drei angeblich nach Mallorca, zwei nach Portugal.

    Lauterbach bezeichnete solche Berichte als permanentes Schlechtreden Deutschlands und verspottete junge Menschen, die wegen hoher Rentenbeiträge über eine Auswanderung nachdenken. Später ruderte er zumindest teilweise zurück und erklärte, Reformen für junge Menschen seien notwendig. Auswanderung sei jedoch nicht das große Problem.

    Sein ursprünglicher Satz bleibt trotzdem arrogant.

    Ein Politiker kann nicht erst hohe Steuern, steigende Sozialabgaben, marode Infrastruktur und immer mehr Bürokratie mitverantworten und den Menschen anschließend erklären, auf diejenigen, die deshalb das Land verlassen, könne man verzichten.

    Politik darf Bürger kritisieren. Sie sollte aber niemals vergessen, dass sie diesen Bürgern gegenüber rechenschaftspflichtig ist.

    Alslebens Freundeskreis ist noch keine Statistik

    Doch auch Thorsten Alsleben erzählt nur eine Seite der Geschichte.

    Fünf befreundete Unternehmerfamilien können ein Warnsignal sein. Sie sind aber noch keine belastbare Untersuchung darüber, weshalb Menschen Deutschland verlassen. Aus fünf persönlichen Gesprächen wird keine vollständige Diagnose für ein Land mit mehr als 80 Millionen Einwohnern.

    Die offiziellen Zahlen zeigen allerdings, dass Lauterbach das Problem ebenfalls nicht einfach wegwischen kann: Im Jahr 2025 wanderten unter dem Strich rund 97.000 deutsche Staatsangehörige mehr aus Deutschland aus, als zurückkehrten. Seit 2005 gibt es bei deutschen Staatsbürgern durchgehend eine Nettoabwanderung.

    Eine Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigte außerdem, dass etwa drei Viertel der untersuchten deutschen Auswanderer einen Hochschulabschluss hatten. Sie ziehen häufig wegen beruflicher Möglichkeiten, höherer Einkommen und persönlicher Erfahrungen ins Ausland. Mehr als zwei Drittel kehren nach einigen Jahren wieder zurück. Unzufriedenheit mit Deutschland war in der damaligen Untersuchung nur für einen kleineren Teil das entscheidende Motiv.

    Die Wahrheit liegt damit weder bei Lauterbachs Herunterspielen noch vollständig in Alslebens Untergangserzählung.

    Deutschland verliert jedes Jahr viele gut ausgebildete Menschen. Gleichzeitig sind nicht alle dauerhaft weg, und nicht jeder verlässt das Land allein wegen Steuern, Sozialabgaben oder der Politik.

    Genau diese Differenzierung geht im politischen Schlagabtausch verloren.

    Der vermeintliche „BerlinReporter“ ist heute Wirtschaftslobbyist

    Thorsten Alsleben tritt auf X unter dem Namen @BerlinReporter auf. Er ist jedoch nicht einfach ein neutraler Beobachter des politischen Berlins, sondern Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, kurz INSM.

    Die INSM wird ausschließlich von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie finanziert. Im Lobbyregister des Bundestages beschreibt sie ihren Auftrag unter anderem als strategische Öffentlichkeitsarbeit, mit der die Akzeptanz marktwirtschaftlicher Reformen in Politik und Gesellschaft erhöht werden soll.

    Das ist legal und darf offen vertreten werden. Doch es muss bei seinen politischen Aussagen mitgedacht werden.

    Hier stritt nicht einfach ein Journalist mit einem Politiker. Hier stritt der Geschäftsführer einer arbeitgeberfinanzierten Lobbyorganisation mit einem langjährigen SPD-Politiker.

    Beide verfolgen eine politische Linie.

    Wer ist hier eigentlich ein „Kostgänger“?

    Alsleben bezeichnete Lauterbach als einen „reinen Kostgänger des Systems“, weil dieser als Professor, Abgeordneter und Minister aus Steuermitteln finanziert worden sei.

    Professor Thomas Jäger stellte daraufhin die naheliegende Frage:

    Sind Professoren demnach ebenfalls reine Kostgänger des Systems?

    Alslebens Antwort lautete sinngemäß, Lauterbach sei einer.

    Doch genau hier wird seine Argumentation schief.

    Natürlich werden Professoren an staatlichen Universitäten, Lehrer, Polizisten, Richter, Feuerwehrleute, Soldaten, Verwaltungsmitarbeiter und Abgeordnete aus öffentlichen Mitteln bezahlt. Daraus folgt aber nicht, dass ihre Arbeit wertlos ist oder sie parasitär von anderen leben.

    Auch Unternehmer erwirtschaften ihren Erfolg nicht im luftleeren Raum. Sie benötigen ausgebildete Beschäftigte, Verkehrswege, Gerichte, Energieversorgung, öffentliche Sicherheit, Krankenhäuser und eine funktionierende Verwaltung.

    Der Staat lebt von der Wirtschaft. Die Wirtschaft lebt aber ebenso von einem funktionierenden Staat.

    Wer nur private Gewinne als Wertschöpfung anerkennt und öffentliche Leistungen ausschließlich als Kosten behandelt, betreibt keine ehrliche wirtschaftspolitische Analyse. Er verbreitet ein Lobby-Framing.

    Die Gesellschaft wird erneut gegeneinander ausgespielt

    In solchen Debatten entsteht schnell dieselbe Rangordnung:

    Oben stehen angeblich die „Leistungsträger“, Unternehmer und Spitzenverdiener. Darunter folgen Arbeitnehmer. Ganz unten werden Grundsicherungsempfänger, Flüchtlinge, Rentner und Beamte als Belastung dargestellt.

    Das halte ich für grundfalsch.

    Natürlich muss über Kosten, Missbrauch, fehlende Arbeitsanreize und eine ausufernde Verwaltung gesprochen werden. Ebenso muss über eine ungesteuerte Migration und die Belastungsgrenzen von Kommunen diskutiert werden können.

    Doch nicht jeder Grundsicherungsempfänger ist arbeitsunwillig. Nicht jeder Flüchtling lebt dauerhaft von Sozialleistungen. Nicht jeder Beamte ist überflüssig. Und nicht jeder Unternehmer ist automatisch ein größerer „Leistungsträger“ als eine Krankenschwester, ein Handwerker, ein Lkw-Fahrer oder ein pflegender Angehöriger.

    Die eigentliche Frage lautet nicht, welche Bevölkerungsgruppe wir zum nächsten Sündenbock erklären.

    Die Frage lautet: Wer trägt für politische Fehlentscheidungen Verantwortung – und welche Konsequenzen folgen daraus?

    Warum haften politische Entscheidungsträger so selten?

    Bei normalen Beschäftigten kann ein schwerer Fehler den Arbeitsplatz kosten. Unternehmer können bei Fehlentscheidungen ihre Firma verlieren.

    In der Politik erleben wir dagegen immer wieder, dass Milliardenentscheidungen getroffen werden, Untersuchungsausschüsse folgen, Erinnerungslücken auftreten – und anschließend geht die politische Karriere weiter.

    Die Maskenbeschaffung unter dem damaligen Gesundheitsminister Jens Spahn wird bis heute wegen Überbeschaffung, möglicher Fehlentscheidungen und enormer finanzieller Risiken untersucht. Der Bundesrechnungshof kritisierte auch Ende 2025 weiterhin die unzureichende Aufarbeitung. Das bedeutet nicht, dass jede Anschuldigung gegen Spahn bewiesen ist. Es bedeutet aber, dass die Verantwortung noch immer nicht zufriedenstellend geklärt wurde.

    Bei der gescheiterten Pkw-Maut musste der Bund 243 Millionen Euro Schadenersatz zahlen. Gegen den früheren Verkehrsminister Andreas Scheuer und einen ehemaligen Staatssekretär soll im September 2026 ein Strafprozess wegen des Vorwurfs einer Falschaussage beginnen. Beide bestreiten den Vorwurf; für sie gilt die Unschuldsvermutung. Im Zusammenhang mit der Hamburger Warburg-Bank blieben bei Olaf Scholz viele Fragen und auffällige Erinnerungslücken. Gleichzeitig muss fair festgehalten werden, dass bislang keine belastbaren Beweise dafür vorliegen, dass Scholz persönlich in das Steuerverfahren eingegriffen hat. Karl-Theodor zu Guttenberg wechselte nach seiner politischen Karriere in die internationale Beratung. Seine Firma arbeitete später auch für Wirecard und stellte nach eigenen Angaben politische und wirtschaftliche Kontakte her. Seine Rolle wurde im Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestages behandelt.

    Genau darüber müsste viel grundsätzlicher gesprochen werden:

    Wie lang müssen Sperrfristen zwischen Ministeramt und Lobbytätigkeit sein? Wann muss ein Politiker nach grobem Versagen zurücktreten? Wie transparent müssen Kontakte zu Unternehmen, Banken und Verbänden offengelegt werden? Und weshalb scheint politische Verantwortung häufig mit einer Entschuldigung, einem Untersuchungsausschuss oder einem Wechsel in die Wirtschaft erledigt zu sein?

    Die Medien stellen lieber den Krawall ins Schaufenster

    Die von mir gesammelten Überschriften zeigen beinahe überall dasselbe Bild:

    „Lauterbach ätzt gegen Top-Verdiener.“

    „Lauterbach attackiert Gutverdiener.“

    „An Arroganz kaum zu übertreffen.“

    „Auf diese Leute können wir verzichten.“

    Damit ist die Empörungsmaschine gefüttert.

    Natürlich war Lauterbachs Aussage berichtenswert. Doch die meisten Beiträge konzentrieren sich auf den persönlichen Schlagabtausch. Weniger auffällig wird erklärt, dass Alsleben kein neutraler Wirtschaftsexperte, sondern Chef einer arbeitgeberfinanzierten Lobbyorganisation ist.

    Noch seltener wird untersucht, welche politischen Entscheidungen tatsächlich zur Abwanderung beitragen, wie viele Auswanderer dauerhaft wegbleiben und welche Interessen hinter den unterschiedlichen Erzählungen stehen.

    Ein Streit zwischen zwei bekannten Namen erzeugt Klicks. Eine gründliche Untersuchung von Steuerpolitik, Lobbyeinfluss, Rentenfinanzierung, Wohnkosten, Unternehmensbedingungen, Infrastruktur und politischer Verantwortung kostet dagegen Zeit und Geld.

    So landet der Krawall auf der Titelseite, während die wirkliche Aufklärung im Hintergrund verschwindet.

    Zwei falsche Extreme ergeben noch keine Wahrheit

    Karl Lauterbach hat mit seinem Satz Menschen herabgewürdigt, deren Sorgen ernst genommen werden müssen. Ein Vorsitzender eines Bundestagsausschusses sollte nicht erklären, auf welche Bürger das Land angeblich verzichten könne.

    Thorsten Alsleben macht es jedoch nicht besser, wenn er Politiker oder Professoren zu „Kostgängern“ erklärt und eine Anekdote aus seinem wohlhabenden Freundeskreis zur Zustandsbeschreibung Deutschlands erhebt.

    Und Professor Thomas Jäger sollte die Debatte nicht bei der empörten Frage beenden, ob Professoren ebenfalls Kostgänger seien. Interessanter wäre die Frage, warum politisches Versagen in Deutschland so selten persönliche Konsequenzen hat und wie eng Wissenschaft, Medien, Politik, Lobbyorganisationen und wirtschaftliche Interessen miteinander verbunden sind.

    Mein Fazit

    Deutschland kann weder auf erfolgreiche Unternehmer noch auf gute Professoren, Pflegekräfte, Handwerker, Lehrer, Beschäftigte oder Menschen verzichten, die vorübergehend Unterstützung benötigen.

    Was Deutschland nicht mehr gebrauchen kann, ist dieses ewige Gegeneinander-Ausspielen.

    Der eine zeigt auf Sozialleistungsempfänger. Der nächste auf Flüchtlinge. Der dritte auf Beamte. Der vierte auf Unternehmer. Und während sich alle gegenseitig zu Schmarotzern oder Kostgängern erklären, entziehen sich politische Verantwortung, Lobbyeinfluss und jahrelange Misswirtschaft erneut der eigentlichen Debatte.

    Solange sich Politik und Medien daran nicht ändern, werden Menschen Deutschland weiterhin verlassen. Manche wegen ihrer Karriere, manche wegen höherer Einkommen und andere, weil sie das Vertrauen in diesen Staat verloren haben.

    Lauterbachs Überheblichkeit ist dabei ebenso Teil des Problems wie Alslebens Lobbyrhetorik.

    Denn ehrlich ist diese Debatte bislang auf keiner Seite.

  • Vom Pressehaus zur politischen Schaltzentrale: Was bei Axel Springer wirklich umgebaut wird

    Vom Pressehaus zur politischen Schaltzentrale: Was bei Axel Springer wirklich umgebaut wird

    Bei Axel Springer wechseln derzeit nicht einfach einige Redakteure ihre Büros. Im Hintergrund wird ein publizistisches Machtzentrum neu sortiert. Bekannte Köpfe verlassen Führungspositionen, andere werden mit markenübergreifender Verantwortung ausgestattet. Gleichzeitig wird offen über Koalitionen, die AfD und den politischen Kurs Deutschlands gesprochen.

    Spätestens mit dem Wechsel von Michael Bröcker von Table.Briefings zu Axel Springer wird sichtbar, dass es um mehr geht als um eine gewöhnliche Personalentscheidung. Es geht um die Frage, wer künftig die politische Berichterstattung von WELT, POLITICO Deutschland und BUSINESS INSIDER Deutschland prägt – und damit auch darum, welche Themen groß gemacht, welche politischen Möglichkeiten verworfen und welche Personen als seriöse Gesprächspartner präsentiert werden.

    ## Michael Bröcker wird nicht irgendein neuer Redakteur

    Michael Bröcker verlässt Table.Briefings und wird bei Axel Springer nicht nur Chefredakteur von POLITICO Deutschland. Er übernimmt zugleich die neu zugeschnittene Position des übergreifenden Politikchefs der sogenannten PREMIUM-GRUPPE.

    Zu dieser Gruppe gehören WELT, POLITICO Deutschland und BUSINESS INSIDER Deutschland. Bröcker erhält damit Einfluss auf die politische Berichterstattung mehrerer reichweitenstarker Medienmarken gleichzeitig. Annett Meiritz wechselt zusätzlich vom Handelsblatt zu POLITICO Deutschland und wird dort stellvertretende Chefredakteurin. Der bisherige POLITICO-Chef Gordon Repinski erhält wiederum eine neue, markenübergreifende Rolle als „International Political Anchor“.

    Das ist keine einfache Neubesetzung eines einzelnen Schreibtisches. Hier wird politische Berichterstattung gebündelt. Dieselben führenden Personen sollen künftig über Zeitung, Internet, Fernsehen, Podcasts und soziale Netzwerke hinweg auftreten.

    Wer diese Struktur kontrolliert, entscheidet nicht darüber, was die Bürger wählen. Er entscheidet aber sehr wohl mit darüber, welche Themen täglich erscheinen, welche Aussagen als vernünftig gelten und welche politischen Möglichkeiten bereits sprachlich aus dem zulässigen Raum geschoben werden.

    ## Bröckers LinkedIn-Beitrag klingt teilweise wie eine politische Regierungserklärung

    Besonders aufschlussreich ist Bröckers eigene Ankündigung seines Wechsels auf LinkedIn. Darin schreibt er nicht nur über Journalismus oder seine berufliche Zukunft. Er formuliert einen ganzen politischen Forderungskatalog:

    Mehr Vertrauen in Unternehmer, einen effizienteren Staat, eine „Radikalkur“ bei politischen Ritualen, Technologieoffenheit und schließlich den Satz:

    **„Schwarz-blaue Fantasien brauchen wir nicht.“**

    Natürlich darf auch ein Chefredakteur eine politische Meinung haben. Journalisten müssen keine gesichtslosen Schreibmaschinen sein. Problematisch wird es jedoch, wenn ein künftiger gruppenweiter Politikchef bereits bei seinem Amtsantritt eine mögliche Koalition politisch abräumt, noch bevor er seine neue Position überhaupt übernommen hat.

    Bröckers Text liest sich an einigen Stellen weniger wie die sachliche Mitteilung eines Journalisten und mehr wie eine Bewerbung bei einem politischen Parteivorstand. Er beschreibt nicht nur, wie er arbeiten will. Er erklärt, welches politische Bündnis Deutschland seiner Ansicht nach ausdrücklich nicht benötigt.

    Das ist noch kein Beweis für eine parteipolitische Steuerung. Es ist aber ein deutliches Signal, aus welcher politischen Haltung heraus der künftige Politikchef an seine Arbeit herangeht.

    Noch bemerkenswerter ist seine persönliche Erklärung zu Helge Fuhst. Bröcker bezeichnet ihn als integren Journalisten und schreibt sinngemäß, für Fuhst gehe er „durchs Feuer“.

    Auch das ist menschlich nachvollziehbar. Für eine öffentliche Mitteilung über den Wechsel in eine der mächtigsten deutschen Mediengruppen klingt es allerdings eher nach einem engen politischen und persönlichen Netzwerk als nach nüchterner redaktioneller Distanz.

    ## Helge Fuhst steuert die gesamte PREMIUM-GRUPPE

    Helge Fuhst kam Anfang 2026 von der ARD zu Axel Springer. Zuvor leitete er die Redaktion der Tagesthemen und war Zweiter Chefredakteur von ARD-aktuell. Bei Springer wurde er Vorsitzender der Chefredaktionen der PREMIUM-GRUPPE und zugleich Chefredakteur der WELT-Gruppe.

    Nach der offiziellen Beschreibung steuert Fuhst markenübergreifend die gesamte Berichterstattung von WELT, POLITICO Deutschland und BUSINESS INSIDER Deutschland. Die jeweiligen Chefredakteure sind in diese zentrale Struktur eingeordnet.

    Damit entsteht eine publizistische Befehlskette, die weit über eine einzelne Zeitung hinausgeht.

    WELT galt traditionell als konservativ und wirtschaftsliberal. POLITICO richtet sich besonders an das politische Berlin, Brüssel, Ministerien, Abgeordnete, Verbände und Lobbyorganisationen. BUSINESS INSIDER erreicht wiederum ein wirtschaftlich interessiertes Publikum.

    Wer diese drei Marken zusammenführt, besitzt Zugriff auf unterschiedliche Teile derselben Machtlandschaft: auf die breite Öffentlichkeit, die politische Führungsebene und die wirtschaftlichen Entscheidungsträger.

    Der Wechsel Fuhsts von der ARD zu Springer beweist für sich genommen keine politische Kursverschiebung. Zusammen mit der Berufung Bröckers und der Zentralisierung der Redaktionen entsteht jedoch ein erkennbares neues Machtgefüge.

    ## Was geschieht mit den bisherigen konservativen Köpfen?

    Gleichzeitig verlieren mehrere Personen, die lange für das konservative und streitbare Profil der WELT standen, ihre formalen Führungspositionen.

    Robin Alexander verließ zum Jahreswechsel 2025/2026 die Redaktion. Gemeinsam mit Dagmar Rosenfeld führt er den Podcast „Machtwechsel“ seit Januar 2026 eigenständig weiter. Alexander bleibt zwar Kolumnist der WELT AM SONNTAG und Gast bei WELT TV, besitzt aber keine feste redaktionelle Führungsposition mehr.

    Auch Ulf Poschardt ist nicht vollständig aus dem Axel-Springer-Haus verschwunden. Er gab jedoch zum 1. Juli 2026 seine Herausgeberposition für WELT, POLITICO Deutschland und BUSINESS INSIDER Deutschland ab. Springer machte ihn stattdessen zum sogenannten „Freiesten Mitarbeiter“.

    Er soll weiterhin Kolumnen, Videos, Podcasts und Talkformate produzieren. Mathias Döpfner erklärte sogar, man wolle „mehr Ulf Poschardt“. Trotzdem besteht ein entscheidender Unterschied: Poschardt produziert weiterhin Inhalte, besitzt aber nicht mehr dieselbe formale Macht über die redaktionelle Gesamtlinie.

    Jan Philipp Burgard legte seine Funktionen als WELT-Chefredakteur offiziell aus gesundheitlichen Gründen nieder. Seine Position übernahm Fuhst.

    Man muss deshalb sauber bleiben: Poschardt wurde nicht aus dem Haus geworfen, Alexander hat nicht jeden Kontakt zur WELT abgebrochen und bei Burgard wurden gesundheitliche Gründe genannt.

    Trotzdem ist das Ergebnis eindeutig: Die bisherige Führungsmannschaft wird durch eine neue, zentralisierte Struktur ersetzt. Die alten Köpfe dürfen teilweise weiter schreiben, senden und ihre eigenen Formate betreiben. Die organisatorische Macht über die politische Berichterstattung wandert jedoch zu Fuhst, Bröcker und der neuen PREMIUM-GRUPPE.

    ## Die AfD ist zur Bruchlinie im Springer-Haus geworden

    Der Konflikt um den Umgang mit der AfD zieht sich inzwischen sichtbar durch Axel Springer.

    Ende 2024 veröffentlichte die WELT AM SONNTAG einen Gastbeitrag von Elon Musk, in dem dieser ausdrücklich für die AfD warb. Die Veröffentlichung führte zu heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der Redaktion. Die damalige Leiterin des Meinungsressorts, Eva Marie Kogel, kündigte aus Protest. Ulf Poschardt und Jan Philipp Burgard verteidigten dagegen die Entscheidung, den Text zu veröffentlichen und ihm eine Gegenposition gegenüberzustellen.

    Ende 2025 berichteten Branchenmedien, die Redaktion habe einen weiteren geplanten Gastbeitrag verhindert, diesmal von AfD-Mitgründer Alexander Gauland. Im Umfeld dieser Auseinandersetzungen wurde auch der Abschied Robin Alexanders bekannt. Ein direkter und alleiniger Zusammenhang ist öffentlich nicht bewiesen. Der Streit zeigt jedoch, wie tief die Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Hauses reichen.

    Auf der einen Seite stehen Stimmen, die auch umstrittene AfD-Positionen und Gastbeiträge veröffentlichen wollen. Auf der anderen Seite stehen Journalisten und neue Führungskräfte, die schon den Gedanken an Schwarz-Blau öffentlich verwerfen.

    Hier wird nicht nur über journalistische Formate gestritten. Hier wird um die politische Richtung eines der mächtigsten Medienhäuser Deutschlands gerungen.

    ## Döpfner steht tatsächlich zwischen mehreren Fronten

    Auch Mathias Döpfner gerät dabei zunehmend unter Druck.

    Axel Springer bestätigte zwei persönliche Gespräche zwischen Döpfner und Friedrich Merz über die AfD: eines Ende 2024, als Merz noch Oppositionsführer war, und ein weiteres im Frühjahr 2026 während dessen Kanzlerschaft.

    Der Verlag bestreitet jedoch ausdrücklich die Darstellung, Döpfner habe Merz zu einer Zusammenarbeit mit der AfD gedrängt. Nach Angaben Springers habe Döpfner vielmehr seine kritische Haltung zur Partei erklärt und lehne die AfD politisch ab.

    Gleichzeitig wird von einem schweren Zerwürfnis zwischen Merz und Döpfner berichtet. Bei einem WELT-Wirtschaftsgipfel im Januar 2026 soll Merz in Anwesenheit Döpfners besonders scharfe Angriffe aus den Springer-Medien auf seine Person vorgelesen haben. Die Stimmung zwischen beiden wurde aus dem Teilnehmerumfeld als eisig beschrieben. Das Kanzleramt bestätigte die Einzelheiten nicht.

    Döpfner steht damit zwischen verschiedenen Lagern.

    Kritiker von links werfen Springer vor, der AfD und Figuren wie Elon Musk eine zu große Bühne zu bieten. Teile des konservativen Publikums wiederum sehen, wie bisherige meinungsstarke Köpfe Führungspositionen abgeben und ein neuer Politikchef bereits vor Amtsantritt Schwarz-Blau öffentlich ausschließt.

    Döpfner wird somit gleichzeitig beschuldigt, zu weit nach rechts zu gehen und sein eigenes konservatives Profil aufzugeben.

    Das ist kein Beweis dafür, dass jemand Axel Springer von außen übernommen hat. Es zeigt aber, dass innerhalb des Hauses ein heftiger Kampf um Richtung, Einfluss und politische Anschlussfähigkeit stattfindet.

    ## Ein Medienunternehmen mit einer außergewöhnlichen Machtkonzentration

    Nach der Trennung von den großen Stellen- und Immobilienplattformen befindet sich das eigentliche Medienunternehmen Axel Springer wieder nahezu vollständig im Besitz von Friede Springer und Mathias Döpfner. Beide halten zusammen 95 Prozent der Anteile. Der Konzern bezeichnet sich seitdem wieder als familiengeführtes und schuldenfreies Medienunternehmen.

    Eigentum an einem Medienunternehmen bedeutet selbstverständlich nicht, dass jeder einzelne Artikel persönlich vom Eigentümer angeordnet wird.

    Es bedeutet aber, dass sehr wenige Menschen über die langfristige Strategie, die Führungspositionen, die Markenstruktur und die Verteilung finanzieller Mittel entscheiden können.

    Wenn gleichzeitig mehrere Redaktionen unter einer gemeinsamen Führung gebündelt werden, steigt diese Machtkonzentration weiter. Aus drei formal unterschiedlichen Medien können dadurch drei Ausspielwege derselben publizistischen Grundrichtung werden.

    Dann erscheint ein Thema morgens bei POLITICO, wird mittags bei WELT TV besprochen, am Nachmittag von BUSINESS INSIDER wirtschaftlich eingeordnet und abends in sozialen Netzwerken von denselben bekannten Gesichtern kommentiert.

    Für das Publikum wirkt dies wie eine breite gesellschaftliche Debatte. Tatsächlich kann ein erheblicher Teil dieser Debatte aus demselben Konzern, denselben Führungsebenen und denselben politischen Netzwerken stammen.

    ## Wenn Journalisten selbst politische Grenzen festlegen

    Journalismus muss Macht kontrollieren. Er soll Widersprüche offenlegen, Informationen beschaffen und unterschiedliche politische Möglichkeiten prüfen.

    Journalismus sollte jedoch vorsichtig werden, wenn seine führenden Vertreter anfangen, bereits vor einer Wahl oder Koalitionsbildung festzulegen, welche demokratisch möglichen Mehrheiten diskutiert werden dürfen und welche als bloße „Fantasien“ abgetan werden.

    Man kann eine Koalition aus CDU und AfD politisch ablehnen. Dafür gibt es zahlreiche Gründe, über die offen gestritten werden muss. Ein Politikchef darf diese Meinung ebenfalls vertreten.

    Doch wenn derselbe Politikchef anschließend die Berichterstattung mehrerer großer Medienmarken prägt, muss das Publikum wissen, dass hier nicht nur ein neutraler Beobachter spricht.

    Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob Michael Bröcker Schwarz-Blau ablehnen darf. Natürlich darf er das.

    Die entscheidende Frage lautet: Wird seine Redaktion trotzdem ergebnisoffen darüber berichten? Werden Vertreter unterschiedlicher Positionen fair befragt? Werden Argumente geprüft oder schon durch sprachliche Etiketten aussortiert? Und wird auch die bestehende politische Macht mit derselben Härte kontrolliert?

    ## Presse und Politik treffen sich längst nicht nur im Interview

    Große Medienhäuser berichten nicht einfach von außen über Politik. Ihre Führungskräfte treffen Kanzler, Minister, Parteivorsitzende, Konzernchefs und Lobbyisten persönlich. Sie organisieren Wirtschaftsgipfel, Sicherheitskonferenzen, Hintergrundgespräche und Veranstaltungen, bei denen politische und wirtschaftliche Macht direkt auf publizistische Macht trifft.

    Das ist nicht automatisch eine Verschwörung. Es ist zunächst ein Netzwerk.

    Doch Netzwerke werden problematisch, wenn Nähe nicht mehr kritisch offengelegt wird, wenn Journalisten politische Strategien mitentwickeln oder wenn Medienhäuser beginnen, bestimmte Regierungsbündnisse zu fördern beziehungsweise grundsätzlich auszuschließen.

    Der Bürger sieht später nur die fertige Sendung, die Schlagzeile oder das Interview. Er sieht nicht, welche Gespräche vorher stattgefunden haben, welche Personen sich seit Jahren kennen und welche Entscheidungen hinter verschlossenen Türen getroffen wurden.

    Gerade deshalb braucht ein großer Medienkonzern mehr Transparenz und nicht weniger.

    ## Mein Fazit: Axel Springer wird nicht unpolitischer, sondern zentraler

    Axel Springer verabschiedet sich nicht vollständig von seinem konservativen Profil. Poschardt bleibt Autor, Robin Alexander bleibt Kolumnist und auch weiterhin erscheinen bei WELT deutlich konservative Stimmen.

    Doch die formale Macht wird neu verteilt.

    Statt einzelner starker Zeitungsredaktionen entsteht eine zentral gesteuerte PREMIUM-GRUPPE. Statt klar getrennter Medienmarken arbeiten Politikchefs, Moderatoren, Podcaster und sogenannte Creator zunehmend markenübergreifend.

    Michael Bröckers LinkedIn-Erklärung macht dabei sichtbar, dass auch die neue Führung keine politisch unbeschriebene Seite ist. Sein Satz gegen „schwarz-blaue Fantasien“ ist eine klare politische Ansage – ausgesprochen von einem Mann, der künftig die Politikberichterstattung mehrerer großer Medienmarken mitsteuern soll.

    Das muss man nicht als geheimen Plan bezeichnen. Die öffentlich sichtbaren Vorgänge reichen bereits aus, um aufmerksam zu werden.

    Denn gefährlich wird Medienmacht nicht erst dann, wenn jemand einen direkten Befehl erteilt.

    Sie beginnt dort, wo wenige Personen bestimmen können, worüber Millionen Menschen sprechen, welche politischen Optionen als vernünftig gelten und welche schon vor Beginn der eigentlichen Debatte aussortiert werden.

    Eine freie Presse soll die Macht kontrollieren.

    Sie darf nicht selbst zum Ersatz für einen Parteivorstand werden.